Textilunternehmen

So führt Bonita Grupp Trigema weiter - Wolfgang Grupps Tochter öffnet ihren Kalender

Veröffentlicht:

von Nadine von Parseval

Seit 2024 führt Bonita Grupp gemeinsam mit ihrem Bruder Wolfgang das Familienunternehmen. (Archivbild)

Bild: Philipp von Ditfurth/dpa


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Mit der Übergabe der Geschäftsführung an Bonita Grupp und ihren Bruder begann bei Trigema eine neue Ära. Während Vater Wolfgang Grupp jahrzehntelang das Unternehmen prägte, setzt die 36-Jährige auf digitale Organisation, flache Hierarchien und Transparenz. Doch wie viel Tradition steckt noch im neuen Führungsstil?

Das Wichtigste in Kürze

  • 2024 übernahm Bonita Grupp gemeinsam mit ihrem Bruder die Geschäftsführung des deutschen Textiluntermehmens Trigema.

  • Die 36-jährige Unternehmerin setzt auf digitale Kalender, flache Hierarchien und offene Kommunikation.

  • Familienwerte und persönliche Präsenz prägen weiterhin die Unternehmenskultur.

Bonita Grupp, führt gemeinsam mit ihrem Bruder Wolfgang Grupp jr. den traditionsreichen Textilhersteller Trigema W. Grupp KG. Anders noch als ihr Vater setzt sie auf moderne Strukturen, flache Hierarchien und transparente Kommunikation – und sitzt dafür selbst mitten im Großraumbüro. In einem Interview mit dem "Spiegel" erzählt sie, wie ihr Arbeitstag aussieht, wie sie ihren Kalender organisiert und welche Werte aus der Familie ihre Führungsrolle prägen. Effizienz, Teamgeist und Disziplin bestimmen nach ihren Aussagen nicht nur das Tagesgeschäft, sondern auch den Umgang mit Mitarbeiter:innen, Kolleg:innen und der eigenen Work-Life-Balance.

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Der Generationswechsel: Digitaler, transparenter, direkter

Mit dem Führungswechsel endete bei Trigema eine Ära. Jahrzehntelang hatte Wolfgang Grupp das Unternehmen geprägt. Seine Tochter organisiert sich heute anders: "Es gibt natürlich Generationenunterschiede: Ich arbeite mit einem Outlook-Kalender. Meinem Vater hat das Sekretariat wöchentlich die Termine ausgedruckt", erzählt die 36-Jährige.

Doch es geht um mehr als digitale Tools. Bonita Grupp sitzt bewusst im Großraumbüro – ohne abgeschottete Chefetage. "Wir sind jederzeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichbar, per Telefon oder im Großraumbüro, in dem wir arbeiten. Für wichtige Anliegen schaffen wir im Kalender immer Platz."

Die Grupp-Geschwister Bonita und Wolfgang

Bonita und Wolfgang Grupp junior leiten gemeinsam die Firma Trigema. (Foto-Archiv)

Bild: Bernd Weißbrod/dpa


Für Bonita ist Nähe nach eigener Aussage ein Effizienzfaktor. "Unsere Hierarchien sind recht flach, die Kommunikationswege kurz. Wenn es in der Produktionsabteilung heißt, ein Produkt habe gerade Lieferschwierigkeiten, höre ich das und kann daraus für den Onlineverkauf sofort Konsequenzen ziehen. Das ist wahnsinnig effizient", betont sie im "Spiegel"-Interview.

Die enge Zusammenarbeit mit ihrem Bruder ist klar organisiert – und zugleich transparent. "Wir wissen immer, was der andere tut. Wir können unsere geschäftlichen Terminkalender einsehen und uns Termine einstellen – wie übrigens alle anderen Kolleginnen und Kollegen in der Zentrale auch." Die Offenheit soll Abstimmungen vereinfachen und Doppelarbeit vermeiden. Gleichzeitig räumt sie ein: "Jedoch muss ich gestehen, dass mein Bruder eine sehr strukturierte Arbeitsweise hat und des Öfteren auch mich dankenswerterweise mitorganisiert."


Wenn Mittagessen zum Management-Meeting wird

Das riesige Privatanwesen der Grupps liegt direkt gegenüber der Zentrale in Burladingen (Zollernalbkreis). "Wir essen oft gemeinsam mit unseren Eltern zu Mittag, dann sprechen wir natürlich auch über die Firma. Wir haben aber auch immer dienstags einen Jour fixe zusammen mit unserer Mutter, um uns über Managementthemen auszutauschen", gibt Bonita Grupp dem Magazin preis.

In einem Familienunternehmen verschwimmen Beruf und Privatleben schnell. Bonita Grupp versucht dennoch, klare Grenzen zu ziehen. Den Laptop nimmt sie ungern mit nach Hause. Am Wochenende fährt sie sogar extra ins Büro, um Mails zu verschicken. 

Am Wochenende fahre ich lieber vormittags noch mal ins Büro und versende von dort Mails an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sie dann aber natürlich nicht sofort beantworten müssen.

Bonita Grupp

Mit der Mutter hinter der Kasse

Die Familie prägt Grupps Arbeitsmoral stark. "Wir sind uns für nichts zu schade. Ich habe schon früher an Wochenenden in unseren Direktverkaufsgeschäften geholfen und mit meiner Mutter hinter der Kasse gestanden", erzählt sie. Auch heute unterstützt sie in stressigen Phasen die Logistik oder andere Bereiche.

Neben der Arbeit im Unternehmen engagiert sich die Unternehmerin politisch als CDU-Mitglied im Kreistag des Zollernalbkreises. "Mir ist diese Arbeit sehr wichtig, weil ich finde, dass man nicht nur über die Politik nörgeln darf, sondern selbst aktiv werden muss", so Grupp.

Bonita und ihr Bruder Wolfgang Grupp junior führen das Familienunternehmen seit einigen Jahren. Sie leitet die Bereiche Onlinehandel, Marketing und Personal. Der Bruder verantwortet Geschäftskunden, IT-Projekte, die Produktion und Finanzen.

Der frühere Trigema-Chef hatte Mitte des vergangenen Jahres einen Suizid-Versuch öffentlich gemacht. Er habe sich Gedanken darüber gemacht, ob er überhaupt noch gebraucht werde.

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Bonita Grupp zwischen Arbeit und Erholung

Trotz der vielen Arbeit schafft sich die Unternehmerin Raum für einen Ausgleich. Beim Backen von Macarons findet sie Ruhe: "Ich liebe Macarons. Aber wenn die gelingen sollen, braucht es Liebe und Disziplin, man muss ganz penibel arbeiten – sowohl bei den Zutaten als auch bei der Backzeit. Ich kann beim Backen wunderbar entspannen. Ich stelle mich auch spätabends noch an den Backofen und höre dabei Musik", verrät sie in dem Interview.

Grupp reflektiert über gutes Zeitmanagement: "Ich finde es wichtig, dass man nicht zum Spielball seines eigenen Kalenders wird. Man sollte es schaffen, die Themen, die einem wichtig sind, voranzutreiben und danach auch seine Termine zu strukturieren, sie gegebenenfalls abzusagen." Auf die abschließende Frage, in wessen Kalender sie einmal gern schauen würde, antwortet Grupp: "Ich glaube, dass Nicola Leibinger-Kammüller, die Vorstandsvorsitzende des Maschinenbauers Trumpf, das sehr gut kann. In ihren Kalender würde ich daher gern mal einen Blick werfen."


Verwendete Quellen:

Spiegel: "Wir essen oft gemeinsam mit unseren Eltern zu Mittag"

Nachrichtenagentur dpa

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