In ARD-Doku "September"
Als Praktikant in New York: So erlebte Lars Klingbeil den 11. September 2001
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker11. September 2001, 10:28 Uhr: Der Nordturm des World Trade Centers in New York stürzt ein.
Bild: imago images/PCN Photography
Als die Twin Towers fielen, war Lars Klingbeil nur wenige Kilometer entfernt. Der heutige Finanzminister erinnert sich 25 Jahre nach 9/11 in der ARD-Doku "September" an den Tag, der die Welt für immer veränderte.
Das Wichtigste in Kürze
Am 11. September 2001 entführen Terroristen des islamistischen Netzwerks Al-Kaida insgesamt vier Passagierflugzeuge.
Zwei der Maschinen fliegen in den Süd- und Nordturm des World Trade Centers, beide Gebäude stürzten daraufhin ein.
Der heutige Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) befand sich zum Zeitpunkt des Anschlags vor Ort und schildert seine Erinnerungen als 23-jähriger Praktikant in Manhattan.
Der 11. September um 9:59 Uhr. Ein gewaltiges Beben erschütterte New York. So stark, dass es den Menschen in der unmittelbaren Umgebung den Boden unter den Füßen wegriss. Der Südturm des World Trade Centers war eingestürzt. Was folgte, war eine riesige graue Qualm- und Staubwolke. Sie fraß sich durch die breiten Straßen von Manhattan, sank auf die weltbekannte Stadt der Wolkenkratzer.
Hier sitzt auch die Friedrich-Ebert-Stiftung – wo sich der damals 23-jährige Lars Klingbeil befand. 2001 war er als Praktikant in New York vor Ort, während sich die verheerendsten Terroranschläge in der Geschichte ereigneten. Auch 25 Jahre später erinnert sich der heutige Bundesfinanzminister in der ARD-Dokumentation "September" (abrufbar in der ARD-Mediathek) an einen Tag, der die ganze Welt veränderte.
Auch in den News:
Praktikant Klingbeil in der großen, weiten Welt
"Das war das erste Mal, dass ich so allein in der großen weiten Welt unterwegs war", erzählt der "Junge vom Dorf", wie sich Lars Klingbeil in der ARD-Doku bezeichnet. "Die ganzen Wolkenkratzer, die Geschwindigkeit, das Tempo, das war richtig Großstadt."
Nach der Jahrtausendwende strotzte die Stadt in der Tat vor Leben. Zahlreiche junge Menschen strömten in die Weltmetropole. In der ARD-Doku ist zu sehen, wie das damals 28-jährige Supermodel Heidi Klum die Fashionweek besuchte, "an jeder Straßenecke" wurde die Kultserie "Sex and the City" gedreht, der erste "Harry Potter"-Film steht kurz vor dem Kinostart. In den Sommermonaten 2001 lag Aufbruchsstimmung in der Luft.
Unweit der Grand Central Station arbeitete der SPDler Lars Klingbeil als Praktikant der Friedrich-Ebert-Stiftung, erzählt er in "September". Sein New Yorker Privatleben spielte sich nur wenige Meilen entfernt im nördlichen Manhattan ab. Dort lebte der 23-Jährige gemeinsam mit anderen deutschen Praktikanten im Kolpinghaus, damals noch ein katholisches Männerwohnheim, östlich des Central Parks. Eine zentrale Lage, die die jungen Leute in New York selbstverständlich ausnutzten.
Am Abend des 10. September 2001 war Klingbeil mit einigen seiner Mitbewohner unterwegs, so erzählt er in der Dokumentation. "Wir waren dann bis 23 oder 24 Uhr unterwegs, haben noch ein bisschen was getrunken", erinnert sich der Politiker. Durch die Straßen des New Yorker Nachtlebens führt es die Jungs Richtung der berühmten Twin Towers. Noch am Abend vor dem 11. September stand der 23-Jährige also vor den rund 411 Meter hohen Riesentürmen. "Ich hab damals so eine riesige Videokamera gehabt", erzählt Klingbeil. "Ich hab wirklich noch Aufnahmen, wie ich vor dem World Trade Center stehe und das filme", erzählt er. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand ahnen, dass die Twin Towers am Ende des nächsten Tages nicht mehr existieren werden.
