Gastronomie

Mehrwertsteuer gesenkt: Warum das Schnitzel im Wirtshaus trotzdem nicht günstiger wird

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von Joachim Vonderthann

Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen hilft zwar der Gastronomie – bei den Gästen kommt aber kaum etwas an.

Bild: Christian Bruna/epa/dpa


Kritiker:innen hatten gewarnt: Die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wurde zu Jahresbeginn gesenkt, doch die erhofften Preissenkungen bleiben aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zeigt kaum Wirkung auf die Preise in der Gastronomie.

  • Gastronom:innen nutzen die Entlastung vor allem, um gestiegene Kosten auszugleichen.

  • Darum sind Gäste davon aber nicht einmal überrascht.

Die zum Jahreswechsel eingeführte Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie von 19 auf 7 Prozent zeigt bislang kaum Wirkung auf die Preise. Dies ergab eine Auswertung des Beratungsunternehmens Meoton, das mehr als 200.000 Preise von über 30.000 Gastronomiebetrieben analysierte. Obwohl die Maßnahme eigentlich für günstigere Preise sorgen sollte, bleibt eine flächendeckende Entlastung der Verbraucher:innen aus, wie "Business Insider" unter Berufung auf die Studie berichtet.

Laut Meoton sind die Preise in den untersuchten Betrieben im Durchschnitt sogar leicht gestiegen: um 0,1 Prozent bei Speisen und 0,2 Prozent bei Getränken. Christian Haese, Mitgründer von Meoton, erklärt: "Viele Gastronomen nutzen die Entlastung offenbar, um gestiegene Kosten aufzufangen und um kurzfristig weitere Preiserhöhungen zu vermeiden." Die Mehrwertsteuersenkung stabilisiert also eher die Preise, als dass sie zu einer Senkung führt.

Steuern runter - Preise teils sogar rauf

Die Gastronom:innen begründen die ausbleibenden Verblligungen mit erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sind die Kosten für Lebensmittel und Energie seit 2022 um etwa 30 Prozent gestiegen, während die Personalkosten um mehr als 40 Prozent zugenommen haben. Auch die Erhöhung des Mindestlohns auf 13,90 Euro verschärft die Situation. "Preissenkungen sind keine Frage des Wollens, sondern des Könnens", betont der Dehoga dem Bericht zufolge.

Insbesondere in klassischen Restaurants machen Personal- und Warenkosten mehr als 70 Prozent des Umsatzes aus. Verbandspräsident Guido Zöllick sieht in der Steuersenkung daher eine notwendige Unterstützung für Investitionen und den Erhalt von Arbeitsplätzen: "Damit werden Existenzen und Arbeitsplätze gesichert." Zudem verweist der Verband auf die Bedeutung der Gastronomie für lokale Wirtschaftskreisläufe, von denen auch Landwirte, Brauereien und Zulieferer profitierten.

Steuergeschenk für McDonald's?

Die vor allem auf Betreiben der CSU von der schwarz-roten Koalition beschlossene Mehrwertsteuersenkung steht aber nicht nur wegen der ausbleibenden Senkung der Preise weiter in der Kritik. Finanzwissenschaftler Friedrich Heinemann vom Wirtschaftsinstitut ZEW bemängelte: "Die dauerhafte Senkung der Gastro-Mehrwertsteuer ist eine Niederlage der steuerpolitischen Vernunft." Sie bevorzuge eine Branche ungerechtfertigt, koste den Staat rund vier Milliarden Euro jährlich und komme vor allem wohlhabenden Haushalten zugute.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch, die zuletzt auch die EU scharf kritisierte, spricht von einem "Steuergeschenk für große Fast-Food-Konzerne". Allerdings hat Branchenprimus McDonald’s seine Preise laut Business Insider tatsächlich teils gesenkt. Für einige Menüs, darunter das Big Mac Menü und das Happy Meal, empfiehlt der Gastronomie-Konzern seinen Franchisenehmer:innen Preisreduktionen von bis zu 15 Prozent. Der Großteil der Speisekarte bleibt jedoch unverändert.

Gäste hatten ohnehin kaum Hoffnung

Unter den Verbraucher:innen scheint die Steuersenkung aber ohnehin kaum Erwartungen geweckt zu haben. Laut einer Umfrage des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM) von Mitte Januar rechneten lediglich 13 Prozent der Befragten mit sinkenden Preisen. Gleichzeitig glaubten 41 Prozent, dass die Maßnahme zumindest dabei hilft, Preiserhöhungen zu verhindern. Studienleiterin Katharina Gangl fasste es so zusammen: "Die Befragung zeichnet ein insgesamt nüchtern-positives Bild der Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie."


Verwendete Quellen:

Business Insider: "Gebrochenes Versprechen der Gastronomie? Darum wird es im Restaurant nicht billiger, obwohl die Mehrwertsteuer gesunken ist"

Nachrichtenagentur dpa

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