Porträt

Michael Otto: Der Visionär hinter der Otto Group

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von Claudia Frickel

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Deconstructed Otto: Vom Katalog-Versand zum Online-Riesen

Videoclip • 20:18 Min • Ab 12


Michael Otto verwandelte den Kataloghändler Otto in einen globalen E‑Commerce‑Konzern – und verankerte Nachhaltigkeit, lange bevor sie zum Trend wurde. Ein Porträt des Hamburger Unternehmers.

Das Wichtigste in Kürze

  • Michael Otto ist ein deutscher Unternehmer, der den Otto-Konzern jahrzehntelang prägte.

  • Er modernisierte den Otto‑Versand grundlegend und machte ihn international wettbewerbsfähig.

  • Der heute 83-Jährige gilt auch als Pionier beim Umweltschutz in Unternehmen.

Steckbrief

  • Name: Michael Otto

  • Geburtsdatum: 12. April 1943

  • Beruf: Unternehmer (Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats von Otto)

  • Ausbildung: Banklehre, Studium der Volkswirtschaft mit Promotion in München und Hamburg

  • Geburtsort: Kulm, Westpreußen (heute Chelmno in Polen)

  • Wohnort: Hamburg

  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Michael Otto zählt zu den bekanntesten Unternehmern Deutschlands. Der 1943 geborene Hamburger prägte die Entwicklung des Otto-Versands maßgeblich: Er machte aus dem traditionsreichen Versandhändler einen international tätigen Handels- und Dienstleistungskonzern. 26 Jahre lang stand er an der Spitze der Otto Group, anschließend bestimmte er als Aufsichtsratsvorsitzender über ihre strategische Ausrichtung mit.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1949 zurück, als Werner Otto den Versandhandel gründete. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte die heutige Otto Group, einer der größten Handels- und E‑Commerce‑Konzerne Europas. Zum Unternehmen gehören mehr als 30 Handels‑, Service‑ und Logistikfirmen, darunter "Otto.de", Hermes, Bonprix und Manufactum.

Die Otto Group erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025/26 einen Umsatz von 13,8 Milliarden Euro. Das Unternehmen beschäftigt knapp 35.000 Mitarbeiter:innen weltweit.

Neben seinem unternehmerischen Erfolg ist Michael Otto auch für sein gesellschaftliches Engagement bekannt. Er unterstützt zahlreiche Projekte in den Bereichen Umwelt-, Klima- und Naturschutz. Laut "Forbes"-Milliardärsliste zählt er zu den 25 reichsten Deutschen.

Michael Otto prägte Otto 26 Jahre lang als Vorstandschef.

Bild: picture alliance/dpa/Georg Wendt


Die Geschichte des Otto-Versands: Wie alles begann

Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte Werner Otto nach einer Geschäftsidee mit geringem Kapitalbedarf. Mit seiner Familie war er als mittelloser Flüchtling nach Hamburg gekommen und musste dort eine neue Existenz aufbauen.

Ein Schuhgeschäft wie in seiner Heimat wollte er nicht eröffnen, denn dazu hätte er eine teure Ladenfläche benötigt. Mit nur drei Mitarbeiter:innen und 6.000 Mark Startkapital gründete er deshalb einen Versandhandel.

1950 erschien der erste Katalog, ein handgebundenes Heft mit 14 Seiten und einer Auflage von 300 Stück, in dem Otto zunächst Schuhe anbot. Die Kund:innen bestellten per Post und bekamen die Artikel anschließend nach Hause geschickt. In der Nachkriegszeit war das Warenangebot oft knapp – ein Versandhandel bot daher erstmals Zugang zu einer größeren Auswahl. Das Konzept erwies sich als sehr erfolgreich.

1951 umfasste das Sortiment zusätzlich Textilien wie Hosen und Mäntel. Bis 1953 war die Auflage des Katalogs rasant gestiegen – sie lag bereits bei 37.000 Exemplaren. Mit 150 Mitarbeiter:innen setzte Otto fünf Millionen DM pro Jahr um. 1955 hatte sich der Jahresumsatz mehr als vervierfacht und lag bei 28 Millionen DM. Ende der 1950er-Jahre gehörte das Unternehmen zu den größten in Deutschland.

1960 zog der Otto-Versand von Hamburg-Damm nach Hamburg-Bramfeld, wo sich noch heute der Firmensitz befindet. Anfang der 1960er-Jahre verschickte Otto 10.000 Pakete pro Tag. Wenige später eröffnete das Unternehmen eigene Callcenter: Kund:innen konnten Waren seitdem unkompliziert per Telefon bestellen.

Otto baute zudem mehrere Firmen auf, die das Geschäft stärkten und den Kundenservice steigerten: 1969 wurde die Hanseatic Bank gegründet, die Kund:innen bei der Finanzierung ihrer Einkäufe unterstützte. Mit dem Hermes-Versand baute Otto 1972 einen eigenen Paketdienst auf.

