Traditionsunternehmen 1862 gegründet
Westheimer Brauerei beantragt Insolvenz – Betrieb läuft weiter
Veröffentlicht:
von Max Strumberger:newstime
Bierkonsum sinkt auf Rekordtief
Videoclip • 01:31 Min • Ab 12
Die Traditionsbrauerei Westheimer steckt in der Krise und hat jetzt Insolvenz beantragen müssen. Für Mitarbeitende, Handel und Gastronomie soll der Betrieb dennoch stabil weiterlaufen.
Das Wichtigste in Kürze
Sinkender Bierkonsum, steigende Kosten, wachsender Wettbewerbsdruck machen der Traditionsbrauerei Westheimer schwer zu schaffen.
Das Unternehmen hat deshalb ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung angemeldet.
Der Betrieb läuft weiter.
Die Gräflich zu Stolberg'sche Brauerei Westheim GmbH in Marsberg-Westheim kämpft gegen das Aus. Das traditionsreiche Familienunternehmen hat beim Amtsgericht Bielefeld ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht hat dem Antrag bereits stattgegeben. Für die Brauerei ist der Schritt nach eigenen Angaben kein Rückzug, sondern der Versuch, sich in einem immer schwierigeren Marktumfeld wirtschaftlich neu aufzustellen und den Standort langfristig zu sichern.
Trotz des Sanierungsverfahrens soll der Betrieb uneingeschränkt weiterlaufen. Produktion, Abfüllung und Auslieferung der Marken Westheimer, Arolser, Allersheimer, Caluna, limoNAHde und Nah2O werden nach Unternehmensangaben planmäßig fortgeführt. Auch für Kundschaft aus Gastronomie und Handel, für Lieferanten sowie für die 58 Mitarbeitenden und zwei Auszubildenden seien zunächst keine spürbaren Veränderungen vorgesehen.
Das sind die Gründe für die finanzielle Schieflage
Die Gründe für die Krise liegen nach Darstellung der Geschäftsführung in den massiven Belastungen der gesamten Branche. Steigende Energie-, Rohstoff-, Verpackungs-, Logistik- und Personalkosten treffen viele Brauereien, während zugleich der Bierkonsum seit Jahren sinkt und sich die Konsumgewohnheiten verändern. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, die den Druck auf mittelständische Unternehmen weiter erhöht haben. Mit der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und steuert die Sanierung gemeinsam mit Restrukturierungsexperten sowie einem gerichtlich bestellten Sachwalter.
Geplant sind modernere Prozesse, eine Weiterentwicklung des Produktportfolios, effizientere Strukturen und eine stärkere finanzielle Basis. Geschäftsführer Dirk Brüninghaus spricht von einer bewussten Entscheidung für die Zukunft, Gesellschafter Moritz von Twickel von einer konsequenten Neuaufstellung statt eines Endpunkts: "Wir wollen unsere Brauerei, unsere Marken, unsere Arbeitsplätze und unseren Standort langfristig sichern."
Mehr zu dem Thema:
Brauerei-Branche steckt in der Krise
Dass Westheimer kein Einzelfall ist, zeigt der Blick auf die Branche: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist die Zahl der Brauereien in Deutschland seit dem Höchststand von 1.552 im Jahr 2019 kontinuierlich gesunken und lag 2025 bei 1.415. Für Westheimer steht damit mehr auf dem Spiel als nur eine Bilanzsanierung: Die 1862 gegründete Brauerei, die in sechster Generation geführt wird, ringt um den Erhalt von Tradition, Arbeitsplätzen und regionaler Identität.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
T-Online: Brauerei aus Nordrhein-Westfalen beantragt Insolvenz
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