Loch in der Erdatmosphäre

Artemis-2-Rakete störte GPS-Signale auf der Erde

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

"Artemis 2"-Crew berichtet über Rückkehr (17. April)

Videoclip • 01:22 Min • Ab 12


Der Start der Mondmission Artemis 2 veränderte die obere Erdatmosphäre und beeinträchtigte zeitweise GPS-Messungen. Forschende warnen, dass solche Fehler künftig auch für selbstfahrende Autos und Drohnen relevant werden könnten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Start von Artemis 2 veränderte laut einer Studie die Elektronendichte in der Ionosphäre.

  • Die Veränderungen können GPS-Positionsangaben vorübergehend um mehrere Meter ungenau machen.

  • Forschende sehen mögliche Risiken für selbstfahrende Autos und die Ortung von Drohnen.

Die NASA-Mondmission Artemis 2 hat nicht nur Spuren im All hinterlassen: Beim Start am 1. April 2026 veränderte die SLS-Rakete auch die Ionosphäre der Erde. Eine Studie zeigt, dass dabei GPS-Signale zeitweise gestört wurden.

Für die Untersuchung wertete ein Forschungsteam Daten von bodengestützten GPS-Empfangsstationen aus. Die Messungen zeigen Veränderungen der Elektronendichte in der Ionosphäre. Diese elektrisch geladene Schicht liegt in der oberen Atmosphäre. Sie ist wichtig, weil GPS-Signale auf ihrem Weg von Satelliten zur Erde hindurchmüssen. Die Studie erschien als Vorabveröffentlichung im Fachjournal "Geophysical Research Letters", wie Space.com berichtet.

Der Start der Mondmission Artemis 2 veränderte die obere Erdatmosphäre und beeinträchtigte zeitweise GPS-Messungen.

Bild: Chris O'Meara/AP


Was beim Artemis-Raketenstart in der Atmosphäre geschah

Nach Angaben von "t3n" registrierten die GPS-Stationen bei drei Manövern Veränderungen in der Ionosphäre: beim Start, bei einer Zündung zur Anhebung der Umlaufbahn und beim Einschwenken auf den Flugkurs zum Mond. Die Schockwellen der Rakete können in der Atmosphäre kurzzeitig Bereiche mit veränderter Elektronendichte erzeugen. Beim späteren Manöver erstreckte sich eine solche Störung laut Studie über rund 5.000 Kilometer in Nordamerika.

Die Folgen reichen bis zum Boden. GPS-Empfänger berechnen ihre Position, indem sie die Laufzeit von Signalen mehrerer Satelliten messen. Ändert sich die Zahl freier Elektronen in der oberen Atmosphäre, können die Signale etwas früher oder später ankommen. Das führt zu ungenauen Positionsangaben. Bei den Messungen nach dem Artemis-2-Start entsprachen die Veränderungen möglichen Abweichungen von mehreren Metern, so Space.com".

Warum bei GPS schon wenige Meter wichtig sein können

Besonders relevant könnte das für Fahrzeuge sein, die ihre Umgebung und Position automatisch erfassen. Der Studienautor Charles Lin von der National Cheng Kung University sagte dem Portal "Space.com": "Ein Positionsfehler von ein paar Metern reicht aus, damit ein autonomes Auto die Spur wechselt." Auch die Ortung von Drohnen könne betroffen sein, erklärte Lin.

Die durch Raketen ausgelösten Störungen sind demnach kurzlebiger als jene bei starken Sonnenstürmen. Sie zeigen aber, dass Raumfahrt auch technische Systeme auf der Erde beeinflussen kann. "In Zukunft, wenn viele weitere Missionen zum Mond und Mars fliegen, werden diese Effekte deutlich wichtiger", sagte Lin weiter.

Auch in den News:

Was die Ergebnisse für künftige Weltall-Missionen bedeuten

Artemis 2 war laut "t3n" die erste einzelne Mission, bei der während drei Manövern Störungen über derselben Region beobachtet wurden. Die Messungen könnten deshalb helfen, die Auswirkungen künftiger Raketenstarts besser einzuschätzen. Je mehr Missionen zum Mond oder Mars geplant sind, desto wichtiger wird es, mögliche Einflüsse auf Navigationssysteme früh zu erkennen.




Verwendete Quellen:

Space.com: "NASA's Artemis II moon launch tore a hole in Earth's upper atmosphere so huge it disrupted GPS signals"

t3n: "Artemis 2: Warum die NASA-Rakete GPS-Signale auf der Erde stört"

Mehr entdecken