Bizarre Rede in Washington
250 Jahre USA, aber Trump feiert sich lieber selbst
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
Trump: Schreiduell mit Senator
Videoclip • 01:07 Min • Ab 12
Die USA feiern ihr 250-jähriges Bestehen – doch bei der Eröffnung der Jubiläumsfeiern dreht sich fast alles um Donald Trump selbst. Mit Selbstlob, Attacken gegen Demokraten und keinem Wort zu den Erdbebenopfern in Venezuela sorgt der Präsident für Kritik.
Das Wichtigste in Kürze
Donald Trump hat die Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der US-Gründung auf der National Mall in Washington eröffnet, nutzte die Rede aber vor allem für politische Eigenwerbung.
Der Präsident lobte seine Iran-Politik und die Massenabschiebungen, erwähnte die schweren Erdbeben in Venezuela jedoch mit keinem Wort.
Demokratische Abgeordnete und Politikwissenschaftler:innen kritisieren, Trump instrumentalisiere das nationale Jubiläum für seine eigenen Zwecke.
Mit einer Rede, die mehr an eine Wahlkampfveranstaltung als an eine Jubiläumsfeier erinnerte, hat US-Präsident Donald Trump die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Gründung der Vereinigten Staaten eröffnet. Auf der National Mall in Washington, D.C. – der Prachtallee zwischen Kapitol und Lincoln Memorial – begrüßte der 80-Jährige seine Anhänger:innen mit reichlich Selbstlob. Kurz vor dem Unabhängigkeitstag am 4. Juli verkündete er: "Amerika ist zurück."
Doch statt die Geschichte und Werte der amerikanischen Demokratie in den Mittelpunkt zu stellen, drehte sich Trumps gut halbstündige Ansprache vor allem um eines: seine eigene Präsidentschaft. Der Republikaner schlug den Bogen vom Iran-Krieg über seine umstrittenen Bauvorhaben wie den neuen Ballsaal des Weißen Hauses bis hin zu Maßnahmen, mit denen seine Regierung versucht, die Rechte von Transmenschen zu beschneiden. Seine Rede endete mit den Worten: „Wir werden Amerika wieder großartig machen. Alles Gute zum Geburtstag, Amerika!"
Lob für Iran-Politik – Kriegsopfer unerwähnt
In seiner Ansprache rühmte sich Trump insbesondere des Rahmenabkommens mit Teheran, das er nach einer "kleinen Reise in den Iran" – sein spöttischer Ausdruck für den Krieg gegen das islamistische Mullah-Regime – ausgehandelt habe. Der Waffengang hatte seit Ende Februar Tausende Menschenleben gefordert, die Weltwirtschaft in eine gefährliche Krise gestürzt und die Waffenbestände der US-Armee erheblich reduziert. Trump erwähnte dies jedoch mit keinem Wort. Stattdessen lobte er sich dafür, dass die Ölpreise wieder auf Talfahrt seien.
Auch gegen seinen Vorgänger teilte der Präsident aus. Unter Joe Biden von den Demokraten seien die USA "ein totes Land" gewesen, so Trump. Unter seiner eigenen Führung hingegen gelinge "ein historischer Sieg nach dem anderen für das amerikanische Volk". Zudem verteidigte er die von ihm angeordneten Massenabschiebungen: Seine Regierung entferne "Mörder, Bandenmitglieder, Drogendealer und gefährliche Kriminelle zu Tausenden" aus dem Land.
Auch in den News:
Kein Wort zu den Erdbebenopfern in Venezuela
Bemerkenswert war auch, was in Trumps Rede fehlte. Die schweren Erdbeben in Venezuela, die das Land in der Nacht zuvor erschüttert und vermutlich Tausende Tote gefordert hatten, erwähnte der Präsident mit keinem Wort. Stattdessen pries er erneut die Leistungen seiner Regierung beim Sturz des Maduro-Regimes und der Installation einer US-freundlichen Regierung in Caracas.
Laut Beobachtungen der Nachrichtenagentur AP News hielt sich Trump dieses Mal weitgehend an sein Redemanuskript – ungewöhnlich für einen Präsidenten, dessen Reden sonst gern 90 Minuten und länger dauern. Üblicherweise mischt er dabei Fakten mit Halb- und Unwahrheiten und springt scheinbar zusammenhanglos von Thema zu Thema – ein Muster, das er selbst "Weben""(the weave) nennt. Die Grünflächen der National Mall waren laut US-Medienberichten dicht mit Trump-Unterstützer:innen gesäumt, eine genaue Besucher:innenzahl wurde bislang nicht genannt.
Scharfe Kritik von Demokrat:innen und Wissenschaftler:innen
Die Reaktionen auf Trumps Auftritt fielen kritisch aus. Der demokratische Abgeordnete Jared Huffman aus Kalifornien erklärte, die privatwirtschaftliche Gruppe "Freedom250", die Trump selbst ins Leben gerufen habe, schreibe die Gründungsgeschichte der Nation nach den Vorstellungen des Präsidenten um. "Es sollte eigentlich darum gehen, uns zusammenzubringen", sagte Huffman. "Er versucht jedoch, dieses Jubiläum ganz für sich zu instrumentalisieren."
Auch aus der Wissenschaft kommt Kritik. Politikwissenschaftler Daniel Treisman von der University of California in Los Angeles erklärte laut dem US-Sender ABC News, Trumps Agenda in seiner zweiten Amtszeit sei nicht die des Großteils seiner Wähler:innenbasis, "geschweige denn die anderer Amerikaner". "Das erklärt seine ungewöhnlich niedrigen Zustimmungswerte", so Treisman. Da die wichtigen Zwischenwahlen im November näherrücken, wird dies auch für Trumps Republikaner:innen zunehmend zum Problem.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur AP News
ABC News: "Highlights: Trump speaks at rally for America 250 celebrations kickoff"
nbcnews.com: "Trump kicks off the Great American State Fair after musical acts pulled out"
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