Nächster Anschlag vereitelt?
Verdächtiger Fund an Umspannwerk: Polizei prüft Sabotage
Aktualisiert:
von Claudia Scheele:newstime
Zwei gezielte Angriffe auf unser Stromnetz
Videoclip • 01:38 Min • Ab 12
Nach verdächtigen Funden an Umspannwerken in Dormagen, Bergheim und Jänschwalde prüfen die Behörden einen möglichen Zusammenhang. Ein Bekennerschreiben liegt vor, die Ermittlungen dauern an.
Das Wichtigste in Kürze
An einem Umspannwerk in Dormagen wurde eine mutmaßliche Abschussvorrichtung entdeckt; die Polizei prüft ein mögliches Sabotagedelikt.
Die Ermittler:innen sehen mögliche Verbindungen zu Vorfällen in Bergheim und nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg.
Ein Bekennerschreiben wird untersucht, seine Echtheit und ein möglicher Zusammenhang mit den Taten sind bislang nicht belegt.
Nach dem Fund eines verdächtigen Gegenstands an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf geht die Polizei von einem möglichen Sabotagedelikt aus. Ein Spaziergänger hatte das Objekt am Donnerstagabend (3. September) entdeckt. Nach Angaben der Polizei Köln liegt den Ermittler:innen zudem ein Bekennerschreiben vor, in dem auch weitere bereits bekannte Vorfälle in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg erwähnt werden.
Die Untersuchungen des Gegenstands sind noch nicht abgeschlossen. Ein Polizeisprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), möglicherweise handle es sich um eine "verdächtige Abschussvorrichtung". Die "Bild"-Zeitung berichtete von Vorrichtungen für selbst gebaute Raketen mit Zeitschaltuhren und Kupferdrähten. Die Polizei bestätigte diese Details zunächst nicht.
Ähnliche Vorfälle in Bergheim und Brandenburg
Im Fokus der Ermittlungen stehen auch frühere Vorfälle am Umspannwerk in Bergheim westlich von Köln. Dort waren am Dienstag laut Behörden Kabel über Oberleitungen geworfen worden, was einen Kurzschluss auslöste. Nachträglich wurden mehrere mutmaßliche Abschussvorrichtungen gefunden. Schäden an weiteren Anlagen seien in der Umgebung bislang nicht festgestellt worden, teilte die Polizei mit.
Auch nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Südbrandenburg untersuchen die Behörden eine mögliche Sabotage. Dort wurde am Dienstagmorgen nach Ermittlerangaben mit selbst gebauten Flugkörpern leitfähiges Material in Richtung von Höchstspannungsleitungen geschossen. Mehr als ein Dutzend Vorrichtungen wurden entdeckt. Zu einem Stromausfall kam es laut Netzbetreiber nicht.
Bekennerschreiben wird geprüft
Die Ermittler:innen gehen nach bisherigen Angaben davon aus, dass die Vorfälle in Bergheim und Jänschwalde auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückgehen könnten. Ob Dormagen tatsächlich mit den anderen Fällen zusammenhängt, ist aber noch offen. Die Polizei kontrollierte weitere Umspannwerke in umliegenden Regionen auf verdächtige Gegenstände.
Die "taz" berichtete, sie habe ein Bekennerschreiben zum Vorfall in Brandenburg erhalten. Der Absender stelle sich darin als Einzeltäter dar und beschreibe die verwendeten Selbstbauraketen. Als Motiv nenne er "unermessliches Leid", das durch die Nutzung fossiler Brennstoffe verursacht werde. Die Zeitung betonte ausdrücklich, dass sich nicht zweifelsfrei belegen lasse, ob der Verfasser des Schreibens auch tatsächlich der Täter ist.
Auch in den News:
Brandenburg plant neues Sicherheitszentrum
Die Vorfälle haben die Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur verschärft. Brandenburgs Innenministerium kündigte nach dem mutmaßlichen Angriff nahe Jänschwalde ein neues Sicherheitszentrum zum Schutz wichtiger Anlagen an. Innenminister Jan Redmann (CDU) sagte, die Anzeichen verdichteten sich, dass die Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf die Energieversorgung sein könnten.
Zur kritischen Infrastruktur zählen unter anderem Energieversorgung, Wasser, Verkehr, Gesundheitswesen, IT und Kommunikation. Ein Angriff auf solche Einrichtungen kann weitreichende Folgen für Versorgung und öffentliche Sicherheit haben.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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