Wechselwähler in kritischen Regionen
Deutschamerikaner: So könnten sie die US-Wahl 2024 beeinflussen
Aktualisiert:
von Emre BölükbasiLaut dem Migrationsforscher David Hünlich könnten deutschstämmige US-Wähler:innen einen wichtigen Einfluss auf das Ergebnis der US-Wahl haben. (Symbolbild)
Bild: Adobe Stock
Sie leben mehrheitlich in den Swing States und können die Präsidentschaftswahl entscheidend beeinflussen: Millionen Deutschamerikaner werden in den USA an die Urnen gehen. Was zeichnet aber diese Wählergruppe aus? Der Migrationsforscher David Hünlich gibt im :newstime-Interview Antworten.
Es ist vor jeder US-Wahldasselbe politische Wettrennen: Die Präsidentschaftskandidat:innen der Demokraten und Republikaner ringen um die Stimmen der afro- und lateinamerikanischen Communitys, Analyst:innen untersuchen deren mögliches Wahlverhalten.
Eine Wählergruppe, die einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der US-Wahl haben könnte, bleibt aber dabei außen vor: die deutschstämmigen US-Wähler:innen. Und das, obwohl sie immer für Überraschungen gut sind.
Welche politischen Eigenschaften zeichnen die Millionen US-Bürger:innen deutscher Herkunft aus und wie entscheidend sind ihre Stimmen? Im :newstime-Interview verrät der Migrationsforscher David Hünlich von der Katholischen Universität Eichstätt, wie deutschstämmige US-Wähler:innen die Wahl beeinflussen könnten.
Wechselwähler, die zur Republikanischen Partei tendieren
"Wir reden hier von circa 45 Millionen Menschen, die sich vor allem im Mittleren Westen konzentrieren", so Hünlich. Gemeint ist die Region im nördlichen zentralen Teil der USA, die mehrere Bundesstaaten umfasst. "Und das ist ja bekanntlich ein wichtiges Swing-State-Gebiet", fügt der Experte hinzu. "Deswegen sind die unserer Ansicht nach als Wählergruppe doch wichtig."
Bezüglich der politischen Einstellungen dieser Gruppe stellt Hünlich fest, dass es zu einfach wäre, "Herkunft und Wahlverhalten nach so vielen Generationen direkt aufeinander beziehen zu wollen". "Vielmehr ist es die Prägung ganzer Landstriche durch die spezifisch deutschamerikanische Erfahrung, die die Besonderheit des Mittleren Westens ausmacht", erklärt er. Die Haltung, die Deutschamerikaner in ihrem Umfeld erworben hätten, spiegele sich heute in ihrem Wahlverhalten wider.
Welcher der beiden großen Parteien stehen die deutschstämmigen US-Bürger:innen aber näher? So ganz eindeutig lässt sich das laut Hünlich nicht sagen - es gebe aber eine Tendenz. "Es gibt zum einen eine starke konservative Bindung, die historisch gewachsen ist andie Republikanische Partei", so der Experte. Aber: Auch ein "ausgeprägtes Wechselwählerverhalten" stellt er fest. "Und das ist sehr spannend, weil die Deutschamerikaner in ihrer Geschichte es immer wieder verstanden haben, zu überraschen an der Urne."
Motto: Stabilität im Inland, wenig Trubel im Ausland
Konkret attestiert Hünlich den US-Wähler:innen deutscher Herkunft eine isolationistische Einstellung in der Politik. "Äußerlich möchte man sie möglichst aus der internationalen Politik raushalten - überall da, wo es turbulent wird." Im Inland setze man hingegen auf Stabilität, damit man etwa erfolgreich wirtschaften könne. Besonders die zwei Weltkriege "und der damit einhergehende Druck auf die Herkunftsgruppe" hätten diese Haltungen "maßgeblich hervorgebracht", fügt er hinzu - und spricht von einem "Phantomschmerz der Vergangenheit".
Sobald Unsicherheit in der Luft ist, reagieren die deutschamerikanischen Wechselwähler.
Wie wichtig der Sicherheitsaspekt für das oftmals überraschende Wahlverhalten der konservativen Wählergruppe ist, schildert der Experte mit einem eindrucksvollen Beispiel: Countys, die zuvor noch Barack Obama gewählt hätten, sollen bei der US-Wahl 2016 zwar für Donald Trump gestimmt haben - 2020 hätten sie dem Republikaner aber wieder den Rücken gekehrt. Der Grund dafür: Trump habe womöglich bei der inneren Sicherheit Punkte liegengelassen. "Sobald Unsicherheit in der Luft ist, reagieren die deutschamerikanischen Wechselwähler", fasst Hünlich zusammen.
Harris oder Trump - wer überzeugt die Deutschamerikaner?
Das Duo Donald Trump und J. D. Vance oder Kamala Harris und Tim Walz - wer könnte am Ende unter Deutschamerikaner:innen das Rennen machen? Hünlich sieht zumindest beide Vizekandidat:innen als eine "gute Wahl, um den Mittleren Westen anzusprechen". "Die wissen, wie man diese Wählerschaft ansprechen kann - nämlich durch Ordnung, durch gesittetes Verhalten, durch Stabilität."
Dennoch wagt er keine eindeutige Prognose, welches Duo sich im Mittleren Westen durchsetzen werde. "Wir leben in sehr turbulenten Zeiten. Vor allem außenpolitisch weiß man nicht, wie es weitergeht. Und so eine richtige Ansage, die Sicherheit ausstrahlt, hat man von keiner Seite eigentlich vernommen", konstatiert der Experte.
"Wer die Wechselwähler unter den Deutschamerikanern ansprechen will, der muss innere und äußere Sicherheit ausstrahlen. Welche Kandidatin oder welcher Kandidat strahlt beides aus? Das wird die Wahl meiner Ansicht nach zumindest in diesen Landkreisen entscheiden."
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