"Gen Z regelt"-Demonstration
"Gen Z regelt"-Ticker: Schock nach Eskalation in Frankfurt
Veröffentlicht:
von Nadine von Parseval:newstime
Krawalle bei mehreren "Gen Z"-Demos
Videoclip • 04:12 Min • Ab 12
Die Initiative "Gen Z regelt" hatte zu Demonstrationen in mehr als 30 deutschen Städten aufgerufen. Während viele Kundgebungen friedlich verliefen, kam es in Frankfurt zu schweren Ausschreitungen und zahlreichen Festnahmen. Die Entwicklungen und Reaktionen im Überblick.
Krawalle nach Gen-Z-Protest: Mehr als 30 Festnahmen in Frankfurt
Nach schweren Ausschreitungen in der Frankfurter Innenstadt hat sich die Situation in der Nacht zum Sonntag wieder beruhigt. Die Polizei blieb dennoch mit zahlreichen Kräften vor Ort. Zuvor waren Einsatzkräfte angegriffen, Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert worden. Mehr als 30 Menschen wurden vorläufig festgenommen.
Die Gewalt war im Anschluss an eine zunächst überwiegend friedliche Demonstration der Initiativen "Gen Z regelt" und "Generation Aufbruch" ausgebrochen. Zwischenzeitlich beteiligten sich nach Polizeiangaben bis zu 8.000 Menschen an dem Protestzug durch Frankfurt. Die Veranstalter:innen sprachen von rund 9.000 Teilnehmer:innen.
Im Laufe des Abends kippte die Stimmung. Einsatzkräfte wurden nach Polizeiangaben wiederholt mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik angegriffen. Mehrere Polizist wurden verletzt. Gegen 18.20 Uhr erklärte die Polizei die Demonstration wegen des unfriedlichen Verlaufs schließlich für beendet.
Wie die "Tagesschau" berichtet, drangen Randalierer unter anderem in Geschäfte ein und stahlen Waren. Auch ein Waffengeschäft wurde attackiert. Einsatzkräfte nahmen dort mehrere Personen fest und stellten zwei Waffen sicher. Um welche Art von Waffen es sich handelte, war zunächst nicht bekannt.
Die Polizei war mit mehr als 1.000 Kräften im Einsatz. Auch ein Wasserwerfer und das Spezialeinsatzkommando (SEK) kamen zum Einsatz. Wie hoch der entstandene Sachschaden ist, war am Sonntagmorgen noch unklar.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) reagierte mit deutlichen Worten auf die Ereignisse. Die Gewaltexzesse würden nicht ohne Konsequenzen bleiben, kündigte er an. Tätergruppen und der genaue Ablauf sollten nun ausgewertet werden.
Innenminister Roman Poseck (CDU) sprach von rund 100 mutmaßlich linksextremistisch motivierten Gewalttätern, die sich unter die Demonstration gemischt hätten. Sie hätten Einsatzkräfte unter anderem mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik angegriffen.
Dass es zu solchen Störungen kommen könnte, hatten die Behörden bereits vor der Demonstration befürchtet. Das Hessische Innenministerium hatte zwei Tage vor den Protesten mitgeteilt, es gebe konkrete Hinweise auf eine mögliche Unterwanderung durch Linksextremisten mit Gewaltpotenzial. Gleichzeitig gingen die Behörden damals noch von einem überwiegend friedlichen Verlauf aus.
22:22 Uhr: Randale auf Kölner Domplatte - Flaschenwürfe gegen Beamte
In der Kölner Innenstadt hat sich nach den "Gen Z regelt"-Protesten die Lage am Abend durch rund 200 teils randalierende Personen zugespitzt. Auf der Domplatte nahe dem Kölner Hauptbahnhof kam es zu Angriffen auf Polizisten, Flaschen wurden geworfen, Fahrräder flogen, ein Mensch erlitt Verletzungen. Randalierer wurden festgesetzt. Es gab nach Polizeiangaben fünf Ingewahrsamnahmen.
