Umstrittene WM

Fußball-Experte bei Lanz: Trump und Infantino "im schlimmsten Sinne Waffenbrüder"

Aktualisiert:

von Natascha Wittmann

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Bei "Markus Lanz" im ZDF rückte Lucas Vogelsang die WM in den USA in ein politisches Licht. Der Fußball-Experte warnte davor, dass das Turnier zur Bühne für Donald Trump werden könnte - gerade weil der US-Präsident bislang kaum sichtbar in Erscheinung getreten sei.

Trotz Rekord-Inflation und Ticketpreisen, die für viele Fans kaum noch zu stemmen sind, steigt die WM-Stimmung langsam in den USA. Bei "Markus Lanz" wurde die Weltmeisterschaft deshalb nicht nur sportlich, sondern vor allem auch politisch und gesellschaftlich diskutiert.

Podcaster und Fußballkenner Lucas Vogelsang brachte gleich zu Beginn der ZDF-Sendung auf den Punkt, wie zwiespältig er das Turnier erlebt. Der Reiz des Spiels sei da, aber das Umfeld dränge sich permanent in den Vordergrund. Vogelsang erklärte: "Der Elfjährige in mir will Fußball schauen (...) und der Realist und der Journalist in mir sagt natürlich: 'Du kannst dieses Turnier nicht einfach so schauen wie früher'."

Für ihn sei dies keine Momentaufnahme, sondern das Ergebnis einer Entwicklung über Jahrzehnte: "Dem Fußball ist die Unschuld verloren gegangen (...) und deswegen ist auch die WM in den USA eine andere, als sie vor 32 Jahren war." Besonders die Kosten in "Trumps Amerika" machten Vogelsang zu schaffen. "Da gibt es so viel, was einem einfach den Spaß am Fußball verdirbt", monierte der Fußball-Experte.

Ökonom Rüdiger Bachmann widersprach der Grundkritik nicht, hatte aber eine andere Beobachtung aus dem Alltag in den USA: "Ich habe doch den Eindruck, (...) dass die Amerikaner langsam wieder in die Stimmung kommen." Auch Journalist Jürgen Schmieder meldete positive Signale aus seinem Umfeld: "Hier im Cluster Los Angeles ist die Begeisterung sehr hoch."


Lucas Vogelsang: "Da treffen sich ja wirklich auch zwei Despoten"

Daraufhin wurde es in der Runde grundsätzlicher. Lanz erinnerte daran, dass Donald Trump im März den Iran noch vor einer WM-Teilnahme gewarnt hatte. Der ZDF-Moderator fragte deshalb spitz: "Nimmt irgendjemand noch ernst, was dieser Präsident sagt?" Lucas Vogelsang konterte zu Lanz' Belustigung sofort: "Welchen meinen Sie? Infantino oder Trump?" Der Experte setzte nach: "Da treffen sich ja wirklich auch zwei Despoten. Einer Präsident eines sehr großen Landes, der eine Präsident eines sehr kleinen Landes und die haben sich einfach gefunden und sind im schlimmsten Sinne Waffenbrüder."

Seine Sorge? Ein großes Turnier in den USA könne Trump am Ende politisch zusätzlich nutzen. Vogelsang formulierte "das große Dilemma" folgendermaßen: "Je schöner und je größer diese WM wird, desto größer wird auch die Bühne für Trump." Gleichzeitig stellte er fest, dass Trump aktuell "noch der Mann im Hintergrund" sei. Doch genau das mache die Lage so prekär: Es sei "ein großes Glück und gleichzeitig eine große Drohkulisse für dieses Turnier, dass Trump noch gar nicht stattgefunden hat".

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Markus Lanz: "Könnten die diese WM vor Ort auch vor die Wand fahren lassen?"

Ökonom Rüdiger Bachmann vermutete derweil, Trump werde das Turnier vor allem taktisch betrachten - abhängig davon, ob es ihm politisch nutzen könnte. Zum Ende der Sendung ging der Blick schließlich nach Mexiko. Korrespondent Klaus Ehringfeld beschrieb die WM-Stimmung vor Ort als "getrübt". Viele hätten laut Ehringfeld das Gefühl, "das ist nicht unsere WM. (...) Das ist die WM der FIFA, die WM der Unternehmen, die WM der Touristen".

Lanz hakte nach, wie groß der Einfluss der Drogenkartelle sei: "Könnten die diese WM vor Ort auch vor die Wand fahren lassen?" Eine ernste Frage, auf die der Journalist mit Bedacht antwortete: "Ja, wenn sie das wirklich wollten - was ich nicht glaube - könnten sie die WM vor die Wand fahren lassen."

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