Greifswalder Bodden

Toter Buckelwal in der Ostsee: Bakterien zerfraßen dem Riesen die Wirbelsäule

Aktualisiert:

von Michael Reimers

:newstime

DNA-Test: Buckelwal "Timmy" wohl tot (28. August)

Videoclip • 01:11 Min • Ab 12


Monate nach dem Fund eines toten Meeressäugers im Greifswalder Bodden liegen die Laborergebnisse vor. Sie zeichnen das Bild eines Tieres, das qualvoll leiden musste, bevor es starb.

Das Rätsel um den Tod des im August im Greifswalder Bodden treibend aufgefundenen Buckelwals ist gelöst: Zwei Bakterienarten haben das Tier von innen heraus zerstört. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund hat die Laborbefunde nun öffentlich gemacht. Demnach wurden die Erreger Streptococcus phocae und Bacteroides fragilis im Körper des Wals nachgewiesen.

Nach wochenlanger Untersuchung haben Expert:innen die Todesursache des Buckelwals im Greifswalder Bodden festgestellt. (Archivbild)

Bild: Stefan Sauer/dpa


Keine seltenen Erreger – aber ein geschwächter Wirt

Beide Bakterienarten sind unter Meeressäugern grundsätzlich keine Seltenheit. Gefährlich werden sie jedoch dann, wenn das Immunsystem eines Tieres nicht mehr in der Lage ist, sie in Schach zu halten – genau das scheint hier der Fall gewesen zu sein. Und die Folgen waren verheerend: An vier Stellen im Körper des Wals bildeten sich Abszesse.

Einer davon war nach früheren Angaben des Museumsdirektors Burkard Baschek mehr als einen Meter lang – gemessen an einem Tier von rund zehn Metern Körperlänge ein unvorstellbares Ausmaß. Teile der Wirbelsäule waren bereits porös zersetzt.

Ob das Tier zusätzlich an einer Sepsis gelitten hat, bleibt ungeklärt: Das Blut war zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits durch Verwesungsbakterien zu stark verunreinigt, um einen eindeutigen Befund zu liefern.

Auch in den News:

Ein Tier am Ende seiner Kräfte

Das Bild, das die Wissenschaftler:innen beim Öffnen des Kadavers vorfanden, war das eines Tieres in extremer Not. Magen, Dünn- und Dickdarm waren vollständig leer, die schützende Fettschicht nur sechs Zentimeter stark – Zeichen dafür, dass der Wal über einen längeren Zeitraum nichts gefressen hatte. Großflächig hatte sich die Haut des etwa zehn Meter langen Männchens bereits abgelöst.

Die Abszesse entlang der Wirbelsäule und am Kugelgelenk der rechten Brustflosse dürften das Schwimmen für das Tier zur Qual gemacht haben. Das könnte auch erklären, warum der Wal bei früheren Sichtungen Beobachter:innen durch eine merkwürdige Körperhaltung aufgefallen war.


Burkard Baschek, Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, zeigt eine Grafik über die Abszesse des toten Buckelwals. (Archivfoto)

Bild: Stefan Sauer/dpa


Eine Odyssee durch falsche Gewässer

Das Deutsche Meeresmuseum geht davon aus, dass es sich um denselben Wal handelt, der zuvor bereits vor der Küste Schleswig-Holsteins, im Wismarer Hafen und vor der polnischen Küste gesichtet worden war. Die Ostsee ist für Buckelwale ein fremdes und feindliches Revier: Der geringe Salzgehalt und das knappe Nahrungsangebot entsprechen nicht den Bedürfnissen dieser Tiere.

Es war bereits der zweite Buckelwal in diesem Jahr, der vor der deutschen Ostseeküste für Aufsehen sorgte: Ein erstes Tier, das den Namen "Timmy" bekam, war Ende März vor der Insel Poel gestrandet und von einer privaten Initiative in einer umstrittenen Aktion in die Nordsee transportiert worden – wo es kurze Zeit später vor der dänischen Insel Anholt tot aufgefunden wurde.




Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Mehr entdecken