Überraschender Auftritt im US-Fernsehen

Warum Annalena Baerbock ausgerechnet bei Jon Stewart für die UN kämpft

Aktualisiert:

von Claudia Scheele

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Baerbock plädiert für Frau an UN-Spitze

Videoclip • 01:22 Min • Ab 12


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In Jon Stewarts "Daily Show" wirbt UN-Präsidentin Annalena Baerbock für Diplomatie – und nennt die UN‑Charta eine "Lebensversicherung für jeden".

Das Wichtigste in Kürze

  • Annalena Baerbock nutzte einen Auftritt in Jon Stewarts "Daily Show", um die UN‑Charta als "Lebensversicherung für jeden" zu verteidigen und für Diplomatie in aktuellen Krisen zu werben.

  • Sie kritisierte Blockaden im Sicherheitsrat und setzt als Präsidentin der Generalversammlung darauf, zentrale Konfliktthemen stärker ins Plenum mit allen 193 Staaten zu holen.

  • Baerbock begleitet die Wahl eines neuen UN‑Generalsekretärs, drängt auf weibliche Kandidaturen und wirbt gleichzeitig für Reformen, um die Vereinten Nationen effizienter und handlungsfähiger zu machen.

Ex-Bundesaußenministern Annalena Baerbock hat die Bühne einer der bekanntesten US‑Late‑Night‑Shows genutzt, um für die Vereinten Nationen zu werben. Als Präsidentin der UN‑Generalversammlung war sie zu Gast in der "Daily Show" von Jon Stewart und sprach dort über die Rolle der UN in einer krisengeschüttelten Welt.

Sie erklärte, niemand könne gewinnen, "wenn wir nicht wieder zu diplomatischen Beziehungen zurückkehren". Ihre Aufgabe beschrieb sie mit einem Familienbild: Die 193 Mitgliedstaaten an einen Tisch zu bringen sei wie ein großes Familienessen mit "verschrobenem Onkel" und "Hippie‑Mutter", die am Ende alle aus demselben Liederbuch singen sollen.


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UN‑Charta als "Lebensversicherung"

Baerbock betonte, für sie sei "glasklar", dass die Charta der Vereinten Nationen eine "Lebensversicherung für jeden" sei. Sie erinnerte daran, dass die UN nicht geschaffen wurden, um die Menschheit in den Himmel zu führen, sondern "um die Menschheit vor der Hölle zu bewahren".

Im Gespräch verwies sie auf die Gründungsgeschichte nach zwei Weltkriegen, dem Holocaust und der Zeit des Kolonialismus. Gerade vor diesem Hintergrund sei es gefährlich, wenn wieder Kräfte stärker würden, die auf Gewalt und das Recht des Stärkeren setzten. Ohne internationale Regeln könne heute kein Land sicher leben, sagte Baerbock.

Blockaden im Sicherheitsrat, Druck aus der Generalversammlung

Konkret sprach Baerbock über die Blockaden im UN‑Sicherheitsrat, etwa rund um Resolutionen zur Straße von Hormus. Vetos einzelner ständiger Mitglieder hätten in der Vergangenheit verhindert, dass Konflikte gelöst werden konnten, was die Glaubwürdigkeit der UN beschädige.

Als Reaktion darauf verwies sie auf neue Initiativen, wichtige Themen in die Generalversammlung zu holen, in der alle 193 Staaten gleich vertreten sind. Dort habe sie zuletzt eine große Debatte zu den Folgen der Krise im Persischen Golf einberufen, bei der viele Länder deutlich gemacht hätten, wie sehr steigende Ölpreise und Energie‑Engpässe gerade ärmere Staaten treffen. Nach dieser Sitzung seien die Verhandlungen über eine Waffenruhe wieder in Gang gekommen.

Das ist ihr Alltag in der UN

Baerbock räumte ein, dass die UN nach 80 Jahren reformbedürftig seien. Über 40.000 einzelne Beschlüsse und Mandate hätten das System schwerfällig gemacht. Sie verwies auf einen laufenden Reformprozess („UN 2.0“), der Strukturen verschlanken und effizienter machen solle, ohne den Kern des Systems zu zerstören.

Gleichzeitig verteidigte sie die oft unsichtbare Präventionsarbeit der UN. Viele Erfolge – verhinderte Konflikte, Impfkampagnen oder globale Gesundheitsprogramme – schafften es nie in die Schlagzeilen. Während der Corona‑Pandemie oder beim Ausrotten von Krankheiten wie den Pocken habe sich gezeigt, dass kein Staat allein handlungsfähig sei.

Auch in den News:

Wahl einer neuen UN-Spitze

In der Sendung sprach Baerbock auch über die anstehende Wahl eines neuen Präsidenten der UN‑Generalsekretärs, deren öffentliches Auswahlverfahren sie leitet. Erstmals seien alle 193 Staaten aufgefordert worden, gezielt Frauen zu nominieren. Angesichts von Milliarden potenzieller Kandidatinnen sei es "wirklich schwer zu erklären", warum in 80 Jahren noch keine Frau an der Spitze der UN gestanden habe.

Der Auftritt in der "Daily Show" löste in sozialen Medien viele Reaktionen aus. Nutzer:innen lobten Baerbocks Auftritt als informativ und selbstbewusst, einige nannten es das "ungewöhnlichste deutsche Crossover seit John Oliver und Bernd das Brot". Für die sonst eher nüchterne Welt der Diplomatie war es ein ungewöhnlicher, aber bewusst gewählter Schritt, um einem breiten US‑Publikum die Bedeutung der Vereinten Nationen näherzubringen.


Verwendete Quellen:

Youtube: "Annalena Baerbock - The United Nations is "Life Insurance for Everyone" | The Daily Show"

t-online: "Baerbock überrascht in US-Late-Night-Sendung"

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