USA feiern

250 Jahre Independence Day: So deutsch sind die USA – und so zerrissen

Veröffentlicht:

von Emre Bölükbasi

:newstime

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Videoclip • 01:22 Min • Ab 12


Bratwurst in Texas, "Kindergarten" im US-Alltag – und ein tief gespaltenes Land: Zum 250. Geburtstag der USA wird sichtbar, wie stark Deutschland Amerikas Kultur geprägt hat und wie umkämpft die US-Identität heute ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die USA feiern 250 Jahre Unabhängigkeit – begleitet von Patriotismus, Protesten und politischen Spannungen.

  • Gleichzeitig zeigt sich, wie stark deutsche Einwander:innen das Land kulturell und politisch geprägt haben.

  • Expertin Katharina Gerund erklärt, warum bis heute überall in Amerika deutsche Spuren sichtbar sind.

Biergärten in Texas, deutsche Straßennamen im Mittleren Westen und Wörter wie "kitsch" oder "kindergarten" im amerikanischen Alltag: Wer auf die USA blickt, blickt oft auch auf ein Stück Deutschland.

Gerade jetzt, zum 250. Jahrestag des Independence Day (Tag der Unabhängigkeit) am 4. Juli, wird dieser Einfluss wieder sichtbar. "Die Deutschamerikaner:innen sind heute die der Herkunft nach größte Gruppe unter den europäischen Einwanderer:innen", erklärt Katharina Gerund, Professorin für Amerikanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich, gegenüber :newstime.

Der kulturelle Einfluss ziehe sich bis heute durch fast alle Lebensbereiche der Vereinigten Staaten – von Architektur und Kulinarik bis zu Wissenschaft, Politik und Popkultur. "Kurzum: amerikanische Aneignungen deutscher Kultur lassen sich in fast allen Lebensbereichen finden", resümiert die Expertin.

Auch in den News:

Während sich die USA am 4. Juli mit gigantischen Feiern selbst inszenieren, erzählt das Jubiläum deshalb auch die Geschichte eines Landes, das immer von Einwanderung und transatlantischem Austausch geprägt war.

Es gibt Biergärten, Sauerkraut und Bratwürste; wenige Menschen sprechen noch das sogenannte Texasdeutsch.

Katharina Gerund, Amerikanistin

Diese Regionen sind besonders deutsch geprägt

Besonders deutlich wird das laut Gerund in Regionen wie Texas oder dem Mittleren Westen. "In texanischen Städten wie Fredericksburg, New Braunfels und Weimar sind etwa bis heute Varianten deutscher Architektur, Kulinarik und Feste prägend", erklärt die Amerikanistin und fügt hinzu: "Es gibt Biergärten, Sauerkraut und Bratwürste; wenige Menschen sprechen noch das sogenannte Texasdeutsch."

Auch die berühmte Brauereikultur amerikanischer Städte wie Milwaukee gehe wesentlich auf deutsche Einwanderer:innen zurück. Gleichzeitig steckt Deutschland längst im amerikanischen Sprachgebrauch. Begriffe wie "kaput" seien fest im Englischen angekommen, erklärt die Wissenschaftlerin.


"Land of the free" seit Gründung?

Dabei reicht die Verbindung zwischen Deutschland und den USA bis in die Gründungszeit des Landes zurück. Am 4. Juli 1776 verabschiedeten Vertreter der 13 britischen Kolonien in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung und lösten sich damit offiziell von Großbritannien.

Die "Declaration of Independence" gilt bis heute als Gründungsdokument der Vereinigten Staaten. Darin wurden zentrale Ideale wie Freiheit, Gleichheit und das Recht festgeschrieben – Werte, die den amerikanischen Selbstanspruch bis heute prägen.

Doch schon damals war die Realität widersprüchlicher: Frauen, versklavte Menschen und indigene Bevölkerungsgruppen waren von diesen Rechten ausgeschlossen. "Die proklamierten Rechte auf 'Leben, Freiheit und das Streben nach Glück' galten exklusiv für Weiße Männer mit (Land-)Besitz", so Gerund.

Schon die Revolution selbst sei zudem eng mit europäischen Einflüssen verbunden gewesen. Während des Unabhängigkeitskriegs brachte der preußische Offizier Friedrich Wilhelm von Steuben militärische Strukturen und Drill in die amerikanische Armee. Gleichzeitig kämpften hessische Söldner auf britischer Seite – einige von ihnen blieben später laut Gerund in Amerika.

Patriotismus vs. Protest

Das Jubiläumsjahr 2026 zeigt, wie emotional aufgeladen diese Geschichte inzwischen ist. Laut Pew Research Center glauben fast 60 Prozent der Amerikaner:innen, die besten Zeiten ihres Landes lägen bereits in der Vergangenheit. Eine Reuters/Ipsos-Umfrage ergab zudem, dass mehr als ein Drittel der Befragten es für unwahrscheinlich hält, dass die USA in 250 Jahren noch als vereintes Land existieren werden. Gleichzeitig planen laut Reuters rund 80 Prozent der Menschen trotzdem, den Independence Day zu feiern – meist mit Grillfesten, Paraden oder Feuerwerk.

Die BBC berichtet von Millioneninvestitionen in die Feierlichkeiten zum Jubiläum, darunter riesige Staatsschauen, Flugshows und patriotische Großevents in Washington. Doch genau diese Inszenierung sorgt für Kritik.

Gerund betont, der Unabhängigkeitstag sei traditionell nicht nur ein Anlass für Patriotismus, sondern auch für Protest und gesellschaftliche Debatten. Eigentlich hätte der 250. Jahrestag "das Potenzial für eine einende Feier", sagt sie. Doch die aktuellen Veranstaltungen seien stark politisiert worden. Viele Künstler:innen hätten ihre Teilnahme abgesagt, einige Bundesstaaten hielten Abstand zu den offiziellen Feiern.

Gespaltenes Land, gespaltene Feierlichkeiten

Dass die Feiern zum 250. Jubiläum politisch aufgeladen sind, zeigt schon ihre Organisation: Neben der ursprünglich überparteilichen Kongress-Initiative "America250" richtet die Trump-nahe Initiative "Freedom 250" große patriotische Events in Washington aus – darunter Staatsschauen, Flugshows und Feuerwerk. Kritiker:innen werfen den Veranstaltern laut BBC vor, das Jubiläum für politische Inszenierungen zu nutzen.

So wird der 4. Juli 2026 nicht nur zur patriotischen Geburtstagsparty Amerikas, sondern auch zum Spiegel eines gespaltenen Landes. Zwischen Feuerwerk und Flaggen stellt sich erneut die Frage, wer zu Amerika gehört – und welche Geschichten das Land über sich selbst erzählt.

Dass dabei ausgerechnet deutsche Einflüsse bis heute so sichtbar bleiben, zeigt, wie international die amerikanische Identität immer gewesen ist.


Verwendete Quellen:

BBC: How are Trump and America celebrating 250th independence milestone?

Nachrichtenagentur dpa

Nachrichtenagentur Reuters

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