Beim Polittalk ging es um die Zukunft des Kanzlers

Merz und Klingbeil als "Dead Men Walking"? Düstere Prognose bei Markus Lanz

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von teleschau - Hellmut Blumenthal

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Merz denkt trotz Kritik nicht an Rückzug

Videoclip • 59 Sek • Ab 12


Nur zwölf Prozent der Bundesbürger:innen sind mit der Arbeit des Bundeskanzlers zufrieden. Steht Friedrich Merz das Wasser bis zum Hals? Markus Lanz und seine Gäste diskutierten am Dienstag lebhaft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ist die Marke Merz bereits beschädigt?

  • Bei "Markus Lanz" prallten am Dienstag unterschiedliche Einschätzungen aufeinander.

  • Während Thorsten Frei den Kanzler verteidigte, zeichnete Journalist Michael Bröcker ein dramatisches Bild der Bundesregierung.

Nur zwölf Prozent der Bundesbürger:innen sind mit der Arbeit des Bundeskanzlers zufrieden. Steht Friedrich Merz das Wasser bis zum Hals? Markus Lanz und seine Gäste diskutierten am Dienstag lebhaft.

Kaum aus dem Urlaub am Tegernsee zurück, bläst Bundeskanzler Friedrich Merz schon der Wind ins Gesicht. Vor allem die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt könnten zur Zerreißprobe werden. Ist die "Marke Merz" irreparabel beschädigt? Markus Lanz unterhielt sich am Dienstagabend lebhaft mit seinen Gästen: der Juristin Frauke Brosius-Gersdorf, dem CDU-Fraktionschef Thorsten Frei und dem Journalisten Michael Bröcker.

Vor allem Letzterer sieht den Kanzler zunehmend angezählt. Er nehme einige interne Diskussionen wahr, die sich um die Ablösung von Merz drehen würden. Auch die Zusammenarbeit mit Lars Klingbeil, Chef des Koalitionspartners SPD, sei nicht mehr von gegenseitigem Vertrauen geprägt, so der Chefredakteur von "Table Media".

Markus Lanz: "Wir haben nichts gehört vom Kanzler"

Schon zu Beginn des Gesprächs wurde Moderator Markus Lanz gegenüber dem CDU-Fraktionschef Thorsten Frei deutlich: Es habe Waldbrände gegeben, "komische Drohnen, mit Sprengstoff beladen", sogar eine Rentenrebellion in der Ost-CDU - "und wir haben nichts gehört vom Kanzler". Frei wiegelte ab. Er sei regelmäßig im Austausch mit dem urlaubenden Regierungschef gewesen. "Was den Flughafen Leipzig anbelangt, da war der Bundesinnenminister, der seinen Urlaub unterbrochen hat." Deutschland sei während des dreiwöchigen Urlaubs bestens regiert gewesen.

Das wies Michael Bröcker entschieden zurück. Merz sei "so unter Druck wie nie zuvor. Seine Regierung entscheidet nicht oder schwach oder zu spät. Er hat das Gespür für die Menschen offensichtlich verloren.“ Schließlich seien laut Umfrage nur zwölf Prozent der Bevölkerung mit seiner Arbeit zufrieden.

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Rentenaufstand in der Ost-CDU: Frei zeigt sich "ein bisschen irritiert"

Griffig wurde es, als es um den sogenannten Rentenaufstand ging. Anfang August hatten sich die Ost-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Sven Schulze und Mario Voigt (alle CDU) vor allem gegen eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ausgesprochen. Diese ist Teil der Rentenreform der Bundesregierung. Ein Jahrhundertprojekt, betonte Thorsten Frei. "Und diese drei verstehen das nicht?", fragte Markus Lanz provokant.

Während sich der CDU-Fraktionschef vom Moderator mühsam die Worte "überrascht" und "ein bisschen irritiert" als Reaktion auf den Vorstoß der drei Ost-Ministerpräsidenten entlocken ließ, fuhr Journalist Bröcker schärfere Geschütze auf. "Aus reiner Panik vor den Wählern" würden Kretschmer, Schulze und Voigt den Renten-Kompromiss der Bundes-Koalition infrage stellen. Ihre Aktion zeige vor allem die schwindende Autorität des Kanzlers, "das ist doch das Dramatische".


Merz und Klingbeil als "Dead Men Walking"?

Einmal in Fahrt gekommen, teilte Bröcker auch gegen SPD-Chef Lars Klingbeil aus. Er stellte die Frage, ob die beiden Parteichefs überhaupt noch die Stabilität und das Zutrauen zueinander hätten. Er sehe das Tandem eher als "Dead Men Walking". Die englische Formulierung bezog sich ursprünglich auf verurteilte Straftäter auf dem Weg zur Hinrichtung. "Sie stehen so unter Druck, dass in ihren Parteien über ihre Ablösung diskutiert wird", so Bröcker.

Eine Behauptung, der Frei zunächst nicht widersprach. Das machte Markus Lanz hellhörig. "Gibt's diese Debatten?", fragte er den CDU-Politiker. "Nein. Ich habe das einfach als eine Meinung von Herrn Bröcker akzeptiert." Er kenne niemanden ernstzunehmendes, der so etwas diskutiert hätte. "Können wir mal den offenen Mund von Herrn Bröcker einblenden?", scherzte Lanz daraufhin.

Der nahm den Steilpass dankbar auf. Jeder führende Christdemokrat habe in den vergangenen Monaten darüber nachgedacht, ob Friedrich Merz mit diesen Umfragewerten diese Legislaturperiode beenden könne. "Es ist Thema in jeder Landesregierungszentrale, in der Fraktionsführung und sicherlich auch im Kopf von Thorsten Frei." Zwölf Prozent Zustimmung für den Kanzler, die CDU liege in Sachsen-Anhalt bei 20 Prozent - Bröcker wurde deutlich: "Da hätte man Angela Merkel öffentlich gegrillt."

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