Russlands Wirtschaft unter Druck
Warnung aus Schweden: Russische Wirtschaft steuert auf finanzielle Katastrophe zu
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
Russlands Rohölexporte brechen stark ein
Videoclip • 01:11 Min • Ab 12
Trotz hoher Ölpreise steht Russlands Wirtschaft nach vier Jahren Angriffskrieg gegen die Ukraine offenbar deutlich schlechter da, als die offiziellen Zahlen nahelegen. Laut Schwedens Militärgeheimdienstchef Thomas Nilsson manipuliert Moskau Daten – und steuert auf einen langfristigen Niedergang oder einen abrupten Schock zu.
Das Wichtigste in Kürze
Laut Schwedens Militärgeheimdienstchef Thomas Nilsson reicht Russlands Kriegswirtschaft nur auf Kosten eines langfristigen wirtschaftlichen Niedergangs oder eines plötzlichen Schocks.
Geheimdienstinformationen zufolge manipuliert Moskau zentrale Wirtschaftsdaten, unter anderem zur Inflation, um die tatsächliche Lage zu verschleiern.
Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergard fordert, Europa müsse noch mehr tun, um die russische Wirtschaft durch Sanktionen zu schwächen.
Russlands Staatshaushalt ist stark belastet. Die Kriegsführung in der Ukraine verschlingt enorme Mittel, zugleich drücken westliche Sanktionen auf Einnahmen und Wachstum. In der "Financial Times" warnt der Chef des schwedischen Militärgeheimdienstes, Thomas Nilsson, nun vor tiefgreifenden strukturellen Problemen. Demnach müssten die Preise für Urals, Russlands wichtigste Rohölsorte, ein Jahr lang über 100 Dollar pro Barrel liegen, um das Haushaltsdefizit auszugleichen – und noch länger, um weitere wirtschaftliche Schwächen aufzufangen.
Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt eingeräumt, dass die Entwicklung hinter den Erwartungen zurückbleibt. Zuvor hatte er wirtschaftliche Schwierigkeiten lange heruntergespielt. Offizielle Daten aus Moskau zeigen bereits eine angespannte Lage. Nilsson zufolge ist die Realität jedoch noch ernster: Die russische Zentralbank schöne etwa Inflationszahlen, um die Situation stabiler erscheinen zu lassen, als sie ist.
"Kein nachhaltiges Wachstumsmodell"
Nilsson spricht von einem "systemischen Problem". Gegenüber der "Financial Times" sagte er: "Es ist kein nachhaltiges Wachstumsmodell, Material für den Krieg zu produzieren, das dann auf dem Schlachtfeld zerstört wird." Die russische Wirtschaft profitiere kurzfristig von der Rüstungsproduktion, langfristig fehle jedoch produktive Investition in andere Bereiche.
Außerhalb der Drohnenindustrie sei der militärisch-industrielle Komplex des Landes wenig effizient, so Nilsson. Er beschreibt den Sektor als verlustreich, von Korruption und Veruntreuung geprägt und stark abhängig von Krediten staatlicher Banken. Diese Struktur mache Russland verwundbar, sobald die Erlöse aus Öl und Gas nachlassen oder weitere Sanktionen greifen.
Auch in den News:
Manipulierte Daten, wachsende Risiken
Laut Nilsson verfügt Schweden über Geheimdienstinformationen, wonach Russland seine Wirtschaftsstatistiken systematisch manipuliert. Ziel sei es, westliche Unterstützerstaaten der Ukraine glauben zu lassen, die russische Wirtschaft halte dem Druck stand. Damit solle der Eindruck entstehen, Sanktionen wirkten nicht wie erhofft und Moskau könne den Krieg langfristig finanzieren.
Nilsson fasst die Perspektive drastisch zusammen: "Die russische Wirtschaft kann nur eines von zwei Szenarien durchlaufen: langfristigen Niedergang oder einen Schock." In beiden Fällen, so der Geheimdienstchef, werde Russland "weiter in einer Abwärtsspirale in Richtung einer finanziellen Katastrophe gleiten".
Europa könnte Druck weiter erhöhen
Auch politisch wird über die Wirkung der Sanktionen diskutiert. Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergard erklärte gegenüber der "Financial Times", Europa schöpfe seine Möglichkeiten noch nicht aus. "Europa tut noch nicht alles, was es kann, um der russischen Wirtschaft zu schaden", sagte sie. Weitere Maßnahmen gegen Einnahmequellen Russlands und gegen die Umgehung bestehender Sanktionen werden daher in der EU weiter debattiert.
Wie schnell sich die Lage zuspitzt, hängt aus Sicht von Expert:innen stark von den Rohstoffpreisen ab. Sollte der Ölpreis wieder sinken, könnten die Finanzierungsprobleme des Kremls nach Einschätzung Nilssons rasch zunehmen. Damit wächst auch der Druck auf Putin, zusätzliche Mittel einzuwerben – etwa durch Sonderabgaben, höhere Steuern oder Zwangsbeiträge von Oligarch:innen, wie es bereits in früheren Berichten über den russischen Staatshaushalt thematisiert wurde.
Verwendete Quellen:
Financial Times: "Russian economy is faltering despite oil windfall, Sweden warns"
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