Mit 81 Jahren
Gunther von Hagens ist tot – "Körperwelten"-Schöpfer wird selbst zum Exponat
Aktualisiert:
von Christopher SchmittGunther von Hagens wurde 81 Jahre alt.
Bild: Patrick Pleul/dpa +++ dpa-Bildfunk
Der Leichenpräparator Gunther von Hagens ist verstorben. Bekannt war er vor allem für seine Körperwelten-Ausstellungen. Nach seinem Tod wird er selbst zum Plastinat.
Das Wichtigste in Kürze
Gunther von Hagens, der für "Körperwelten" zuständige Leichenpräparator, ist im Alter von 81 Jahren verstorben.
Seine Exponate sorgten teils für Empörung, sein radikaler Ansatz lockte jedoch Millionen Menschen in seine Ausstellungen.
Sein letzter Wunsch: Selbst zum Exponat werden – diese Arbeit soll seine Frau übernehmen.
Der Schöpfer der berühmten "Körperwelten"-Ausstellungen ist tot: Der Leichenpräparator Gunther von Hagens ist am Freitag (24. Juli) im Alter von 81 Jahren verstorben, wie seine Familie in Heidelberg mitteilte.
Sein letzter Wunsch: auch den eigenen Körper der Plastination zuzuführen, jener Konservierungstechnik, die er in den 1970er-Jahren entwickelte und die Millionen Menschen weltweit faszinierte – und schockierte.
Die Parkinson-Erkrankung, die 2008 diagnostiziert wurde, hatte von Hagens in seinen letzten Jahren zunehmend eingeschränkt. Damals gab er sich selbst noch fünf Jahre, doch er kämpfte weiter. Seine Frau Angelina Whalley musste zuletzt als Übersetzerin fungieren, weil sein Sprachzentrum stark beeinträchtigt war. Trotzdem blieb er seiner Lebensaufgabe treu: Menschen den Blick unter die Haut zu ermöglichen.
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Anatomie für alle – ein radikaler Ansatz
Was von Hagens antrieb, war die Überzeugung, dass Wissen über den eigenen Körper zu einem bewussteren Leben führt. Seine "Körperwelten"-Ausstellungen zeigten plastinierte Leichen in alltäglichen Posen: als Basketballspieler:in, Skateboarder:in, beim Schachspiel oder beim Sex. Die Haut abgezogen, Muskeln und Nervenstränge freigelegt – eine schonungslose Offenbarung menschlicher Anatomie.
Seit der ersten Ausstellung 1995 in Tokio besuchten mehr als 56 Millionen Menschen weltweit seine Schauen. Doch der Erfolg hatte seinen Preis: Die großen Kirchen lehnten diese Form der Zurschaustellung als würdelos ab, Städte wie Augsburg und Köln verboten die Darstellung von Sexszenen mit Leichen.
Von Hagens sah darin keinen Grund zur Sorge. Im Gegenteil: Kontroversen seien ein Zeichen dafür, dass seine Arbeit die Menschen berühre und zum Nachdenken anrege – genau das sei von Anfang an sein Ziel gewesen. Die sachliche Kritik habe ihn bewogen, den gesamten Prozess von der Körperspende bis zur Präsentation so transparent und respektvoll wie möglich zu gestalten.
Ein Leben zwischen Wissenschaft und Provokation
Geboren 1945 bei Posen im heutigen Polen, begann von Hagens 1965 in Jena Medizin zu studieren, geriet in politische Gefangenschaft der DDR und wurde von der Bundesrepublik freigekauft. In Heidelberg entwickelte er seine revolutionäre Konservierungsmethode und gründete 1993 das Institut für Plastination. 2006 folgte die Gubener Plastinate GmbH in Brandenburg, wo bis heute Präparate für Universitäten weltweit hergestellt werden.
Die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit prägte seinen Blick auf das Leben zutiefst. Je älter er wurde, desto mehr empfand er das Leben als große Ausnahme und den Tod als das Normale, sagte er Anfang 2025. Es sei die Vergänglichkeit, die dem Leben überhaupt Bedeutung verleihe.
Sein Sohn Rurik, der die Geschäftsführung übernommen hat, würdigte den Vater als Menschen, der nie akzeptierte, dass Grenzen unverrückbar sind. Er habe Anatomie aus dem geschlossenen Raum der Fachwelt in die Mitte der Gesellschaft gebracht.
Das letzte Exponat
Nun wird Gunther von Hagens selbst zum Plastinat – wie er es sich gewünscht hatte. Seine Frau Angelina Whalley soll dabei selbst Hand anlegen. Was sie anfangs als schreckliche Vorstellung empfand, sieht sie mittlerweile als Liebesbeweis. Ein Jahr Zeit brauche sie vorher – solange werde er in der Kühltruhe liegen.
Für den Erfinder der Plastination war es nur konsequent, sich selbst dem Prozess zu unterziehen. Es sei eine Möglichkeit, seine Überzeugung und Lebensarbeit über den Tod hinaus fortzuführen, erklärte er kurz vor seinem 80. Geburtstag.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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