Weltweite Gefahr
Experte zur PHP-Sicherheitslücke: Wird wohl "nie eintreten, dass alle Systeme bereinigt sind"
Aktualisiert:
von Valentin Kronberger:newstime
Weltweite Sicherheitslücke im Internet
Videoclip • 30 Sek • Ab 12
Eine massive Schwachstelle bedroht das Internet weltweit. Der Schaden der Angreifer ist nicht so groß wie angenommen, sagt ein IT-Experte. Was du jetzt wissen musst.
Das Wichtigste in Kürze
Eine kritische Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP bedroht weltweit das Internet.
In einigen deutschen Bundesländern blieben wichtige Internetseiten eingeschränkt.
Verbraucher:innen sind nur indirekt von der Schwachstelle betroffen.
Eine gigantische Sicherheitslücke legte große Teile des Internets lahm – zahlreiche Internetseiten waren am Donnerstag (22. Oktober) in Deutschland betroffen. Weltweit habe es "Millionen" Hackerangriffe auf die Schwachstelle gegeben, sagte der Chef des IT-Unternehmens Cloudflare, Matthew Prince.
Schuld ist eine kritische Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP – auf der enorme Teile des gesamten Internets laufen. Dazu zählen einfache Blogs über große Nachrichtenportale bis hin zu komplexen Onlineshops.
Hacker bisher wenig erfolgreich
An der Bedrohungslage habe sich vieles getan, sagte IT-Experte Christopher Kunz im Interview mit :newstime. Viele Webseiten hätten schnell Updates eingespielt und den Hackern sei es nicht gelungen, die Sicherheitslücken massenhaft auszunutzen. "Wir sehen zwar Millionen Angriffe, aber Erfolg für die Angreifer sehen wir in der Größenordnung noch nicht", sagte Kunz.
Auch in den News:
Sicherheitsupdates müssen dringend installiert werden
Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät in einer Cybersicherheitswarnung, auf den Seiten schnellstmöglich Sicherheitsupdates installieren zu lassen. "Systeme, für die aktuell noch kein Sicherheitsupdate eingespielt werden konnte, dürfen unter keinen Umständen weiter am Netz bleiben", sagte der IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer.
Von den Schwachstellen geht ein gewaltiges Bedrohungspotenzial aus. "Jede ungeschützte PHP-Anwendung ist in diesem Moment eine offene Tür für Kriminelle."
Sicherheitslücke durch KI noch gefährlicher
Bei der Ausnutzung dieser Sicherheitslücken spielte Künstliche Intelligenz laut IT-Experten Kunz eine große Rolle: Die Schwachstellen seien wahrscheinlich schon sehr lange in der Programmiersprache versteckt und bis jetzt nicht von Menschen gefunden worden. "KI kann das sehr effizient und natürlich sehr ressourcenschonend, das heißt, es muss nicht ein Mensch Millionen Zeilen Programmcode durchforsten", sagte Kunz gegenüber :newstime.
KI werde laut dem Experten weiterhin genutzt werden, um Sicherheitslücken in Programmen zu finden. "Das wird sicherlich erst mal eine Weile so bleiben, bis dann alle alten Lücken gefunden und beseitigt sind."
US-Geheimdienst warnt
Auch die Cyber-Abteilung des US-Geheimdienstes NSA hatte auf der Plattform X eindringlich vor der Schwachstelle gewarnt. Alle Organisationen, die PHP für ihre Systeme nutzen, sollten umgehend die Sicherheitslücken mit Updates schließen – oder ihre Internetseiten offline nehmen.
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In diesen Bundesländern sind Seiten wieder online
Mehrere Bundesländer, Kommunen, Behörden, Universitäten und Krankenhäuser nahmen ihre Webseiten vorübergehend vom Netz, um sich vorsorglich gegen einen Hackerangriff zu schützen. Am Donnerstagmorgen waren manche Angebote bereits wieder online – darunter viele Webseiten in Rheinland-Pfalz und im Saarland. In Thüringen gingen einige Seiten schon am Mittwochabend (21. Oktober) wieder ans Netz.
Hier dauerte die Störung länger an
In anderen Bundesländern dauerte die Störung hingegen länger an: In Baden-Württemberg gab es am Donnerstagmorgen noch Wartungsarbeiten. "Die Maßnahme dient dem vorsorglichen Schutz der Infrastruktur, bis die Entwickler die erforderlichen Sicherheitsupdates bereitstellen", teilte das Staatsministerium mit.
Auch in Nordrhein-Westfalen waren einige wichtige Webseiten am Morgen nicht erreichbar. Online-Services der Polizei in NRW befanden sich jedoch bereits früher am Netz. Von Einschränkungen war auch die Hauptstadt betroffen: Das Portal "berlin.de" sowie einige Krankenhäuser in der Region und Universitäten gingen inzwischen schrittweise wieder online.
Sicherheitslücke nie vollständig geschlossen
Wie lange es dauert, bis alle Systeme sauber sind, sei nach Einschätzung von IT-Experte Kunz schwer zu sagen. "Ich vermute persönlich, dass es nie eintreten wird, dass alle Systeme bereinigt sind", sagte er :newstime. Viele Webserver würden im Hintergrund vergessen und nicht aktualisiert werden.
Was bedeutet das für dich als Nutzer:in?
Wer gerade am Smartphone oder PC surft, muss zunächst nicht aktiv werden – die Sicherheitslücke sitzt nicht auf den Endgeräten der Nutzer:innen, sondern auf den Servern im Hintergrund.
Dennoch können Verbraucher:innen indirekt betroffen sein: Wer eine Webseite besucht, die nicht rechtzeitig abgesichert wurde, riskiert unter Umständen, dass dort gespeicherte persönliche Daten abgegriffen wurden. Hinzu kommen vorübergehende Ausfälle von Onlinediensten, wie die aktuellen Abschaltungen bereits zeigen.
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Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
X: NSACyber
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