Achtjähriger aus Güstrow

Mordfall Fabian: Verhör mit der Angeklagten verweigert – diese verstrickt sich in Widersprüche

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

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Mordfall Fabian: Gina H. sagt aus (24. August)

Videoclip • 03:26 Min • Ab 12


Vier Stunden lang hatte die Angeklagte im Mordfall Fabian alle Vorwürfe von sich gewiesen. Dennoch stehen zahlreiche Widersprüche im Raum. Die Verteidigung stellte nun Antrag auf eine neue Untersuchung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 23. Prozesstag im Mordfall Fabian stellte sich die Angeklagte nicht der richterlichen Befragung.

  • Nach Aussage ihres Anwalts sei die 30-Jährige emotional zu labil.

  • Außerdem rückte in den Verhandlungen das erste Vernehmungsvideo der Angeklagten in den Fokus, diese hatte darin ihre Aussage zum Fund der Leiche geändert.

Im Prozess zum Mordfall Fabian hatte die Angeklagte Gina H. am Montag (24. August) erstmals selbst ausgesagt. Nur zwei Tage später lehnte ihr Verteidiger nun eine gerichtliche Befragung seiner Mandantin ab. Doch die Widersprüche in den Erklärungen der 30-Jährigen häufen sich.

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Der Angeklagten drohen mindestens 30 Jahre Haft

"Ich bin mir sicher, dass sie keine fünf Minuten durchhalten würde", erklärte Anwalt Thomas Löcker vor dem Landgericht Rostock. Seine Mandantin sei nach ihren Einlassungen am vorherigen Verhandlungstag emotional sehr labil. Womöglich sei ihr zum ersten Mal klar geworden, was für sie auf dem Spiel stehe: eine Haftstrafe von 30 Jahren oder sogar mehr.

In einer vierstündigen Erklärung hatte die 30-Jährige vor dem Landgericht Rostock alle Tatvorwürfe von sich gewiesen. So habe sie den Fundort des Leichnams, einen Tümpel bei Klein Upahl im Landkreis Rostock, am 13. Oktober 2025 erstmals gesehen. Und genau hier häufen sich die Widersprüche. Am nun 23. Verhandlungstag nahm das Gericht die erste Vernehmung der Angeklagten genauer unter die Lupe.

"Das Problem ist: Ich kann nicht lügen"

Wie der gezeigten Videoaufnahme, die kurz nach dem Auffinden der Leiche im Oktober 2025 entstand, zu entnehmen ist, hatte Gina H. in der folgenden Vernehmung ihre Aussagen verändert. "Das Problem ist: Ich kann nicht lügen", räumte die Angeklagte darin ein. Demnach habe sie Fabians Leiche am 14. Oktober 2025 zufällig beim Spaziergang mit einer Freundin entdeckt.

Die Polizei konfrontierte die Angeklagte mit einer Aussage der Freundin. Diese beteuerte, dass der Fund kein Zufall gewesen sei. Kurzum änderte Gina H. ihre Stellungnahme. Sie habe die Leiche schon in der Nacht zum 13. Oktober gemeinsam mit einem Freund entdeckt. Anfangs habe sie nicht gewusst, dass es sich um eine Leiche handle. Der Freund habe die Vermutung geäußert, es sei nur eine verbrannte Puppe, und habe sie gebeten, die Polizei erst am Folgetag zu verständigen.

Sie habe Angst "und ein komisches Bauchgefühl" gehabt, aber trotzdem geschwiegen, sagte die Angeklagte in dem Video. "Ich wollte eine Person rauslassen", so die 30-Jährige, deshalb habe sie über den Fund gelogen.


Branddauer könnte entscheidend sein

Die Verteidigung bemängelte das Verfahren. Die Angeklagte sei damals noch als Zeugin vernommen worden, obwohl gegen sie schon ein Tatverdacht bestanden habe. Weiter sei sie bei der Vernehmung nicht über ihre Rechte informiert worden.

Demnach plädierten die Anwälte, die Aussagen der Zeugin aus dem Protokoll zu streichen und die Aufzeichnungen der Vernehmung nicht mehr zu nutzen. Das Gericht wies den Einspruch nach längerer Beratungspause zurück.

Infolge der inhaltlichen Verstrickungen hat die Verteidigung nun Antrag auf einen neuen rechtsmedizinischen Sachverständigen gestellt. Dieser solle nachweisen, wie lange die Leiche gebrannt habe. Diese Dauer sei entscheidend dafür, ob der angenommene Tatablauf so möglich ist wie von der Staatsanwaltschaft angenommen.


Hintergründe zur Tat

Laut Anklage soll Gina H. den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 an einem Teich erstochen und den Leichnam anschließend in Brand gesetzt haben. Das Motiv: die Beziehung der Angeklagten zum Vater des Mordopfers, beziehungsweise das zeitweise Ende dieser. Nach wie vor streitet die 30-Jährige jegliche Beteiligung an der Tat ab.

In dem seit dem 28. April laufenden Indizienprozess wurden bereits Dutzende Zeug:innen gehört, darunter auch Fabians Vater. Dieser glaubt an die Unschuld der Angeklagten, mit der er mittlerweile wieder zusammen ist.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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