Debatte um Brandmauer

"Dann soll sie in Sachsen-Anhalt mit Pauken und Trompeten scheitern": AfD-Aussage sorgt bei Lanz für Streit

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von Doris Neubauer

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Umfrage: Linke und AfD bei Jugend vorn

Videoclip • 01:17 Min • Ab 12


Politberater Petschner-Multari will die AfD in Sachsen-Anhalt regieren lassen, CDU-Mann Roderich Kiesewetter hält dagegen: Ein Talk bei "Markus Lanz" über kaputte Brandmauern, Trumps Amerika und eine Bundespräsidentenwahl, die offenbar schon entschieden ist.

"Ich habe nicht vor, Juniorpartner der AfD zu werden", wollte sich Politikberater Armin Petschner-Multari (CSU) bei Markus Lanz nicht falsch verstanden wissen. Ob er sich denn eine Zusammenarbeit mit der Partei von Alice Weidel vorstellen könne, solange es sich dabei noch um eine schwarz-blaue Koalition handle, hatte ihn der Moderator gefragt. Man müsse jedenfalls die "gesellschaftlichen Realitäten" anerkennen, etwa 43 Prozent AfD-Zuspruch im Osten, meinte Petschner-Multari. Dazu gehöre auch, "die Mitte neu zu definieren": "Die Brandmauer ist gescheitert, weil wir kleiner werden und sie größer", stand für ihn fest. Wolle die Union weiter bestehen, müsse sie sich mit der AfD arrangieren.

Genau dafür sei die Union im Januar und Februar 2026 abgestraft worden, erinnerte CDU-Politiker Roderich Kiesewetter: "Wir sind zu klein, weil wir die Themen der AfD kopiert haben." Statt über Bildung, Integration und Wirtschaft zu reden, habe man Migration besetzen wollen und so die Mitte aufgegeben.

"Ich kopiere nicht die AfD, wir sind das Original", widersprach Petschner-Multari vehement. Allerdings müsse man bei Migration wie Wirtschaft mit gutem Beispiel vorangehen, statt eine Leerstelle zu hinterlassen. "Das haben wir offensichtlich getan", reflektierte er. Umso weniger könne man jetzt sagen: "Die Tür ist zu, egal, was ihr macht", beharrte er und sprach sich dafür aus, die AfD regieren zu lassen: "Dann soll sie in Sachsen-Anhalt mit Pauken und Trompeten scheitern, da leben nur 2,5 Millionen Menschen, da kann nicht so viel zu Bruch gehen. Im schlimmsten Fall machen sie Sachsen-Anhalt kaputt, aber dann hat das der Wähler so gewollt!"

Amerika sei doch das beste Beispiel dafür, was passieren könne, wenn Extreme "rangelassen werden", hielt Anna Sauerbrey, Politikchefin der "Zeit", dagegen. Und in Ungarn habe man 15 Jahre lang zugesehen: "Warum müssen wir die dummen Experimente unserer Freunde und Nachbarn nachmachen?", betonte sie. Außerdem fehle der AfD eine seriöse Wirtschaftspolitik.

Politberater und Autor Armin Petschner-Multari (Mitte) warnte bei "Markus Lanz" vor einer gescheiterten Brandmauer.

Bild: ZDF/ Markus Hertrich


Petschner-Multari: "Der Ballroom für die Milliardäre - und an der Zapfsäule kommt eine Zahl, die nicht passt."

Was in den USA kaputtgeht, war ohnehin das eigentliche Thema des Abends: die Zwischenwahlen, bei denen die Republikaner abgestraft wurden. "Gesamtwirtschaftlich steht die USA sehr gut da", analysierte Ökonomin Samina Sultan und sprach von 2,3 Prozent Wachstum, "von denen wir in Deutschland nur träumen". Ausschlaggebend seien der KI-Boom und der Konsum der oberen Bevölkerungshälfte. Die untere Hälfte führe einen stillen, verzweifelten Alltagskampf, berichtete Sauerbrey. "Trumps Politik hatte so starke Auswirkungen auf das Leben der Leute", sagte sie mit Blick auf die hohen Lebenshaltungskosten, die an der Tankstelle und im Supermarkt augenscheinlich seien.

All das habe die Wut auf die Republikaner geschürt. Auch Trumps Industrialisierungsversprechen sei verpufft, ergänzte Sultan: "Die blue collar jobs sind nicht zurückgekommen." Solche falschen Versprechen seien kontraproduktiv. Man müsse den Strukturwandel zulassen, in den USA wie in Deutschland. Gleichzeitig solle man die eigene Industrie durch Ausgleichszölle vor unfairen Praktiken wie Chinas Subventionen schützen.

Ein weiteres Thema musste natürlich ebenfalls behandelt werden: die "wahnwitzige Korruption", wie Lanz sie nannte, mit Blick auf knapp 12 Milliarden Dollar, die der Wahlkampf gekostet hat. Für Petschner-Multari, der in New York lebt, ist das Bild verzerrt: "Der Ballroom für die Milliardäre - und an der Zapfsäule kommt eine Zahl, die nicht passt." Die Menschen in den USA hätten erkannt: "Das Programm heißt Donald Trump - und sonst nichts." Sorge bereiteten auch die Staatsschulden von rund 40 Billionen Dollar. Zwar seien die Zinsen auf Staatsanleihen enorm gestiegen, sagte Sultan, doch die Leitwährung gebe den USA Kraft. Gefahr sehe sie anderswo: "Bei Frankreich müssen wir uns Sorgen machen."

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Lanz: "Es wird Ilse Aigner. Das können wir rausgeben an die Agenturen."

Auch Deutschland stehe nicht gut da, holte Kiesewetter das Thema zurück in die Bundesrepublik. Bis Anfang 2030 soll die Verschuldung auf 80 Milliarden Euro steigen. Europa müsse investieren, weil Amerika den Kontinent nicht mehr konventionell verteidigen werde. Auch die 80 Euro pro Kopf und Jahr für die Ukraine flössen "nicht aus Nächstenliebe", sondern weil Frieden und Freiheit einen Wert hätten. "Wir wollen, dass diese Ukraine mit ihrem Können und mit ihrer technologischen Spitzenforschung ein Teil der europäischen Sicherheit wird. (...) Wir wollen gewinnen, dass diese Ukraine ein Teil einer EU und NATO ist (...) - unabhängig davon, wie sich die Amerikaner verhalten."

Ist die Zwischenwahl in den USA entschieden, steht die deutsche Bundespräsidentenwahl erst bevor. "Es ist eine ziemlich verstolperte, handwerklich schwierige Phase", fand Kiesewetter für die Debatte um eine Kandidatin aus Unionsreihen klare Worte. "Ich möchte, dass Ilse Aigner die besten Chancen hat", fügte er hinzu.

"Es muss Ilse Aigner werden", mischte sich Petschner-Multari ein. "Sie wissen es?", hakte Lanz nach. "Ich weiß es", berief sich der Politikberater auf "verlässliche Quellen". Seinen Hinweis, dass es nie hundertprozentige Sicherheit gebe, überging Lanz getrost: "Es wird Ilse Aigner. Das können wir rausgeben an die Agenturen", verkündete der Moderator.


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