In einer Nebenstraße ging demnach eine Fensterscheibe durch einen geworfenen E-Scooter zu Bruch. Eine Polizeisprecherin sprach von einem dynamischen Lagebild. Polizeikräfte wurden zusammengezogen. Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, an mehreren Stellen im Stadtgebiet komme es zu Einsätzen aufgrund von Störern und Krawallmachern, die Böller und Raketen zündeten.
22:14 Uhr: Plünderungen in Frankfurt – Waffenfachgeschäft attackiert
In der Frankfurter Innenstadt haben Randalierer mehrere Schaufensterscheiben von Geschäften eingeschlagen, es kam zu Plünderungen. Wie dpa-Reporter beobachteten, drangen mehrere Personen in Geschäfte ein und stahlen Turnschuhe und andere Gegenstände. Auch ein Waffenfachgeschäft wurde attackiert.
Die Polizei sprach ebenfalls davon, dass an mehreren Läden Scheiben eingeschlagen wurden. "Es werden zudem Molotowcocktails auf Einsatzkräfte geworfen." Ein Molotowcocktail ist ein selbst gebastelter Brandsatz mit einer Flasche und brennbarer Flüssigkeit.
20:52 Uhr: "Gen Z regelt" zählt mehr als 100.000 Demo-Teilnehmer
Die Initiative "Gen Z regelt" hat ein positives Fazit der bundesweiten Jugendproteste gezogen. "Heute haben hunderttausend Menschen gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen", sagte ein Sprecher vom Presseteam der Initiative, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will. Kurz vor 20.00 Uhr sprach er von mehr 100.000 Teilnehmern, die Zahlen von sechs bis acht Städten würden noch fehlen.
Zugleich betonte er, dass seine Initiative in drei Wochen wieder viele junge Menschen für Aktionen mobilisieren wolle. "Für uns ist das nur der erste Schritt. Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen", sagte Amadeo der Deutschen Presse-Agentur.
19:46 Uhr: Ausschreitungen in mehreren Städten nach friedlichem Protest
Nach einem friedlichen Protest Zehntausender junger Menschen ist es am Abend in mehreren deutschen Städten zu Ausschreitungen gekommen. Aus Frankfurt wurden verletzte Polizisten gemeldet, aus Berlin Flaschen-, Böller- und Eierwürfe und aus Hamburg brennende Barrikaden. In mehreren Städten kamen Wasserwerfer zum Einsatz.
Bei einer Demonstration in Berlin-Mitte nahe der bekannten Hackeschen Höfe kam es nach Polizeiangaben zu Eier- und Flaschenwürfen. Auch Böller wurden vereinzelt geworfen. Die Polizei in der Hauptstadt rief Demonstranten dazu auf, "sich unbedingt friedlich zu verhalten, keine Pyrotechnik zu benutzen und sich klar und deutlich erkennbar von Gewalttätigkeiten zu distanzieren".
Auch in Frankfurt wurden Böller auf Polizisten geworfen. Nach ersten Erkenntnissen des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) erlitten mehrere Polizisten Verletzungen. "Ein Beamter ist möglicherweise auch etwas schwerer verletzt, aber das bedarf noch der weiteren Aufarbeitung", sagte Poseck.
18:15 Uhr: Brennende Barrikaden und Pfefferspray bei Hamburger Demo
Brennende Barrikaden, Pfefferspray-Einsatz und Wasserwerfer als Feuerlöscher: Bei der Hamburger Demonstration unter dem Motto "Gegen Wehrpflicht - Gen Z regelt!" hatten die Einsatzkräfte der Polizei am Ende alle Hände voll zu tun. Nach einem weitgehend störungsfreien Verlauf am Nachmittag war die Lage auf dem Steindamm in der Nähe des Hauptbahnhofes schließlich teils aus dem Ruder geraten.
So hatten gegen Ende der Demonstration schwarz gekleidete und teils vermummte Menschen mehrfach Pyrotechnik gezündet sowie Baustellenabsperrungen aus ihren Verankerungen gerissen und in Brand gesteckt. Teils waren die Einsatzkräfte auch mit Pyrotechnik und Baustellenmaterial beworfen worden. Die Polizei schritt ein, trieb die Menge wieder auseinander und setzte teils auch Pfefferspray gegen die Demonstrierenden ein. Das Feuer wurde schließlich mithilfe eines Wasserwerfers gelöscht. Im Anschluss wurde die Kundgebung durch die Polizei offiziell beendet.
