Übertragung, Symptome, Verlauf

Nipah-Virus: Neue Pandemie möglich? Die wichtigsten Fragen und Antworten

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von Jana Wejkum

Fledermäuse gelten als Überträger des Nipah-Virus und werden, wie hier in Bangladesh, von Wissenschaftler:innen untersucht. (Archivbild)

Bild: REUTERS


In Indien breitet sich das tödliche Nipah-Virus aus. Welche Symptome das Virus auslöst und wie groß die Gefahr einer Pandemie ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nipah ist ein in Teilen von Asien verbreitetes Virus, das von Fledermäusen übertragen wird und bei Menschen in vielen Fällen tödliche Krankheitsverläufe auslöst.

  • Anders als Covid oder Influenza verbreitet sich Nipah in seiner jetzigen Form nicht durch Tröpfchen in der Luft, sondern durch engen Kontakt und Körperflüssigkeiten.

  • Obwohl ein Ausbruch in Europa oder gar eine weltweite Pandemie zurzeit als sehr unwahrscheinlich gelten, warnen Wissenschaftler:innen davor, das Virus zu unterschätzen.

Im ostindischen Bundesstaat Westbengalen hat es im Januar zwei bestätigte Fälle einer Nipah-Virusinfektion gegeben. Wie "Euronews" berichtet, arbeiten beide Betroffene im Gesundheitswesen und werden auf der Intensivstation behandelt. Seitdem diskutieren Gesundheitsexpert:innen über die Gefahr einer globalen Verbreitung der Nipah-Viren. Die wichtigsten Informationen rund um das Virus auf einen Blick.

Was ist das Nipah-Virus?

Nipah ist ein Virus, das 1999 bei einem großen Ausbruch bei Menschen und Schweinen mit mehr als 200 Fällen in Malaysia und Singapur entdeckt wurde. Auch in Indien und Singapur hat es seitdem immer wieder Ausbrüche gegeben.

Wie das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt, werden die Viren von Flughunden der Gattung Pteropus übertragen. Sie kommen in Süd- und Südostasien sowie in Australien, Madagaskar und auf einigen westpazifischen Inseln vor. Das Virus kann Schweine infizieren, die zumeist keine Symptome zeigen. Die Übertragung von Tier zu Mensch und Mensch zu Mensch ist ebenfalls möglich.

Welche Symptome löst das Nipah-Virus aus?

Menschen, die sich mit dem Nipah-Virus infizieren, können symptomfrei bleiben. Akute Infektionen umfassen laut Europäischem Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC):

  • Fieber

  • Kopfschmerzen

  • Muskelschmerzen

  • Übelkeit und Erbrechen

  • gereizter Hals und Husten

  • Atembeschwerden

  • Enzephalitis (Hirnhautentzündung)

Bei einer Hirnhautentzündung treten Schwindel, Müdigkeit und Bewusstseinsstörungen auf. Dem RKI zufolge beträgt die Inkubationszeit vier bis 21 Tage, im Einzelfall treten die Symptome erst nach 60 Tagen auf.

Wie gefährlich ist das Nipah-Virus?

Je nach Variante des Virus gibt das ECDC eine Sterblichkeitsrate von 40 bis 75 Prozent der Erkrankten an. "Euronews" zitiert Emily Gurley, Professorin für Epidemiologie der Infektionskrankheiten an der Johns-Hopkins-Universität. Ihr zufolge liegt die Sterblichkeitsrate von Menschen, die sich direkt durch Fledermäuse infizieren, bei 90 Prozent. Bei der Übertragung über Menschen sind es 40 bis 50 Prozent.

Das Risiko für Bewusstseinsverlust, Krampfanfälle, Koma und Tod sei in schweren Fällen hoch. Dem ECDC sei nicht bekannt, dass bestimmte Gruppen wie Schwangere, Kinder oder Ältere stärker gefährdet sind als andere Menschen.

Auch in den News:

Wie wahrscheinlich ist es, sich mit dem Nipah-Virus anzustecken?

Das ECDC stuft das Risiko für eine Nipah-Infektion in Europa und damit auch in Deutschland als minimal ein.

