Aktivismus

Greenpeace: Vom Anti-Atom-Protest zur globalen Umweltorganisation

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel

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Videoclip • 01:11 Min • Ab 12


Aus einer kleinen Gruppe von Aktivist:innen in Kanada entwickelte sich die weltgrößte Umweltorganisation Greenpeace. Alles über ihre Geschichte, spektakuläre Aktionen und Erfolge.

Das Wichtigste in Kürze

  • Greenpeace wurde 1971 in Vancouver gegründet. Der Auslöser waren Proteste gegen Atomtests im Pazifik.

  • Die Umweltorganisation setzt sich hauptsächlich für Natur- und Klimaschutz ein.

  • Greenpeace finanziert sich überwiegend aus privaten Spenden.

Was ist Greenpeace?

Greenpeace ist eine internationale Umweltorganisation, die sich weltweit und gewaltfrei für den Schutz von Natur und Klima sowie für Artenvielfalt einsetzt. Die Non-Profit-Organisation arbeitet mit Kampagnen, wissenschaftlichen Analysen und öffentlichkeitswirksamen Aktionen, um auf Probleme aufmerksam zu machen und politischen Druck aufzubauen.

Bekannt wurde Greenpeace spätestens in den 1980er-Jahren durch spektakuläre Einsätze: Die Aktivist:innen begeben sich an Orte, die symbolisch für Umweltzerstörung stehen, etwa Ölplattformen, Walfangschiffe oder Industrieanlagen. Dort protestierten sie dann, häufig mit Transparenten.

Greenpeace ist mit nationalen und regionalen Büros in mehr als 50 Ländern vertreten. Der Großteil der Einnahmen stammt aus Spenden von Privatpersonen, um unabhängig zu bleiben. Sie nimmt keine Gelder von Politik, Staaten oder Firmen.

Mehr als drei Millionen Menschen unterstützen die Vereinigung weltweit, darunter rund 620.000 Fördermitglieder in Deutschland. 2024 nahm die Gruppe hierzulande knapp 88 Millionen Euro an Spenden ein. Das meiste Geld wird nach Greenpeace-Angaben für Kampagnen ausgegeben.

Inhaltlich konzentriert sich Greenpeace auf Themen wie Klima-, Meeres-, Wald- und Verbraucherschutz. Auch Abrüstung und Anti-Atomkraft-Arbeit spielen eine zentrale Rolle. Ein wichtiger Aspekt ist nach eigenen Angaben zudem "Gerechtigkeit für alle Lebewesen".

Durch die öffentliche Auseinandersetzung mit Politiker:innen, Konzernführer:innen oder Umweltzerstörer:innen wächst der Druck in Politik und Wirtschaft, anders zu handeln.

Selbstaussage von Greenpeace

Wie und wann wurde Greenpeace gegründet?

Greenpeace entstand 1971 im kanadischen Vancouver. Die Organisation entwickelte sich aus einer kleinen Gruppe von Friedens- und Umweltschützer:innen.

Die USA führten in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren im Nordpazifik unterirdische Atomtests durch. Betroffen war die Region um die Aleuteninsel Amchitka vor der Küste Alaskas. Eine der Befürchtungen war, dass die Aktivitäten der Vereinigten Staaten eine Flutwelle auslösen könnten. Daraus entstand die Protestbewegung "Don't make a wave committee", also das  "Mach-keine-Welle-Komitee". Das war die Keimzelle von Greenpeace – auch wenn der Name erst später verändert wurde.

Der Slogan der Anti-Atomtest-Kampagne lautete: "Let’s make it a Green Peace", also einen grünen Frieden. Die Gruppe plante, mit einem gecharterten Schiff zu der abgelegenen Region zu fahren, um die Versuche friedlich zu stoppen. Dazu brauchten sie Geld. Ein Mitglied des Komitees hatte eine Idee – und organisierte ein Benefizkonzert in Vancouver.

Am 16. Oktober 1970 hörten rund zehntausend Menschen den Musiker:innen Joni Mitchell, James Taylor und Phil Ochs zu. Alle drei traten ohne Gage auf, der Eintrittspreis von drei kanadischen Dollar kam der Protestaktion zugute.

Durch das Konzert kam genug Geld zusammen – und das ausrangierte Fischereischiff "Phyllis Cormack" stach im September 1971 in See. Für die Aktion wurde es in "Greenpeace" umbenannt. Zwar gelang es den Aktivist:innen vor Ort nicht, die Atomtests zu stoppen. Doch ihre Mission im Jahr 1971 erregte weltweite Aufmerksamkeit: Die Proteste und öffentlicher Druck trugen dazu bei, dass die Tests eingestellt wurden. Das markierte die Geburtsstunde von Greenpeace.

Bis 1975 entstanden fast 20 unterschiedliche Gruppen unter diesem Namen. Erst später wurden sie in einer Organisation zusammengefasst. Seit dem 14. Oktober 1979 besteht die Institution Greenpeace International.

Greenpeace-Aktivist:innen protestieren oft mit kreativen Methoden, wie hier beim 17. Petersberger Klimadialog in Berlin.