17:10 Uhr: Wasserwerfereinsatz gegen "gewaltbereite Demonstranten"
Am Rande der Gen-Z-Demo in Köln ist ein Wasserwerfer der Polizei zum Einsatz gekommen. Ein dpa-Reporter berichtete, dass dieser nach dem Zünden mehrerer Böller Wasser auf Demonstranten gespritzt habe. Der Wasserwerfereinsatz richtete sich nach Angaben des Innenministeriums gegen "gewaltbereite Demonstranten". Sie hätten die Standkundgebung verlassen wollen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Eine Polizeisprecherin sagte, dass es vor dem Einsatz Angriffe mit Pyrotechnik auf Einsatzkräfte gegeben habe.
Die Polizei hatte zuvor bereits einen Demonstrationszug abgesagt, nachdem Pyrotechnik gezündet worden war und sich mehrere Teilnehmende nicht an das Vermummungsverbot gehalten hatten.
16:06 Uhr: Teilnehmerzahlen bleiben hinter Erwartungen
In zahlreichen deutschen Städten haben Tausende junge Menschen für bessere Bildung, niedrigere Lebenshaltungskosten und die Abschaffung der Wehrpflicht demonstriert. Die von der Kampagne "Gen Z regelt" organisierten Kundgebungen waren in 34 Städten geplant, darunter in Berlin, Frankfurt und München. Die Teilnehmerzahlen blieben am Samstagnachmittag jedoch deutlich hinter den Erwartungen der Organisatoren zurück. Während diese im Vorfeld mit mehr als 160.000 registrierten Teilnehmern gerechnet hatten, sprach die Polizei in Berlin, München und Frankfurt zusammen von rund 6000 Demonstranten. Auf der Website der Veranstalter war dagegen von rund 36.000 Teilnehmern die Rede.
14:35 Uhr: Polizei: Mehrere Hundert Teilnehmer
In Mainz haben die angekündigten Jugendproteste begonnen. Mehrere Hundert Menschen gingen zunächst auf die Straße, um unter anderem gegen steigende Lebenshaltungskosten und Kürzungen im Bildungsbereich zu demonstrieren. Nach Angaben der Polizei blieb die Lage zunächst friedlich. Auf der Website der Initiative "Gen Z regelt" hatten zuvor mehr als 4.000 Menschen ihre Teilnahme angekündigt. Die Kundgebung startete am Gutenbergplatz. Polizei und Innenministerium rechnen nicht mit Ausschreitungen. Bundesweit sind am Samstag Proteste in mehr als 30 Städten geplant.
13:09 Uhr: Zwischenbilanz in Frankfurt
In Frankfurt haben am Nachmittag die angekündigten Gen-Z-Proteste begonnen. Tausende Menschen werden zu den zwei angemeldeten Demonstrationen erwartet, die größere davon wird von der Initiative "Gen Z regelt" organisiert. Die Gruppe fordert unter anderem mehr Klimaschutz und Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und spricht sich gegen eine Wehrpflicht aus. Die Polizei ist mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort, rechnet nach eigenen Angaben aber mit einem überwiegend friedlichen Verlauf. Das hessische Innenministerium sieht zugleich die Gefahr, dass Linksextremisten mit Gewaltpotenzial den Protest unterwandern könnten. Innenminister Roman Poseck (CDU) will am frühen Abend eine erste Bilanz ziehen.
Mehrere Schaufenster in der Innenstadt sind verbarrikadiert.
Bild: David Hutzler/dpa
11:57 Uhr: Hamburger Polizei bereitet Großeinsatz für "Gen Z regelt"-Demo vor
Auch in Hamburg stellt sich die Polizei auf die bundesweiten "Gen Z regelt"-Proteste ein. Für 14 Uhr ist in der Innenstadt eine Demonstration unter dem Motto "Gegen Wehrpflicht – Gen Z regelt!" angekündigt. Erwartet werden laut Polizei zwischen 1.000 und 2.000 Teilnehmer:innen.
