Boote und Schiffe haben Probleme

Bodensee im Hitzesommer: Wasserstand fällt täglich weiter

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

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Rheinpegel auf bedenklichem Tiefstand

Videoclip • 01:36 Min • Ab 12


Der Bodensee hat für diese Jahreszeit einen historisch niedrigen Wasserstand. Häfen werden zu flach, Boote können teils nicht mehr anlegen und an einigen Stellen breiten sich wegen der Hitze sogar Blaualgen aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wasserstand des Bodensees sinkt derzeit täglich um zwei bis drei Zentimeter und liegt für die Jahreszeit auf historisch niedrigem Niveau.

  • In Häfen und am Untersee führt das Niedrigwasser bereits dazu, dass größere Boote und Passagierschiffe manche Anlegestellen nicht mehr erreichen.

  • Trotz Hitze, Blaualgen und gestörter Durchmischung sehen Forschende den See insgesamt weiter in einem grundsätzlich guten Zustand.

Der Wasserstand des Bodensees macht Sorgen. Kurz vor der Lindauer Insel zeigt sich die Lage besonders deutlich: Eine Sandbank liegt knapp unter der Wasseroberfläche, ein Bootsvermieter warnt dort mit einer Leiter und roter Fahne vor dem Auflaufen. Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks (BR) ist das Wasser an dieser Stelle nur noch rund 20 Zentimeter tief. Auch in Häfen wird es für größere Boote zunehmend schwierig, überhaupt noch in Stegnähe anzulegen.

Der Grund ist ein für die Jahreszeit außergewöhnlich niedriger Pegel. Normalerweise liegt der Wasserstand im Sommer deutlich höher. Doch derzeit fehlt dem See vor allem Zufluss aus den Alpen. Laut "BR" bringen der Rhein und weitere Zuflüsse wie Argen und Schussen im Moment vergleichsweise wenig Wasser in den Bodensee. Gleichzeitig fließt auf der Westseite bei Stein am Rhein mehr Wasser wieder ab, als neu in den See gelangt.

Blaualgen und wärmeres Tiefenwasser

Dieses Ungleichgewicht hat direkte Folgen: Der Seespiegel sinkt jeden Tag um zwei bis drei Zentimeter. Gewitter und Starkregen in den vergangenen Wochen konnten daran kaum etwas ändern. Dazu kommt die anhaltende Hitze, durch die zusätzlich viel Wasser verdunstet.

Seit Mitte Juni liegt der Wasserstand dem "BR"-Bericht zufolge unter bisherigen Minimalwerten. Der Referenzpegel in Konstanz fiel seit Mitte Juli von 3,10 Meter auf 2,89 Meter. Besonders stark spüren das Anwohner:innen und Wassersportler:innen am Untersee, wo das Wasser ohnehin flacher ist als am Obersee. Dort können manche Passagierschiffe Anlegestellen bereits nicht mehr anfahren.

Auch in den Sporthäfen hat die Situation Folgen. In Radolfzell haben viele Besitzer:innen ihre Boote schon vorzeitig aus dem Yachthafen geholt. In Reichenau kommen größere Motorboote und Segelschiffe mit viel Tiefgang nicht mehr an Liegeplätze in Ufernähe. Kolja Packard von der Segelschule Insel Reichenau sagt laut "BR" über solche Boote: "Sie sind vielleicht nicht ganz natürlich für dieses Revier." Er macht damit deutlich, dass ein Umdenken bei der Nutzung des Reviers nötig sein könnte.

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Blaualgen und wärmeres Tiefenwasser

Die Hitze verändert nicht nur den Wasserstand, sondern auch die Wasserqualität an einzelnen Stellen. Vor allem in flachen Bereichen mit wenig Bewegung bilden sich vermehrt Cyanobakterien, also Blaualgen. Im Hafen zwischen Lindauer Insel und Festland rät das Gesundheitsamt deshalb weiter davon ab, ins Wasser zu gehen. Laut dem Bericht können die Giftstoffe Hautreizungen oder Durchfall auslösen und sind besonders für Hunde gefährlich.

Hinzu kommt ein Problem, das Forschende schon länger beobachten: Selbst in 250 Metern Tiefe wird das Wasser im Bodensee wärmer. Das beeinflusst die natürliche Durchmischung des Sees. Normalerweise sorgen Stürme dafür, dass Nährstoffe vom Grund nach oben gelangen und Sauerstoff aus oberen Wasserschichten in die Tiefe kommt. Diese Zirkulation funktioniert laut "BR" inzwischen nicht mehr so zuverlässig wie früher.

Trotzdem gibt es aus Sicht der Wissenschaft auch einen positiven Punkt. Piet Spaak, Leiter des internationalen Forschungsprojekts "SeeWandel-Klima", betont, dass dem Bodensee seine heute gute Wasserqualität helfe. Diese habe sich seit den 1980er Jahren stetig verbessert. Spaak zieht deshalb ein vorsichtig positives Fazit: "An sich geht es dem See gut."


Verwendete Quellen:

Bayerischer Rundfunk: "Bodensee im Hitzesommer: Wasserstand fällt jeden Tag weiter"

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