Soziale Bewegung
Frankreich: Erneut protestieren Hunderttausende
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Gen Z plant Massenproteste am 31. Oktober
Videoclip • 01:53 Min • Ab 12
Für bessere Schulen und gegen hohe Lebenshaltungskosten: In ganz Frankreich gehen Hunderttausende auf die Straße. 70.000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz.
In Frankreich haben laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa am Samstag rund 410.000 Menschen gegen die Sozialpolitik der Regierung demonstriert, davon etwa 110.000 in Paris. Nach einem überwiegend friedlichen Verlauf eskalierte die Lage am Abend in mehreren Städten. Das teilten das Innenministerium und die Pariser Polizeipräfektur mit. Innenminister Laurent Nuñez hatte nach den schweren Ausschreitungen der Vorwoche ein massives Aufgebot angekündigt: 70.000 Polizisten und Gendarmen sollten im Einsatz sein, Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge standen bereit. „Wir sind bereit”, sagte der Minister.
Die Proteste in Paris begannen friedlich.
Bild: Marcus Golejewski/dpa
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Proteste in Frankreich: Keine einheitliche Bewegung
Der von Gewerkschaften organisierte Demonstrationszug in Paris, den die Behörden an den Stadtrand verlegt hatten, verlief zunächst ruhig. Teilnehmende aller Altersgruppen forderten unter anderem eine bessere Ausstattung von Schulen und niedrigere Lebenshaltungskosten. Am Ende der Demonstration kippte die Stimmung. Fernsehbilder zeigten Tränengaswolken, Feuerwerkskörper und den Einsatz von Wasserwerfern. Nach Angaben der Polizeipräfektur versuchten Randalierer am Ende des Zuges, in ein Autohaus einzudringen; das Eingreifen der Ordnungskräfte habe das verhindert.
In Paris führte die Polizei mehr als 3.000 Kontrollen durch und nahm nach eigenen Angaben bis zum Nachmittag 65 Menschen fest. Landesweit zählte der Innenminister bereits am Mittag 135 Festnahmen. Beschlagnahmt wurden dabei unter anderem Boule-Kugeln, Schleudern und eine Softair-Waffe. Auch aus Lyon, Bordeaux und Marseille wurden Tränengaseinsätze und Feuer gemeldet, Medien berichteten von Zusammenstößen mit der Polizei. In Nantes im Nordwesten des Landes kam es laut Präfektur zu Beschädigungen und Plünderungen in einem Geschäft; sechs Menschen wurden festgenommen. In Toulouse soll ein Mann bei Zusammenstößen mit der Polizei schwer an der Hand verletzt worden sein.
Vorsorglich hatten mehrere Städte Versammlungsverbote für bestimmte Zonen und nächtliche Ausgangssperren erlassen. Ladeninhaber verbarrikadierten ihre Geschäfte mit Holzplatten. Hinter den Protesten steht kein einheitliches Bündnis. Den Ausgangspunkt bildeten junge Menschen, die seit Wochen für besser ausgestattete Schulen demonstrieren. Angeschlossen haben sich einzelne Berufsgruppen, die Gelbwesten und Vertreter der französischen Linken, unterstützt von Gewerkschaften. Von den friedlichen Teilnehmenden zu unterscheiden sind Einzelne, die das Chaos für Plünderungen und Sachbeschädigungen nutzen.
Am Abend gab es Zusammenstöße mit der Polizei.
Bild: Laurent Cipriani/AP/dpa
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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