Rechtspopulisten im Aufwind
"Auf Irrweg": Joachim Gauck fällt bei Lanz deutliches Urteil über AfD-Wähler
Veröffentlicht:
von Natascha Wittmann:newstime
Umfrage: AfD auf Rekordwert – Union verliert
Videoclip • 01:02 Min • Ab 12
Bei "Markus Lanz" wurde Joachim Gauck auf die jüngsten AfD-Höhenflüge und mögliche Zukunftsszenarien angesprochen. Als es konkret um die nächste Bundestagswahl 2029 und einen möglichen Wahlsieg von Alice Weidel ging, reagierte Joachim Gauck unmissverständlich.
Ex-Bundespräsident Joachim Gauck zweifelte bei "Markus Lanz" an einem Wahlsieg von Alice Weidel bei der nächsten Bundestagswahl.
Bild: ZDF / Markus Hertrich
Im September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt und die Umfragen setzen die CDU nach 24 Jahren an der Spitze schon jetzt spürbar unter Druck. Auch bundesweit fährt die AfD in Erhebungen teils Rekordwerte ein. Bei "Markus Lanz" zeigte sich Joachim Gauck zwar besorgt, sagte aber gleichzeitig: "Lieber würde ich ja über das Wetter mit Ihnen sprechen." Der ehemalige Bundespräsident warnte in der ZDF-Sendung vor Überreaktionen und sagte, er wolle "keinen Alarmismus" verbreiten, "weil er uns lähmt. Und lahm genug sind wir schon ohnehin".
Statt Panik forderte Gauck politischen Fokus. Er kritisierte die Bundesregierung konkret dafür, dass zu lange "dieses Zögerliche, dieses Ringen um parteipolitische Positionen" dominiert habe. Das habe bittere Folgen, vor allem, wenn es um das Vertrauen der Menschen in den Staat gehe. Gauck formulierte es drastisch: "Vertrauensverlust in einer Demokratie - wirklich, da ist der Tod im Topf!" Hoffnung setzte er derweil auf die Reformpläne der schwarz-roten Koalition: "Da ist wirklich jetzt Entschlossenheit gefragt und ich sehe jetzt tatsächlich endlich mal ein bisschen Bewegung."
Joachim Gauck über AfD: "Menschen befinden sich auf einem Irrweg"
Im Gespräch mit Markus Lanz ging es auch um den Frust vieler Bürger:innen. Gauck sprach von "Existenzängsten", die manche Richtung AfD treiben würden. Lanz fragte direkt: "Haben Sie Verständnis dafür?" Gauck reagierte nüchtern und antwortete klar: "Die Menschen, die dorthin flüchten, befinden sich auf einem Irrweg. Es ist für mich und meine Freunde unmöglich, diese Partei zu wählen, weil sie kontaminiert ist mit einem alten Denken und einem Grundverdacht gegenüber unserer offenen Gesellschaft. Und deshalb habe ich kein Verständnis für deren politischen Ziele."
Was würde ein starker AfD-Wahlausgang in Sachsen-Anhalt auslösen? Gauck versuchte, den möglichen Schock auch als Weckruf zu deuten: Ein Erfolg könne "einen Teil der anderen Deutschen wieder aufwecken und sie vielleicht auch etwas kampfesmutiger machen". Und er schob nach: "Wenn das in Sachsen-Anhalt nun passieren sollte, daran wird Deutschland nicht untergehen." Lanz bremste allerdings: "Diese Messe ist noch nicht gelesen - weder in Sachsen-Anhalt noch in Mecklenburg-Vorpommern."
Markus Lanz über die Brandmauer zur AfD: "Das hat denen nicht geschadet"
Beim Blick auf AfD-Wähler:innen differenzierte Gauck: "Ich verurteile sie ja nicht als Faschisten, sondern ich bin der Meinung, dass sie falsch wählen, (...) dass sie dann Entwicklungen blockieren, die wir eigentlich nötig haben." Damit war der Weg frei für die Brandmauer-Debatte. Lanz zweifelte, ob sie der AfD wirklich geschadet habe: "Das hat denen nicht geschadet. Sie mussten nie den Beweis antreten, dass das, was sie versprechen (...), dass sie das einlösen müssen. (...) Das hat sie eigentlich in Wahrheit geschützt." Gauck nickte und sprach von einem Störgefühl. Der Ex-Bundespräsident kritisierte: "Das ist schlimm, dass wir oft erst unter Krisen aufwachen (...) und dann handlungsfähig werden." Zum Schluss fragte Lanz deshalb: "Halten Sie es für denkbar, dass 2029 jemand wie Alice Weidel übernimmt?" Gaucks Antwort kam sofort: "Nein, also ich bitte Sie!"
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