Gefahr von Betrug und Terror
WhatsApp führt Benutzernamen ein: Indien und Somalia schlagen Alarm
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
So lässt sich die WhatsApp-KI deaktivieren
Videoclip • 01:29 Min • Ab 12
WhatsApp will es ermöglichen, ohne Austausch von Telefonnummern miteinander zu schreiben – doch die geplante Funktion sorgt weltweit für Widerstand. Indien und Somalia fordern einen Stopp, warnen vor Betrug, Identitätsdiebstahl und sogar Terrorismus. Was deutsche Verbraucherschützer:innen sagen.
Das Wichtigste in Kürze
WhatsApp rollt derzeit die neue Funktion "Benutzernamen“ für Nutzer aus. So soll man ohne Preisgabe der Telefonnummer kommunizieren können.
Indien und Somalia äußern jedoch massive Sicherheitsbedenken und haben den WhatsApp-Mutterkonzern Meta zu einer Stellungnahme aufgefordert.
Auch deutsche Verbraucherschützer:innen sehen mehr Risiken als Vorteile durch die neue Benutzernamen-Funktion.
Wer künftig über WhatsApp schreiben möchte, soll das ohne Preisgabe seiner Telefonnummer tun können. Der zu Meta gehörende Messengerdienst rollt seit dem 29. Juni die Funktion schrittweise aus. Die Nutzer:innen haben somit die Möglichkeit, sich einen einzigartigen Benutzernamen zu reservieren. Zu finden sein wird der Eintrag unter Einstellungen/Konto/Benutzername.
Die Idee dahinter: Wer chatten möchte, gibt künftig einfach einen Nutzernamen ein, ohne dass die eigene Handynummer sichtbar wird. Damit zieht WhatsApp mit Konkurrenten wie Telegram oder Signal gleich, die diese Funktion schon länger anbieten.
Benutzernamen bei WhatsApp: Indien fürchtet Betrugswelle
Doch was für viele Nutzer:innen nach einem Datenschutzgewinn klingt, alarmiert mehrere Regierungen weltweit. Vorreiter des Widerstands ist Indien – mit mehr als 600 Millionen Nutzer:innen WhatsApps größter Markt überhaupt. Das indische IT-Ministerium hatte WhatsApp vergangene Woche eine offizielle Mitteilung zukommen lassen, in der es die geplante Funktion grundsätzlich in Frage stellte. Die Regierung warnte, eine solche Änderung könnte das Risiko von "Cyberkriminalität, darunter Phishing, Identitätsdiebstahl, Online-Betrug und betrügerische digitale Verhaftungen, erheblich erhöhen", wie die "Times of India" berichtet.
Zudem wurde WhatsApp aufgefordert, zu erläutern, warum keine Maßnahmen gemäß dem indischen IT-Gesetz eingeleitet werden sollten. WhatsApp bat daraufhin um mehr Zeit für seine Stellungnahme und versicherte, die Funktion werde in Indien erst nach Abschluss der Konsultationen eingeführt. Die Antwort von Meta ging am Donnerstagabend (9. Juli) bei der indischen Regierung ein und wird derzeit geprüft.
Somalia fürchtet Terror-Finanzierung durch neue WhatsApp-Funktion
Indiens Widerstand findet nun Nachahmer. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, hat sich auch Somalia offiziell gegen die Einführung der Benutzernamen-Funktion ausgesprochen. Mustafa Yasin Sheikh, Generaldirektor der somalischen Nationalen Kommunikationsbehörde, begründete den Schritt mit konkreten Sicherheitsbedenken: "Somalia folgt dem Beispiel Indiens." Die Ersetzung von Telefonnummern durch Benutzernamen könnte die Fähigkeit somalischer Sicherheitsbehörden einschränken, Personen zu identifizieren, die in Terrorismus, organisierte Kriminalität oder andere illegale Aktivitäten verwickelt sind.
Besonders gravierend: Sheikh warnte vor einer möglichen Nutzung der Funktion durch die islamistische Terrororganisation al-Shabaab, die seit 2006 im Land aktiv ist und Tausende Menschenleben gefordert hat. "Zu den Bedenken, die wir geäußert haben, gehören die Möglichkeit einer verstärkten Nachahmung von Regierungsinstitutionen und Regierungsvertreter:innen, Finanzbetrug, der auf Somalias mobiles Geldsystem abzielt, sowie der Missbrauch anonymer Kommunikation durch Terrororganisationen wie al-Shabaab und organisierte Cyberkriminellen-Netzwerke", sagte er gegenüber Bloomberg. Meta antwortete auf eine entsprechende Anfrage zu Somalias Einwänden nicht.