Bild: dpa


Das sind die wichtigsten Greenpeace-Gründer:innen

Mehrere Persönlichkeiten prägten die frühe Entwicklung von Greenpeace. Alle brachten jeweils andere Stärken in die entstehende Bewegung ein:

  • Irving und Dorothy Stowe: Das Ehepaar war in der Friedensbewegung aktiv. Dorothy brachte die Familie als Sozialarbeiterin über die Runden. Anwalt Irving Stowe konnte sich dadurch auf seine politischen Aktivitäten konzentrieren. Er organisierte das erste Solidaritätskonzert für Greenpeace. Daraus entwickelte sich das Konzept für das zukünftige Fundraising.

  • Bob Hunter: Der Journalist der "Vancouver Sun" war mit an Bord der "Phyllis Cormack", als sie zu ihrer ersten Fahrt aufbrach. Von dort berichtete er direkt von den Protesten und erzeugte damit viel Aufmerksamkeit. Später leitete er Greenpeace-Kampagnen gegen kommerziellen Walfang. Zwischen 1975 und 1977 war er Vorstandsvorsitzender von Greenpeace.

  • Dorothy und Ben Metcalfe: Die Journalist:innen organisierten die Medienarbeit während der Anti-Atomtest-Aktionen 1971 und 1972. Als Pressesprecher:innen hielten sie die Funkverbindung zwischen der Besatzung und internationalen Medien aufrecht. Dorothy organisierte eine Audienz beim Papst und stritt öffentlich mit dem damaligen kanadischen Premierminister Pierre Trudeau.

  • Jim und Marie Bohlen: Der Ex-Tiefseetaucher und Funker war bei der ersten Greenpeace-Aktion gegen die US-Atomtests an Bord der "Phyllis Cormack" dabei. Seine Frau Marie steuerte viele Ideen bei, unter anderem die, mit einem Schiff zur Inselgruppe im Pazifik zu fahren.

Zwei weitere Männer erhoben später den Anspruch, an der Greenpeace-Gründung beteiligt gewesen zu sein. Die Gruppierung bestätigt zwar, dass sie dabei waren, bestreitet aber ihren Einfluss. Patrick Moore war auf der ersten Protestfahrt an Bord. Er distanzierte sich später öffentlichkeitswirksam von der Organisation. Paul Watson war ebenfalls in den Anfangstagen dabei, verließ Greenpeace aber 1977 und gründete die Sea Shepherd Conservation Society.


Wie ist die Struktur von Greenpeace heute?

Nach den frühen Protestfahrten entwickelte sich Greenpeace in den folgenden Jahrzehnten zu einer internationalen Umweltorganisation. Sie besteht aus einem Netzwerk von 25 unabhängigen nationalen und regionalen Gruppen in 55 Ländern. Die Dachorganisation Greenpeace International sitzt in Amsterdam und ist als "Stichting" nach niederländischem Recht organisiert, vergleichbar mit einer Stiftung.

Sie übernimmt vor allem eine koordinierende Rolle: Greenpeace International legt globale Strategien fest, unterstützt internationale Kampagnen und sorgt dafür, dass gemeinsame Standards eingehalten werden. Zudem vertritt sie das Netzwerk auf internationaler Ebene. Die einzelnen nationalen und regionalen Greenpeace-Organisationen sind jedoch rechtlich und finanziell unabhängig und entscheiden selbst über ihre konkreten Projekte und Schwerpunkte vor Ort.

Diese Struktur ermöglicht es, globale Umweltziele zu verfolgen und gleichzeitig flexibel auf lokale Probleme und politische Gegebenheiten zu reagieren.

Für diese Kampagnen und Erfolge ist Greenpeace bekannt geworden

Greenpeace hat im Laufe der Jahrzehnte mit vielen Aktionen international Aufmerksamkeit erlangt. Einige davon sind besonders bekannt geworden:

  • Rainbow Warrior: 1985 sprengte der französische Geheimdienst das Greenpeace‑Schiff Rainbow Warrior im Hafen des neuseeländischen Auckland. Damit sollten Proteste gegen Frankreichs Atomtests im Pazifik gestoppt werden. Der Anschlag tötete den Fotografen Fernando Pereira und löste einen internationalen Skandal aus. Dieser Fall machte Greenpeace weltweit bekannt. Die Aktionen sorgten für Druck und trugen dazu bei, dass Frankreich 1996 seine Atomtests einstellte.

  • Ölplattform Brent Spar: 1995 verhinderte Greenpeace, dass die schwimmenden Öltanks im nördlichen Atlantik versenkt wurden. Das hatten die Betreiber Shell und Esso eigentlich vor. Doch die Organisation besetzte die Plattform Ende April 1995 und warnte vor Umweltschäden durch das Öl. Sie forderte die Firmen auf, den Industrieschrott an Land zu recyceln. Durch die Aktion kam es zu europaweiten Boykotten, vor allem gegen Shell. Im Juni 1995 knickte der Konzern ein. Die EU verschärfte später Regeln zur Entsorgung von Offshore‑Anlagen.

