Baden-Württemberg
Sindbis-Virus erstmals bei Mensch in Deutschland nachgewiesen - das sind die Symptome
Aktualisiert:
von Momir Takac:newstime
Studie: West-Nil-Virus in Berlin etabliert (12. Juni)
Videoclip • 01:36 Min • Ab 12
Ein Mann aus Baden-Württemberg infizierte sich mit dem Virus – allerdings nicht bei einer Auslandsreise. Ärzte testeten zunächst auf Chikungunya.
Das Wichtigste in Kürze
In Deutschland ist erstmals ein Mensch am Sindbis-Virus erkrankt.
Laut dem RKI infizierte sich ein Mann in Baden-Württemberg.
Ärzte rufen zu erhöhter Aufmerksamkeit auf.
In Deutschland ist zum ersten Mal bei einem Menschen eine Erkrankung mit dem Sindbis-Virus (SINV) nachgewiesen worden. Es handelt sich um einen 60 Jahre alten Mann aus Baden-Württemberg, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Im September bestätigten Labortests die Infektion.
Erstmals Sindbis-Virus bei einem Menschen in Deutschland nachgewiesen
Der Patient erkrankte bereits Mitte Juli 2026 mit Symptomen wie Fiebergefühl, Hautausschlag (Exanthem) und ausgeprägten Gelenkschmerzen. Da der Mann in einem Stadtbezirk lebt, in dem die Asiatische Tigermücke verbreitet ist, vermuteten die behandelnden Ärzte zunächst eine Chikungunya-Infektion.
Nachdem Tests auf Chikungunya jedoch negativ ausfielen, erweiterte das Ärzteteam die Diagnostik. Spezifische IgM- und IgG-Antikörper bestätigten schließlich die Ansteckung mit dem Sindbis-Virus, schreibt das RKI in seinem Epidemiologischen Bulletin. Da der Patient in der kritischen Zeit keine Reisen außerhalb Baden-Württembergs unternommen hatte, stufen die Experten die Infektion als lokal erworben (autochthon) ein.
Was ist das Sindbis-Virus?
Erreger & Übertragung: Das Sindbis-Virus gehört zur Gattung der Alphaviren. Es wird durch mückenfressende Vögel und stechende Mücken übertragen.
Keine Ansteckung von Mensch zu Mensch: Eine Weiterübertragung von Mensch zu Mensch über Stechmücken gilt als unwahrscheinlich, da die Viruskonzentration im menschlichen Blut zu gering und nur kurzzeitig vorhanden ist.
Symptome: Viele Infektionen verlaufen mild oder symptomlos. Bei erkrankten Personen stehen Fieber, Hautausschläge und mitunter langanhaltende Gelenkbeschwerden im Vordergrund. Schwerwiegende oder neurologische Komplikationen sind selten.
Verbreitung: In Nordeuropa ist die Krankheit seit Langem bekannt – in Schweden als Ockelbo-Krankheit, in Finnland als Pogosta-Krankheit.
Auch in den News:
Erreger ist in heimischer Tierwelt etabliert
Ganz überraschend kommt der Fall für die Wissenschaft nicht: Bereits 2009 wurde das Sindbis-Virus erstmals in deutschen Stechmücken nachgewiesen. Nachfolgende Untersuchungen (2011–2016) sowie Virusnachweise in Wildvögeln zeigten, dass der Erreger in der heimischen Tierwelt etabliert ist. Zudem wiesen Blutspenden aus der Region Weinheim bereits vor Jahren vereinzelt Antikörper auf.
Gesundheitsexpert:innen rufen die Ärzteschaft nun zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. Bei Patient:innen, die während der Mückensaison Symptome wie Fieber, Hautausschlag und starke Gelenkschmerzen aufweisen, sollte – selbst ohne vorherige Auslandsreise – auch an heimische Arboviren wie das Sindbis-Virus gedacht werden, insbesondere wenn Tests auf Tropenkrankheiten wie Dengue oder Chikungunya negativ ausfallen. In Italien gab es zuletzt einen größeren Ausbruch von Chikungunya-Fieber.
Verwendete Quellen:
Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts
Nachrichtenagentur dpa
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