Das sagt WhatsApp zu den Sicherheitsbedenken
WhatsApp selbst weist die Kritik nicht grundsätzlich zurück, betont aber, zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen in die neue Funktion eingebaut zu haben. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte laut "Time of India": "Um Identitätsdiebstahl vorzubeugen, haben wir die bekanntesten Namen – also Namen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Regierungsstellen, Prominenten und verifizierten Meta-Konten – gesperrt, sodass diese nur von ihren rechtmäßigen Besitzern beansprucht werden können. Auch ähnliche Namen werden gesperrt."
Zudem sollen Nutzer:innen beim erstmaligen Kontakt über einen Benutzernamen wichtige Kontextinformationen erhalten: "Sobald die Funktion verfügbar ist und jemand zum ersten Mal eine Nachricht über Ihren Benutzernamen sendet, zeigen wir Ihnen an, ob es sich um ein neues Konto handelt, ob es sich um einen Ihrer Kontakte handelt, ob Sie gemeinsame Gruppen haben und ob die Person in einem anderen Land ansässig ist, damit Sie entscheiden können, ob Sie antworten möchten", teilte das Unternehmen mit.
Darüber hinaus betonte WhatsApp, dass für die Erstellung eines Kontos weiterhin eine Telefonnummer erforderlich bleibt. Zum Schutz vor Missbrauch soll die Anzahl neuer Personen, die ein Konto kontaktieren können, begrenzt werden. Außerdem sollen wiederholte Versuche, den Benutzernamen einer Person zu erraten, blockiert und automatische Systeme eingesetzt werden, "um Aktivitäten zu erkennen und zu entfernen, die typische Muster von Identitätsdiebstahl und Missbrauch aufweisen."
Auch in den News:
Auch deutsche Verbraucherschützer:innen skeptisch
Die Funktion, seine Handynummer nicht mehr preisgeben zu müssen, um mit jemandem auf WhatsApp in Kontakt zu treten, kann durchaus Vorteile haben. Für Kleinanzeigen, berufliche Kontakte oder Online-Dating kann es praktisch und hilfreich sein.
Doch auch deutsche Verbraucherschützer:innen warnen vor den großen Risiken, wie der SWR berichtet. Die Verbraucherzentrale NRW etwa gibt zu bedenken, dass Betrüger:innen Benutzernamen wählen könnten, die vertrauenswürdige Institutionen, Behörden oder Personen des öffentlichen Lebens imitieren. Eine von einem Account namens "Sparkasse" (oder einem ähnlichen Namen) gesendete WhatsApp-Nachricht könnte User:innen in Sicherheit wiegen, auch wenn sich ein Betrugsversuch dahinter verbergen sollte. Verbraucher:innen sollten daher bei unbekannten Kontakten über Benutzernamen besonders wachsam sein und im Zweifel keine persönlichen Daten oder Geld übermitteln.
Verwendete Quellen:
SWR: "Warnung vor Betrug bei Whatsapp mit neuen Benutzernamen"
Time of India: "Centre examines WhatsApp's reply on username feature notice over fraud concerns"
Bloomberg: "India Objection to WhatsApp Username Switch Gets Somalia Backing"
Focus Online: "Indien warnt vor mehr Betrug durch Benutzernamen"
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Reformvorschläge
Söder verspricht: Minijobs bleiben

Abgeordnetenhauswahl in Berlin
Kann Evers die CDU noch retten?

Verkehr & Mobilität
Ganzjahresreifen auf dem Prüfstand: ADAC empfiehlt dieses Modell

NATO-Sorgen
Putin vor neuer Eskalation? Insider warnen vor Ausweitung des Kriegs

Kriminalität
Geiselnahme in Berlin ist beendet

Lage im Überblick
USA verlangen Hormus-Öffnung – Skepsis über Atomdeal nimmt zu





