Naturkatastrophe

Verheerendes Doppel-Erdbeben erschüttert Venezuela – Präsidentin: Mindestens 164 Tote

Aktualisiert:

von Benedikt Rammer

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Doppel-Erdbeben in Venezuela

Videoclip • 50 Sek • Ab 12


Zwei verheerende Erdbeben haben den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert und massive Zerstörungen angerichtet. In der Hauptstadt Caracas stürzten mehrere Gebäude ein, es werden Zehntausende Tote befürchtet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 haben Venezuela am Mittwoch in kurzer Folge erschüttert und massive Zerstörungen verursacht.

  • Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte legte nahe, dass eine sehr hohe Opferzahl zu befürchten war, bereits bestätigt sind zunächst 164 Tote.

  • In sozialen Netzwerken kursierten Videos von beschädigten Gebäuden und Schäden unter anderem am Flughafen von Caracas.

Nach zwei sehr starken Erdbeben in Venezuela suchen die Rettungskräfte unter den Trümmern nach zahlreichen Verschütteten. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der Beben mit 7,2 und 7,5 an. Die Regierung rief den Notstand aus und sprach von großen Schäden.

Laut der amtierenden Präsidentin Delcy Rodríguez sind mindestens 164 Menschen bei den Erdbeben ums Leben gekommen, mindestens 971 Personen seien verletzt worden.

US-Erdbebenwarte gibt dramatische Prognose bekannt

Die US-Behörde USGS schlägt allerdings laut dem britischen Sender BBC mit einer Prognose Alarm. Demnach könnte unter Umständen mit insgesamt 10.000 bis 100.000 Todesopfern gerechnet werden. Diese Zahl ist jedoch nicht präzise – die tatsächliche Opferzahl kann erheblich abweichen, sowohl nach oben als auch nach unten.

Mit solchen Prognosen will die Behörde Rettungsteams ermöglichen, schnell die notwendigen Ressourcen zu mobilisieren und zu koordinieren. Je besser sie das Ausmaß der Krise verstehen, desto effektiver können sie laut der Behörde reagieren.

In Caracas sowie in mehreren Bundesstaaten im Norden des südamerikanischen Landes kam es zu Schäden, wie die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez sagte. "Es gibt Bundesstaaten, die besonders betroffen sind", sagte Rodríguez, darunter La Guaira. Es habe bereits 20 Nachbeben gegeben. Der Schulunterricht werde ausgesetzt.

Fotos und Videos zeigten an mehreren Orten eingestürzte Gebäude. Der Zugverkehr im Land wurde eingestellt, der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas wurde wegen Schäden geschlossen.

Zwei Beben in einer Minute

Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Das erste Beben ereignete sich am Mittwoch (24. Juni) um 18:04 Uhr (Ortszeit; 00:04 MESZ Donnerstag (25. Juni)) 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erdbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer sein.

Allein in den relativ nahegelegenen Städten Puerto Cabello und San Felipe leben nach USGS-Angaben zusammen etwas mehr als 400.000 Menschen. Auch dort war vom Einsturz von Gebäuden und erheblichen Schäden die Rede - zunächst ohne nähere Angaben.

Die Millionenstadt Caracas, aus der nach den Beben die ersten Bilder und Berichte kamen, lag dabei nicht besonders nah am Epizentrum, sondern mehr als 150 Kilometer östlich davon.

Fotos und Videos zeigen Ausmaß der Schäden

Allein in der Stadt Tucacas an der Karibikküste würden 15 Menschen unter den Trümmern eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes vermutet, sagte der Gouverneur des Bundesstaates Falcón, Víctor Clark, dem Fernsehsender VTV. Rund 22 Verletzte würden dort in Kliniken medizinisch versorgt.

In sozialen Netzwerken kursierten Videos von beschädigten Gebäuden und Schäden unter anderem am Flughafen von Caracas. Videos zeigten, wie verängstigte Menschen am Flughafen versuchten, sich in Sicherheit zu bringen, während der Boden bebte und Staubwolken aufstiegen.

Weitere Videos aus Venezuela zeigen zahlreiche Trümmerhaufen – so etwa das auf X geteilte Video unten:

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Zahlreiche Staaten bieten ihre Hilfe an

Die geschäftsführende Präsidentin sprach von einem "Vorfall mit schwerwiegenden Folgen". Das US-Außenministerium richtete nach eigenen Angaben einen Krisenstab ein, um in Absprache mit der venezolanischen Regierung Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe zu schicken.

Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb ebenfalls auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um in die venezolanische Hauptstadt Caracas gebracht zu werden. 

Der Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader, erklärte spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden am Morgen nach Venezuela aufbrechen. Auch Brasilien signalisierte Hilfsbereitschaft. Rodríguez zufolge boten auch bereits andere Staaten Hilfe an.

In Deutschland laufen ebenfalls bereits Vorbereitungen, um zu einem Hilfeeinsatz aufbrechen zu können. "Die Bundeswehr steht bereit und kann kurzfristig bis zu sechs Transportflugzeuge A400 M zur Verfügung stellen, sobald Unterstützung von uns angefordert wird", erklärte der Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) über den Whatsapp-Kanal des Verteidigungsministeriums.

Auch in den News:

Innenminister: "Äußerst alarmierende Situation"

"Wir haben es mit einer äußerst alarmierenden Situation zu tun", sagte Innenminister Diosdado Cabello im Fernsehen. Er rief die Menschen dazu auf, an sicheren Orten zu bleiben. Nach schweren Erdbeben seien normalerweise Nachbeben zu erwarten, die bereits beschädigte Gebäude zum Einsturz bringen könnten, warnte der Minister. Um Explosionen zu verhindern, hätten die Behörden angeordnet, die Gaszufuhr zu unterbrechen.

Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado, die sich derzeit nicht in Venezuela aufhält, schrieb auf der Plattform X: "Mein Herz, meine unendliche Umarmung und meine Gebete gelten in diesen Stunden der Not jeder venezolanischen Familie. Mögen Stärke, Ruhe und Solidarität in dieser schwierigen Zeit unter uns herrschen."


Verwendete Quellen:

BBC: "Venezuela earthquakes kill at least 32, with buildings destroyed across Caracas and La Guaira state"

Nachrichtenagentur dpa

X: @tuiterosismico

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