Spielwaren
Ende einer Ära: Playmobil stoppt Produktion in Deutschland
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Playmobil schließt Werk in Bayern (5. Februar)
Videoclip • 01:22 Min • Ab 12
Nach über 50 Jahren ist Schluss: Die Produktion der Playmobil-Figuren wird ins Ausland verlagert. Rund 350 Beschäftigte verlieren ihre Jobs.
Das Wichtigste in Kürze
Nach mehr als 50 Jahren endet in Deutschland die Produktion der kultigen Playmobil-Figuren auf deutschem Boden.
Ein dramatischer Umsatzeinbruch und hohe Produktionskosten zwingen die Horst Brandstätter Group zur Verlagerung der Fertigung.
Während rund 350 Beschäftigte im fränkischen Werk Dietenhofen ihre Jobs verlieren, bleiben Verwaltung und Entwicklung dem Standort Deutschland erhalten.
Die Maschinen stehen still, die Bänder sind gestoppt: Eine Woche vor dem offiziellen Schlusstermin hat der Spielwarenhersteller Horst Brandstätter Group die verbliebenen Mitarbeiter:innen im mittelfränkischen Werk Dietenhofen gegen Bezahlung freigestellt.
Damit endet nach mehr als einem halben Jahrhundert die Fertigung der weltweit bekannten Playmobil-Figuren auf deutschem Boden – ein Kapitel Industriegeschichte geht zu Ende.
Die Entscheidung trifft die Region hart. Seit den 1970er-Jahren wurden in Dietenhofen die charakteristischen Spielfiguren mit dem unverwechselbaren Lächeln hergestellt. Nun wandert die komplette Produktion aus Kostengründen in die Werke nach Malta und Tschechien ab. Für die rund 350 betroffenen Mitarbeiter:innen bedeutet dies das berufliche Aus an einem Standort, dem viele über Jahrzehnte die Treue gehalten haben.
Dramatischer Umsatzeinbruch zwingt zum Handeln
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Geschäftsjahr 2024/2025 sackte der Umsatz auf 409 Millionen Euro ab – ein dramatischer Rückgang gegenüber den 760 Millionen Euro aus dem Jahr 2020/21. Das Unternehmen schreibt weiterhin rote Zahlen und sieht sich durch massiv gestiegene Lohn- und Energiekosten in Deutschland unter Druck gesetzt.
Die Belegschaft erfuhr von ihrem Schicksal auf denkbar ungünstige Weise. Noch Ende Januar hatte Playmobil-Vorstand Bahri Kurter auf der Nürnberger Spielwarenmesse von positiven Signalen und einer möglichen Trendwende gesprochen. Nur eine Woche später folgte der Schock: Die Produktion wird verlagert.
Auch in den News:
Zwischen Wut und Resignation
Die Reaktionen der Betroffenen schwanken zwischen Fassungslosigkeit und Enttäuschung. Betriebsratsvorsitzender Michael Ulbrich bringt die Stimmung auf den Punkt: Die Nachricht sei eine Katastrophe gewesen, für viele sei eine Welt zusammengebrochen. Die Gewerkschaft IGBCE organisierte zuvor Proteste und kritisierte nicht nur die Schließung selbst, sondern auch den Umgang mit den langjährigen Mitarbeiter:innen.
Immerhin konnte ein Sozialplan ausgehandelt werden. Dieser umfasst eine Transfergesellschaft sowie Abfindungen für die Beschäftigten. Produktentwicklung, Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Logistik bleiben dem Unternehmen zufolge in Deutschland erhalten. Auch die Fertigung der Lechuza-Pflanzgefäße soll in Dietenhofen weiterlaufen.
Das Unternehmen betont, trotz der Produktionsverlagerung als traditionsreicher Spielzeughersteller in Deutschland verwurzelt zu bleiben. Ob diese Zusage die betroffenen Familien trösten kann, bleibt fraglich. Mit dem 30. Juni endet offiziell ein Stück deutscher Industriegeschichte – die Ära der "Made in Germany"-Playmobil-Figuren ist Geschichte.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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