1966 zog sich Werner Otto nach einem Herzinfarkt aus dem operativen Geschäft zurück und wechselte in den Aufsichtsrat. Die Geschäftsleitung übernahm der externe Manager Günter Nawrath – bis 1981 Werner Ottos Sohn Michael ans Ruder kam.

Die Otto-Kataloge erschienen 68 Jahre lang – von 1950 bis 2018.

Bild: dpa


Michael Otto: Vom Erben zum Konzernlenker

Michael Otto wurde am 12. April 1943 in Kulm geboren, das heute zu Polen gehört. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog die Familie nach Hamburg. Als Michael sechs Jahre alt war, gründete sein Vater den "Werner Otto Versandhandel".

Die neue Firma war im Leben des Kindes stets präsent. Gegenüber dem "Handelsblatt" beschreibt Michael Otto das später so:

Ich bin mit dem Unternehmen meines Vaters aufgewachsen, habe dort auch gejobbt, beispielsweise im Auslieferungslager.

Michael Otto

Der Vater wollte, dass sein Sohn die Firma übernimmt – doch der hatte zunächst Zweifel. Er dachte über ein Medizinstudium nach, entschied sich dann aber für eine Banklehre bei Merck Finck & Co in München. Anschließend absolvierte er ein Studium der Volkswirtschaftslehre in München und Hamburg und schloss es mit einer Promotion ab. Dann arbeitete er als selbstständiger Immobilienmakler in München.

1971 folgte dann doch der Einstieg in die väterliche Firma – als Vorstand im Bereich Textileinkauf. Der 28-Jährige war damit das jüngste Vorstandsmitglied eines Unternehmens in Deutschland. Ab dieser Zeit begann Otto auch, Konkurrenten zu übernehmen, beispielsweise Heine, Schwab und später Witt.

1981 wurde Michael Otto Vorstandsvorsitzender der Otto Group. Unter seiner Regie wuchs das Unternehmen stark. Es expandierte ins Ausland – zunächst in Europa, später auch in die USA, Japan, Russland und China.

Zudem entwickelte Otto den Konzern von einem klassischen Versandhändler zu einer breit aufgestellten Handels- und Dienstleistungsgruppe. Diese baute ihre Aktivitäten bei Logistik, Finanzdienstleistungen und Spezialhandel aus. In Michael Ottos Amtszeit vervielfachten sich der Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter:innen.

Michael Otto der Digitalpionier: Früher Fokus auf Internet & E‑Commerce

Als Unternehmer traf Michael Otto einige visionäre Entscheidungen – etwa für einen frühen Einstieg in den E‑Commerce. Schon Mitte der 1990er‑Jahre gab es eine Otto‑Webseite, in einer Zeit, als erst wenige hunderttausend Menschen in Deutschland online waren. 1995 gehörte "Otto.de" zu den ersten großen deutschen Online‑Shops – ein Schritt, der den Konzern frühzeitig auf Digitalisierungskurs brachte.

Michael Otto erkannte zudem früher als viele Wettbewerber, dass der gedruckte Katalog langfristig auslaufen würde. Er investierte deshalb massiv in IT‑Infrastruktur, Datenanalyse und den Aufbau digitaler Kompetenzen. Die frühe Digitalstrategie der Otto Group ermöglichte später die Entwicklung der Modeplattform About You, die inzwischen nicht mehr zu Otto gehört, und des Online-Marktplatzes Otto Market.

Der Erfolg gab ihm recht. Der Deutschen Welle sagte Otto später:

Viele Konkurrenten, die zu spät auf das Internet gesetzt haben, gibt es heute nicht mehr.

Michael Otto

2018 erschien der letzte große Otto‑Katalog – ein symbolischer Schritt, der die Transformation vom klassischen Versandhändler zum E‑Commerce‑Konzern markierte.

Michael Otto: Pionier bei Umweltschutz als Unternehmensziel

Wegweisend war auch, dass Michael Otto bereits in den 1980er‑Jahren stark auf Nachhaltigkeit setzte. 1986 erklärte er Umweltschutz zum offiziellen Unternehmensziel. Im selben Jahr gründete er zudem die "Michael Otto Stiftung für Umweltschutz", die bis heute Projekte bei Natur‑, Klima‑ und Ressourcenschutz fördert.

Otto gehörte damit zu den ersten deutschen Unternehmern, die Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie verankerten. Pelze und schädliche Lacke wurden aus dem Sortiment gestrichen, schadstoffgeprüfte Textilien aufgenommen. Waren wurden zunehmend per Schiff statt per Flugzeug transportiert – ein früher Schritt hin zu einer klimafreundlicheren Logistik.