Obwohl die Einsatzkräfte von einem weitgehend friedlichen Verlauf ausgehen, sollen mehrere Hundertschaften und Drohnen zum Einsatz kommen. "Wer hingegen Ärger macht oder Straftaten begeht, muss mit einem konsequenten Einschreiten rechnen", erklärte ein Polizeisprecher.
Die Demonstration soll vom Jungfernstieg über die Mönckebergstraße bis zum Lohmühlenpark in St. Georg führen. Aus Sorge vor möglichen Ausschreitungen haben zahlreiche Einzelhändler am Neuen Wall ihre Schaufenster bereits am Freitag mit Holzplatten gesichert. Hintergrund sind unter anderem die gewaltsamen Jugendproteste in Frankreich. Wegen des Reformationstages bleiben die Geschäfte am Samstag ohnehin geschlossen.
Holzplatten statt Schaufensterauslagen: In der Erfurter Innenstadt haben sich mehrere Einzelhändler auf die angekündigten "Gen Z regelt"-Proteste vorbereitet. Obwohl die Behörden keine gewaltsamen Ausschreitungen erwarten, haben einige Geschäfte ihre Fenster vorsorglich verbarrikadiert.
Wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) beobachtete, wurden unter anderem die Schaufenster eines internationalen Sportartikelhändlers und einer Kosmetikkette nahe dem Anger mit frischen Holzplatten gesichert. In der Innenstadt waren zudem zahlreiche Polizeifahrzeuge zu sehen. Auch bei mehreren anderen Geschäften, darunter Juweliere, blieben die Rollläden geschlossen. Das dürfte allerdings vor allem am Reformationstag liegen, der in Thüringen ein gesetzlicher Feiertag ist.
"Gen Z regelt": Demonstration mit 100 Menschen angemeldet
Für den Nachmittag ist in Erfurt eine Kundgebung mit 100 Teilnehmer:innen angemeldet. Wie viele Menschen tatsächlich erscheinen werden, bleibt abzuwarten. Auf der Internetseite der Initiative "Gen Z regelt" sind zwar mehr als 10.000 Zusagen verzeichnet. Allerdings können Interessierte dort ohne weitere Überprüfung ihre Teilnahme bestätigen.
Hinzu kommt eine Unstimmigkeit beim Veranstaltungsort: Während die Initiative auf ihrer Homepage zu einer Demonstration am Domplatz aufruft, liegt der Stadt Erfurt lediglich eine Anmeldung für den Bereich rund um den Anger vor. Die Stadt und die zuständigen Sicherheitsbehörden gingen zuletzt nicht von gewaltsamen Ausschreitungen aus.
Proteste in mehr als 30 deutschen Städten geplant
Die Initiative "Gen Z regelt" hat bundesweit zu friedlichen Demonstrationen in mehr als 30 Städten aufgerufen. Im Mittelpunkt stehen soziale, wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Forderungen. Die Organisator:innen setzen sich unter anderem für höhere Investitionen in Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie ein. Zudem verlangen sie Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten, mehr soziale Gerechtigkeit und stärkeren Klimaschutz. Eine Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie den Ausbau staatlicher Überwachung lehnt die Bewegung ab.
Auch in den News:
Sorge vor Ausschreitungen nach Protesten in Frankreich
Dass einige Händler ihre Geschäfte vorsorglich sichern, dürfte auch mit den Erfahrungen aus dem Ausland zusammenhängen. Bei Protesten insbesondere in Frankreich war es zu gewaltsamen Ausschreitungen, Plünderungen und Brandstiftungen gekommen. Auch in Deutschland haben Einzelhändler deshalb mancherorts entschieden, ihre Geschäfte am Protesttag geschlossen zu halten. Sie befürchten mögliche Sachschäden oder andere Beeinträchtigungen. Für Erfurt gibt es nach Einschätzung der Behörden bislang jedoch keine konkreten Hinweise auf bevorstehende gewaltsame Ausschreitungen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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