Warnsignal?
Von Helden zu Verrätern: Wieso Trumps lauteste Fans vom MAGA-Zug abspringen
Veröffentlicht:
von Emre Bölükbasi:newstime
Iran-Konflikt: Trump lenkt vorerst ein (22. April)
Videoclip • 01:31 Min • Ab 12
Tucker Carlson, Megyn Kelly, Candace Owens – sie alle verehrten Donald Trump wie einen Helden. Plötzlich ist daraus offene Verachtung geworden. Wie kam es zum Bruch – und muss Trump um sein MAGA-Lager bangen?
Das Wichtigste in Kürze
Lange feierten bekannte Journalisten und politische Kommentator:innen wie Tucker Carlson, Megyn Kelly und Candace Owens Donald Trump als Retter Amerikas.
Doch dann folgte der Absturz: gebrochene Versprechen, ein Krieg, den niemand wollte, und ein Jesus-Bild zu viel.
Jetzt verliert Trump ausgerechnet seine reichweitenstärksten Unterstützer:innen – und reagiert mit Wut.
"Das war kein Mensch mehr – das war der Anführer einer Nation", schwärmte Tucker Carlson noch nach dem Attentat auf Donald Trump im September 2024. Heute sagt derselbe Journalist über den US-Präsidenten: "Er tut mir leid, so wie mir alle Sklaven leid tun". Carlson hat auf X, Instagram und TikTok zusammen über 27 Millionen Follower:innen – und nutzt sie nun gegen Trump.
Er ist nicht allein. Candace Owens, Megyn Kelly, Alex Jones, selbst die republikanische Ex-Abgeordnete Marjorie Taylor Greene: Sie alle waren einst glühende Anhänger:innen der MAGA-Bewegung ("Make America Great Again"). Jetzt werfen sie Trump Verrat vor. An seinen eigenen Werten. An seinen Wähler:innen. An "America First".
Wie ist es in kürzester Zeit zu so einem Bruch gekommen? Und muss Trump fürchten, dass diese Ex-MAGA-Vorreiter:innen einen Keil zwischen seine Wähler:innen treiben?
:DECODED auf Joyn:
Der erste Riss: Trumps Israel-Politik
Der Bruch begann schleichend – zunächst mit Trumps quasi bedingungsloser Unterstützung für Israel. Während Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu weiter eng kooperierten, wuchs in der MAGA-Basis der Unmut über Israels Kriegsführung in Gaza und später im Iran. Die zentrale Sorge: Warum folgen wir Israel blind? Warum verschwenden wir dafür US-Geld und Waffen?
Tucker Carlson brachte es unmittelbar nach Verkündung der Waffenruhe im Iran-Krieg auf den Punkt: "Er (Trump) ist nicht frei, und das haben wir gestern erfahren, als Donald Trump – sichtlich erleichtert – einen Waffenstillstand verkündete, der jedoch innerhalb von zwei Stunden endete, weil Israel die Bedingungen absichtlich verletzt hat." Seine Botschaft ist klar: Israel hat die US-Außenpolitik im Griff.
Was sagt Trump selbst zu der Kritik? Er beschwichtigt. "Israel hat mich nie zu einem Krieg gegen den Iran überredet", stellte er am Montag (20. April) auf Truth Social klar. Er wolle nur gegen die atomaren Bestrebungen des Iran vorgehen.
Auch in den News:
Das gebrochene Versprechen: die Epstein-Files
Im November 2025 eskalierte ein weiterer Konflikt: Trump hatte im Wahlkampf versprochen, alle Akten über den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vollständig zu veröffentlichen. Doch nach seinem Amtsantritt kam erstmal nichts, viele im MAGA-Lager zeigten sich beunruhigt.
Marjorie Taylor Greene, jahrelange Trump-Unterstützerin und republikanische Abgeordnete, forderte gemeinsam mit anderen die Offenlegung. Trumps Reaktion? Er nannte sie auf Truth Social eine "pöbelnde Wahnsinnige". Zwar wurden später Epstein-Akten veröffentlicht – viele Passagen aber geschwärzt. Am 22. November kündigte Greene ihren Rücktritt als Abgeordnete an.
Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: der Iran-Krieg
Dann kam der März 2026 – die USA und Israel starteten massive Angriffe auf den Iran. "Für die meisten Menschen, die für Trump gestimmt haben, war unter anderem das Versprechen 'keine Kriege mehr' ein Anreiz. Jetzt befinden wir uns mitten in einem der verrücktesten Kriege überhaupt", posaunte Joe Rogan in sein riesiges Publikum. Der Trump-Anhänger gilt als einer der reichweitenstärksten Podcaster der Welt.
Als Trump drohte, die "iranische Zivilisation komplett auszulöschen", war selbst für Hardcore-MAGA-Anhänger:innen eine rote Linie überschritten. Die berühmte Moderatorin und Trump-Anhängerin Megyn Kelly explodierte förmlich live in einem Social-Media-Auftritt: "Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hab die Schnauze voll von dem Scheiß. Kann er sich nicht einfach wie ein normaler Mensch benehmen? Halt einfach die Klappe. Hör verdammt noch mal auf, über diesen Scheiß zu reden. Man droht nicht damit, eine ganze Zivilisation auszulöschen."
Denn: Der Krieg widerspricht allem, wofür Trump einst stand: "America First". "Keine neuen Kriege". Umfragen zufolge sind 20 bis 25 Prozent der Republikaner:innen klar gegen den Iran-Krieg – ein erheblicher Teil von Trumps eigener Basis.
Jesus-Post und Papst-Attacke: Die religiöse Basis ist entsetzt
Und dann kam Ostersonntag. Trump postete auf Truth Social eine Nachricht an den Iran mit dem englischen F-Wort – und endete mit "Gelobt sei Allah". Tucker Carlson reagierte fassungslos: "Am Ostermorgen einen Tweet mit dem F-Wort zu verschicken, in dem man den Mord an Zivilisten ankündigt und dann sagt: 'Gelobt sei Allah'? Damit verspottest du mich und jeden anderen Christen."
Kurz darauf griff Trump sogar Papst Leo XIV. an, der sich gegen die Kriege der Welt ausgesprochen hatte. Als wäre das nicht genug, postete Trump ein KI-Bild von sich selbst – als Jesus Christus. Das Jesus-Bild wurde später gelöscht, Trump erklärte, er sei nur "als Arzt" zu sehen gewesen. Das christliche Rückgrat der MAGA-Bewegung reagierte erneut schockiert.
Trumps Reaktion: "Niedrige IQs"
Juckt Trump das alles überhaupt? Ein langer Truth-Social-Post gibt die Antwort. Trump erwähnte Carlson, Kelly, Owens und Jones namentlich, warf ihnen "niedrige IQs" vor und betonte, dass MAGA an seiner Seite stehe – nicht an deren.
Auch wenn Trump versucht hat, die Kritik aus dem MAGA-Lager kleinzureden: Die Bewegung, die Trump zur Macht trug, wackelt. Und zumindest einige der lautesten Stimmen hat er nicht mehr hinter sich.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur Reuters
TikTok: Candace Owens
TikTok: Tucker Carlson
Truth Social: Donald Trump
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