Virus in der Hauptstadt etabliert

Studie zeigt: Heimische Mücken übertragen West-Nil-Virus in Berlin

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

:newstime

Das hilft gegen Zecken und Mücken

Videoclip • 01:50 Min • Ab 12


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Eine Studie zeigt, dass das West-Nil-Virus in Berlin fest etabliert ist. In einigen Lebensräumen ist das Ansteckungsrisiko dabei höher als in anderen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das West-Nil-Virus wird in Berlin von Mücken übertragen, wie eine Studie der Universitätsklinik Charité zeigt.

  • Die meisten infizierten Mücken fanden die Forscher:innen in einem parkähnlichen Wohngebiet und auf dem Friedhof.

  • Laut RKI befällt das Virus bei etwa einem von 100 Infizierten das Nervensystem.

Berliner:innen können sich ohne zu verreisen mit dem West-Nil-Virus (WNV) infizieren. Eine Studie der Universitätsklinik Charité zeigt: Der durch Mücken übertragbare Erreger ist in der Hauptstadt inzwischen fest etabliert. Studienautorin Sandra Junglen sagte: "Das West-Nil-Virus ist in Berlin endemisch, das heißt, es kann in den Sommermonaten zu Infektionen ohne Reiseaktivität kommen."

Das West-Nil-Virus zirkuliert hauptsächlich zwischen Mücken und Vögeln. Aber auch Menschen können durch den Stich einer Mücke infiziert werden, die den Erreger in sich trägt. Der aus Afrika stammende Erreger kommt seit langem auch in Südeuropa und Südosteuropa vor, wo es im vergangenen Jahr mehrere Todesfälle gab. 2019 gab es auch die erste bekannte Infektion durch eine Mücke in Deutschland.

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Ergebnisse haben Forscher:innen überrascht

Für die Studie fing das Forscherteam in den Jahren 2023 und 2024 insgesamt 24.000 Stechmücken ein und testete, wie viele der Tiere das Virus in sich trugen. Das Ergebnis: 2023 trugen zwischen 0,6 und 6 Prozent der Tiere den Erreger in sich. 2024 waren es zwischen 0,2 und 2 Prozent. Die Untersuchungen hätten außerdem gezeigt, dass sich das Virus lokal vermehre und nicht von anderen Orten eingetragen worden sei.

Die Forscher:innen waren dabei von der hohen Rate an infizierten Mücken überrascht. Die Raten im August seien vergleichbar mit denen in Südeuropa, wo es regelmäßig zu Übertragungen auf den Menschen und vielen Erkrankungen komme, sagte Junglen.

Unter die Lupe genommen wurden fünf Standorte innerhalb eines Gebiets von einem Quadratkilometer in Berlin-Schöneberg: ein Hinterhof mit ein bisschen Grün, ein parkähnliches Wohngebiet mit einem kleinen See, ein grünes Schwammstadt-Areal mit Wasserauffangbecken, ein Friedhof und ein Naturschutzgebiet.

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In welchen Gebieten es besonders viele infizierte Mücken gab

Auch beim Vergleich der Areale machten die Wissenschaftler:innen eine überraschende Entdeckung: "Dort, wo die meisten Stechmücken vorkamen, im Naturschutzgebiet (...), gab es die wenigsten Virusnachweise", sagte Junglen. Die meisten infizierten Mücken hingegen hätten sie in dem parkähnlichen Wohngebiet und auf dem Friedhof gefunden.

Da die Untersuchung sehr lokal war, wollen die Forscher:innen jedoch für Menschen in Berlin keine allgemeinen Handlungsempfehlungen daraus ableiten. Übermäßig Sorgen müssten sich Berliner:innen nicht machen, erklärte Charité-Virologe Victor Corman. Das Risiko, sich im Sommer durch einen Mückenstich mit dem Virus zu infizieren, bestehe aber.

Guter Mückenschutz ist ratsam

Laut RKI läuft eine Infektion bei den meisten Menschen unbemerkt. Etwa ein Fünftel der Infizierten entwickelt das West-Nil-Fieber mit grippeähnlichen Symptomen. Nur etwa ein Prozent der Infektionen führt zu schweren neuroinvasiven Erkrankungen, die eine Gehirnhautentzündung zur Folge haben können. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen? Wenn man einen Mückenstich und gleichzeitig Kopfweh habe, sei das allein noch kein Grund, sich beim Arzt auf das Virus testen zu lassen, so Cormans Einschätzung. Wenn Fieber hinzukäme, sei ein Arztbesuch durchaus ratsam. Das gelte aber unabhängig von der möglichen Diagnose.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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