11. September, kurz vor 9 Uhr
Der Morgen des 11. September 2001 begann wie jeder andere, so ein Radiomoderator, der ebenfalls in der Dokumentation zu Wort kommt. Wie auch die Tage zuvor scheint die Sonne über New York, die massive Skyline erstrahlt vor einem satten Blau. An den engmaschigen Stahlgittern der imposanten Twin Towers reflektierte das Licht über die Stadt, die Spitze des Nordturms ragte hoch in den Spätsommerhimmel. Lars Klingbeil saß im Office der Friedrich-Ebert-Stiftung, etwa 30 U-Bahn-Minuten vom World Trade Center entfernt.
Es ist 8:46 Uhr in New York, als das erste Flugzeug in den Nordturm kracht. "Ich weiß noch, wie die damalige Sekretärin mir entgegenkam auf dem Flur", erinnert sich Klingbeil im Film der ARD. "Und dann klingelte ihr Telefon." Zweimal habe die Kollegin 'you’re kidding' (Du machst Witze) gerufen. "Und dann schrie sie schon: 'Da ist gerade ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen'." Instinktiv habe er seine Eltern angerufen, so der heutige Finanzminister. Um zu sagen: "Bei mir ist alles okay".
"Das verändert hier gerade die Welt"
Während schwarzer Rauch aus einem großen Loch im oberen Viertel des Nordturms stieg, flog um 9:03 Uhr das zweite Flugzeug in den nebenliegenden Südturm. "Dann hieß es, es wären sogar noch mehr Flugzeuge in der Luft", erinnert sich Lars Klingbeil. "Ich weiß, dass mein damaliger Chef, also der Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung, sagte: 'Das verändert hier gerade die Welt'."
Ihn habe das überfordert. Noch am Tag zuvor sei er doch vor genau den Gebäuden gestanden, wo nun zwei Flugzeuge hineingekracht seien. Um 9:37 Uhr trifft ein dritter Jet mitten ins Pentagon, das US-Verteidigungsministerium.
Der Politiker erinnert sich, wie er gemeinsam mit seinen Kolleg:innen das Bürogebäude verlassen habe. "Das ganze System in New York brach ein Stück weit zusammen", erzählt er in "September" der ARD. "Man konnte nicht mehr telefonieren und die Metro stoppte ja dann auch, die fuhr nicht mehr." Die rund neun Kilometer zu seiner Unterkunft sei er gerannt.
Und dann hieß es: Warten. Nicht nur auf Informationen, sondern auch darauf, dass alle nach Hause zurückkommen. Über der Stadt habe sich zunehmend eine Unsicherheit ausgebreitet. Niemand habe gewusst, was da am World Trade Center los war. Wer sich in den Gebäuden und in der Umgebung befunden hatte.
"New York war ruhig"
Lars Klingbeils ehemaliger Chef sollte Recht behalten: Die Anschläge des 11. September 2001 sollten die Welt verändern. Die USA riefen den "Krieg gegen den Terror" aus und marschierten in Afghanistan und später im Irak ein. Zum ersten und bislang einzigen Mal in ihrer Geschichte aktivierte die NATO den Artikel 5, wonach ein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied der Vereinigung als Angriff gegen alle Mitglieder gewertet wird. Auch Deutschland und andere Staaten beteiligten sich am Krieg gegen die Taliban und Al-Kaida in Afghanistan.
Während sich in großen Teilen der USA eine hohe Aggressivität ausgebreitet habe, stand New York unter Schock. "New York war ruhig. Ruhig und bedächtig", erinnert sich der heute 48-jährige Klingbeil. In diesen Tagen, inmitten einer mit den Bildern von Vermissten zugekleisterten Stadt, habe man die Abende draußen auf den Plätzen verbracht. Gemeinsam, mit Musik, Gesprächen – oder eben mit Schweigen, wenn einfach die Worte fehlen.
Verwendete Quellen:
Dokumentation ARD: "September"
Pressemitteilung der ARD: "25 Jahre 9/11 in der ARD"
Nachrichtenagentur dpa
GEO: "World Trade Center: Wie alles begann"
Homepage Kolping House New York
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