  • Proteste gegen Walfang: 2006 transportierte Greenpeace einen 17 Meter langen und 20 Tonnen schweren toten Finnwal vor die japanische Botschaft in Berlin. Damit protestierte die Gruppe gegen Walfang in dem asiatischen Land. Ab Mitte der 1970er-Jahre hatten sich Aktivist:innen bereits mit Schlauchbooten zwischen Wale und Walfangschiffe begeben. Die Internationale Walfangkommission beschloss 1982 ein kommerzielles Walfangmoratorium.

  • Proteste gegen Arktis-Bohrungen: Greenpeace blockierte zwischen 2012 und 2015 mehrfach Shell‑Bohrschiffe wie die Noble Discoverer und die Polar Pioneer. Aktivist:innen kletterten auf die Plattformen, seilten sich von Brücken über den Fahrtrouten ab und versuchten, die Ausfahrt der Schiffe aus Häfen zu verhindern. Die Aktionen sollten die Risiken von Ölbohrungen in arktischen Gewässern sichtbar machen. Shell gab im September 2015 bekannt, die Arktisbohrungen "auf unbestimmte Zeit" einzustellen.

Greenpeace erreichte auch in anderen Bereichen konkrete Veränderungen: Recherchen zu illegaler Abholzung im Amazonas-Gebiet führten dazu, dass große Agrar‑ und Fleischkonzerne Entwaldungs‑Moratorien einführten. Kampagnen gegen giftige Substanzen in Elektronik und Textilien sorgten für strengere EU‑Regeln.

Durch Forschungen zu illegaler Fischerei und Aktionen gegen Schleppnetzflotten wurden internationale Debatten angestoßen. Sie trugen zu strengeren Kontrollen und neuen Schutzgebieten bei.

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Warum wird Greenpeace kritisiert?

Der Umweltorganisation Greenpeace wird von Kritiker:innen mitunter vorgeworfen, in ihrer Struktur wenig basisdemokratisch zu sein. Fördermitglieder und Aktivist:innen hätten nur begrenzte Möglichkeiten, über Aktionen mitzubestimmen. Vor diesem Hintergrund gründeten im November 1982 rund 50 deutsche Mitglieder der Umweltorganisation Robin Wood. Sie wollten nicht nur Vorgaben der Greenpeace-Zentrale umsetzen, sondern eigene Kampagnen starten.

Auch aus den Reihen ehemaliger Weggefährten kommt Kritik: Paul Watson, der selbst in den Anfangstagen dabei war, wirft der Organisation seit Jahren vor, keine radikale, direkt handelnde Protestbewegung mehr zu sein. Stattdessen habe sie sich zu einer moderateren, stärker institutionellen NGO entwickelt. Greenpeace sei zu sehr an öffentlicher Akzeptanz und Professionalität interessiert und deshalb nicht mehr so wirkungsvoll. Seine eigene Organisation, die Sea Shepherd Conservation Society, verfolgt weiterhin einen konfrontativen Ansatz mit direkten Interventionen gegen Umweltvergehen auf hoher See, etwa gegen illegale Fischerei oder Walfang.

Patrick Moore, ebenfalls von Anfang an bei Greenpeace involviert, kritisiert die Umweltorganisation hauptsächlich wegen ihrer Ablehnung von Atomkraft und grüner Gentechnik. Er wirft ihr Wissenschaftsfeindlichkeit vor.

In der Kritik steht Greenpeace zudem wegen einzelner Protestaktionen, die als riskant oder grenzüberschreitend bewertet werden. So kam es kurz vor dem Anpfiff des EM-Spiels Frankreich gegen Deutschland am 15. Juni 2021 in München zu einem Zwischenfall. Ein Aktivist flog trotz Flugverbots mit einem Motorschirm über die Allianz-Arena. Er wollte einen großen Ball mit einer Aufschrift abwerfen. Doch er stürzte ab, beschädigte technische Anlagen und verletzte zwei Personen.

FAQ: Greenpeace

Hinter Greenpeace steckt keine einzelne Firma oder Regierung, sondern ein weltweites Netzwerk von unabhängigen Umweltorganisationen. Gegründet wurde Greenpeace 1971 von Aktivist:innen in Kanada. Heute arbeiten hauptamtliche Mitarbeiter:innen und viele Ehrenamtliche weltweit an Kampagnen für Umwelt- und Klimaschutz.

Greenpeace setzt sich vor allem für den Schutz von Umwelt und Natur ein – zum Beispiel Klima, Meere, Wälder und Artenvielfalt. Die Organisation fordert unter anderem den Ausstieg aus fossilen Energien, den Erhalt natürlicher Lebensräume sowie strengere Regeln gegen Umweltverschmutzung und Technologien wie Atomkraft.

Greenpeace ist eine unabhängige Organisation, die kein Geld von Regierungen, politischen Parteien oder Konzernen annimmt. Sie finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Die wichtigste Einnahmequelle sind Privatspenden. Dazu kommen Fördermitgliedschaften sowie Erbschaften.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Greenpeace-Webseite

Greenpeace International-Webseite

Deutschlandfunk: "Wie Greenpeace sich mit den Mächtigen anlegt"

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