Einheimische und Reisende im Verbreitungsgebiet des Nipah-Virus sind vor allem durch den Kontakt mit infizierten Tieren gefährdet. Dabei gelten nicht nur Tiere, sondern auch deren Körperflüssigkeiten als ansteckend. Auch kontaminierte rohe Früchte oder Fruchtsäfte können die Krankheit auslösen.

Wer sich in der Nähe erkrankter Menschen aufhält, kann sich ebenfalls anstecken. Das RKI listet auf, dass der direkte Kontakt zu Kranken und Verstorbenen, deren Körperflüssigkeiten oder kontaminiertem Material, wie etwa Laborproben, zur Infektion führen kann.

Epidemiologin Gurley sagt gegenüber "Euronews": "In den meisten Fällen stecken die Patienten niemanden an." Demnach ist das Nipah-Virus wesentlich weniger infektiös als etwa Covid oder Influenza-Viren. Anders als diese wird Nipah nicht über Tröpfcheninfektion in der Luft übertragen. Das reduziert das Ansteckungsrisiko.

Könnte das Nipah-Virus ähnlich wie Covid-19 zu einer Pandemie werden?

Laut ECDC birgt das Nipah-Virus ein "beachtenswertes epidemisches oder pandemisches Potenzial". Die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) stufte 2023 Henipaviren, zu denen Nipah gehört, als eine der "besorgniserregendsten viralen Bedrohungen, die in Fledermäusen vorkommen" ein.

Prozesse wie der Klimawandel, Abholzung von Wäldern und Ausbreitung von Städten tragen zur Verbreitung des Nipah-Virus bei. Dicky Budiman, Epidemiologe an der Griffith University in Australien, bezeichnet das Nipah gegenüber "Euronews" als "soziale und ökologische" Krankheit, weil sie durch menschliches Verhalten und schlechte Gesundheitsversorgung befeuert wird.

Die bisher getroffenen Bekämpfungsmaßnahmen gelten laut Budiman als nicht ausreichend. Erfahrungen mit Covid-19 zeigen, dass Viren durch eine Mutation innerhalb kurzer Zeit zur Gefahr werden können.

Weil Nipah normalerweise im Durchschnitt pro Erkranktem auf weniger als eine weitere Person übertragen wird, also einen R-Wert von unter eins hat, ist die Wahrscheinlichkeit einer weitreichenden Infektionskette momentan gering. Während dieser Wert beim Coronavirus zwischen 0,95 und 1,43 liegt, besitzt das Nipah-Virus laut der Epidemiologin Gurley einen R-Wert von 0,3. Sollte das Virus sich jedoch so verändern, dass es das menschliche Atmungssystem betrifft, könnte es sich deutlich leichter verbreiten.

Wie schütze ich mich vor dem Nipah-Virus?

Das ECDC gibt an, dass es keine bekannten Medikamente oder Impfungen gegen das Nipah-Virus gibt. Das gilt sowohl für Tiere als auch für Menschen Erkrankte werden, wenn nötig, im Krankenhaus behandelt, um Symptome wie Fieber und Krämpfe zu lindern.

Wie schon bei Covid helfen im Fall eines Ausbruchs Schutzmaßnahmen wie Masken, Isolation und Schutzkleidung, um eine Übertragung auf andere Menschen zu vermeiden.

Der Epidemiologe Budiman gibt gegenüber "Euronews" Ratschläge zu Vorsichtsmaßnahmen im Verbreitungsgebiet des Nipah-Virus:

  • Kontakt mit Fledermäusen vermeiden.

  • Früchte aus dem Wald gründlich waschen und bei Verdacht auf Kontamination keinesfalls verzehren.

  • Konsequente Isolierungsmaßnahmen und Verwendung von Schutzausrüstung in Arztpraxen und Krankenhäusern

  • Stärkere Kontrollen von Reisenden aus Risikogebieten


Verwendete Quellen:

RKI: "Henipaviren (Hendra- und Nipahvirus)"

ECDC: "Nipah virus disease"

CEPI: "How climate change increases pandemic risk"

Euronews: "Woher kommt das Nipah-Virus und kann es eine Pandemie wie COVID-19 werden?"

Euronews: "Nipah-Virus-Fälle in Indien: Was wir bisher wissen"

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