2008 verpflichtete sich Otto, die CO₂-Emissionen bis 2020 zu halbieren – und erreichte das Ziel nach eigenen Angaben auch.

Darüber hinaus setzte sich Otto für faire Lieferketten und umweltverträgliche Produktion ein. Der Unternehmer gilt als einer der Vordenker der Corporate Social Responsibility (CSR) in Deutschland.

Benjamin Otto (links) und sein Vater Michael Otto.

Bild: Ursula Düren/dpa


Michael Otto heute: Vermögen, Einfluss und gesellschaftliches Engagement

Auch nach seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft spielt Michael Otto weiterhin eine wichtige Rolle in der deutschen Wirtschaft. Nachdem er 2007 den Vorstandsvorsitz der Otto Group abgegeben hatte, wechselte er an die Spitze des Aufsichtsrats. Dort prägte er weiterhin die strategische Ausrichtung des Familienunternehmens. 2025 wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats ernannt.

Michael Ottos Vermögen wird von "Forbes" auf 6,8 Milliarden US-Dollar geschätzt, das sind umgerechnet knapp sechs Milliarden Euro (Stand: 10. Juni 2026). Damit gehört er zu den reichsten Deutschen.

Einen großen Teil seines Einflusses übt Otto über seine Stiftungen aus: Die "Michael Otto Stiftung für Umweltschutz" und weitere Initiativen fördern Projekte in den Bereichen Klima, Biodiversität, Bildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Mit seinem Engagement gilt Otto heute als eine der wichtigsten Stimmen für nachhaltiges Wirtschaften und verantwortungsvolle Unternehmensführung in Deutschland.


Die Familie Otto und wem die Gruppe heute gehört

Die Otto Group ist bis heute fest in Familienhand. Firmengründer Werner Otto hatte fünf Kinder aus drei Ehen. Direkt im Unternehmen tätig ist heute keiner von ihnen.

Michael Ottos Schwester Ingvild Eva Regina Goetz ist eine Kunstsammlerin. Seine Halbgeschwister sind der Medienunternehmer Frank Otto, die Filmemacherin Katharina Otto-Bernstein und Alexander Otto, CEO der ECE Group GmbH.

Michael Otto lebt mit seiner Frau Christl in Hamburg und hat zwei Kinder: Janina und Benjamin.

Sohn Benjamin Otto stieg 2015 ins Unternehmen ein und übernahm im Februar 2026 den Vorsitz des Stiftungs‑ und Gesellschafterrats – damit führt er heute die strategische Ausrichtung des Konzerns.

Die Mehrheit der Anteile an der Otto Group liegt seit 2015 in der gemeinwohlorientierten "Michael Otto Stiftung", in die Michael Otto seine Gesellschaftsanteile einbrachte. Die Stiftung ist Mehrheitseigentümerin der Gruppe; ihre Ausschüttungen fließen in gemeinwohlorientierte Projekte. Die Otto Group bleibt damit vollständig in Familienhand.

2025 wurde mit Petra Scharner-Wolff erstmals eine Frau CEO der Otto Group.

Weitere Themen:

Diese Unternehmen gehören zur Otto Group

Die folgende Auswahl zeigt die bekanntesten Marken der Gruppe; insgesamt umfasst die Otto Group rund 30 Unternehmen und Beteiligungen.

  • Otto.de

  • Bonprix

  • Witt-Gruppe

  • Heine

  • Sheego

  • Küche & Co

  • Crate & Barrel

  • Baur-Gruppe

  • Frankonia

  • Lascana

  • Limango

  • Manufactum

  • Hermes Versand

  • Hermes Einrichtungs Service

  • Hanseatic Bank

  • EOS Gruppe

FAQ: Michael Otto

Das Versandhaus Otto gehört weiterhin der Unternehmerfamilie Otto. Die Mehrheit der Anteile hält die Michael-Otto-Stiftung. Benjamin Otto übernahm 2026 die strategische Führung mit dem Vorsitz des Gesellschafterrats sowie des Stiftungsrats.

Der Unternehmer Michael Otto hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter: Benjamin Otto und Janina Özen-Otto.

Die Otto Group ist ein deutsches Einzelhandelsunternehmen mit Sitz in Hamburg. Sie betreibt weltweit verschiedene Unternehmen in den Bereichen Einzel- und Versandhandel, E-Commerce, Finanzierung und Logistik.


Verwendete Quellen:

Unternehmensseite der Otto Group

Handelsblatt: "Warum Michael Otto Unternehmer und nicht Arzt wurde"

NDR: "Otto Versand: Wie ein Schuhhändler zum Online-Konzern wurde"

Deutsche Welle: "Otto-Versand - der letzte seiner Art"

Capital: "So wurde die Otto Group zum internationalen Player"

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