Nach Insolvenz
Galeria in Gefahr? Diese Anzeichen deuten auf eine erneute Krise des Warenhauses hin
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Insolvenz: Was bedeutet das für Unternehmen?
Videoclip • 01:15 Min • Ab 12
Vor zwei Jahren hatte Galeria Insolvenz anmelden müssen, danach wollte das Unternehmen einen Neustart versuchen. Mehrere Anzeichen deuten nun auf erneute finanzielle Schwierigkeiten der Warenhauskette hin.
Das Wichtigste in Kürze
Unzählige Rabatte und ausbleibende Mietzahlungen deuten auf eine weitere Krise der Handelskette hin.
Ein Handelsexperte sieht eine vierte Pleite als "reale Gefahr". Zuletzt musste Galeria 2024 die Zahlungsunfähigkeit anmelden.
Auch Verdi fordert mehr Zusammenarbeit mit Beschäftigten sowie ein tragfähiges Zukunftskonzept.
Sonderangebotsaktionen, Rabatte, Prozente: Auf der Internetseite der Warenhauskette Galeria sind zahlreiche Deals zu finden. Erstmal nichts Ungewöhnliches. Doch laut eines Berichtes der "Immobilien Zeitung" steckt mehr dahinter, sie spricht von ausbleibenden Mietzahlungen und der Bitte um Zahlungsaufschiebung.
Die Hinweise verdichten sich – steht Galeria erneut vor einer Krise?
Auch in den News:
Mehrere Filialen melden unbezahlte Mieten
"Wir beobachten das mit Sorge. Bisherige Kontaktversuche sind ins Leere gelaufen. Es ist niemand erreichbar, sodass wir uns fragen, wie es jetzt weitergeht", berichtet ein Unternehmenssprecher der Deutschen Presse-Agentur (dpa) über die Galeria-Verkaufsstelle am Berliner Alexanderplatz, deren Immobilie Commerz Real gehört. Die Filiale zog aufgrund der bislang fehlenden April-Miete Aufmerksamkeit auf sich.
Ein weiteres Unternehmen bestätigte ebenfalls eine ausbleibende Miete für April. Berichten zufolge soll Galeria auch vereinzelt um eine Stundung gebeten haben.
Erneute Insolvenz laut Handelsexperte "eine reale Gefahr"
Auf Nachfrage teilte Galeria lediglich mit: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Fragen zu internen Vertragsdetails sowie zu laufenden Gesprächen und Verhandlungen nicht kommentieren."
Seit der letzten Insolvenz sieht Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE auch positive Entwicklungen: Gesunkene Mieten, Partnerschaften mit Lidl oder Decathlon sowie eine stärkere lokale Ausrichtung. "Doch ohne ausreichend Investitionskapital lässt sich ein Kaufhaus nicht transformieren – das rächt sich jetzt", so der Handelsexperte. Dem überdimensionierten Modell von Galeria fehle ein klares Profil. Wenn das so bleibt, sehe er eine vierte Insolvenz als "eine reale Gefahr".
Scheinbares Bergauf nach dritter Insolvenz
Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren hatte die Handelskette 2024 erneut Insolvenz anmelden müssen. Hohe Mietkosten und ein finanzieller Engpass des Mutterkonzerns Signa wurden Galeria zum Verhängnis.
Wider Erwarten von Branchenexpert:innen wurden nur neun der 92 Standorte geschlossen – weit weniger als angenommen. Vor allem die Frage nach einer neuen Inhaberschaft stand im Mittelpunkt: Wer hat die Finanzkraft, Galeria zu stabilisieren und zukunftsfähig zu machen?
Letztendlich ging die Kette in die Hände der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Diese wollten rund 100 Millionen Euro in einen Neustart von Galeria investieren. Bereits damals zweifelten Expert:innen daran, dass diese Summe ausreichen würde.
Die riesige Unternehmenszentrale in Essen wurde gegen eine deutlich kleinere in Düsseldorf eingetauscht. Auch die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden.
Im ersten Jahr nach der Insolvenz zeigte sich die Führung zufrieden. Seit über zehn Jahren sei ein Geschäftsjahr wieder operativ profitabel abgeschlossen worden, teilte das Unternehmen mit. Keiner der Standorte verzeichnet wirtschaftliche Verluste. "Das unterstreicht die Stabilität unseres neuen Geschäftsmodells und zeigt: Galeria funktioniert wieder aus eigener Kraft", sagte Geschäftsführer Christian Sailer.
Galeria drohen weitere Filialschließungen
Zum Jahresende sieht es anders aus: Wie die Zeitschrift "Textilwirtschaft" berichtet, habe sich die Geschäftslage bei Galeria verschlechtert, Umsatz und Gewinn seien eingebrochen. Eine Stellungnahme des Unternehmens blieb aus. Eine Sprecherin teilte lediglich mit, der Start in das neue Geschäftsjahr liege im Rahmen der Erwartungen. Das Unternehmen sei solide finanziert, der Gesamttrend positiv.
Im März 2026 dann erneut die Schlagzeilen: Die Mietverträge von acht Standorten sollten neu verhandelt werden, andernfalls drohten Filialschließungen. "Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen", teilt der Einzelhändler mit.
Betroffen sind Filialen in München (Rotkreuzplatz), Berlin (Kurfürstendamm, Hermannplatz), Köln (Hohe Straße, Breite Straße), Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg.
Experte bemängelt "schlechtes Management"
"Das war doch absehbar", kommentiert Handelsexperte Jörg Funder von der Hochschule Worms eine erneute Krise von Galeria. Aus den gescheiterten Sanierungen sei offenbar wenig gelernt worden, auch am Konzept habe sich kaum etwas verändert. "Schlechtes Management trifft hier auf ein schwieriges Konsumklima." Dennoch sieht der Professor für Unternehmensführung für 45 bis 50 Filialen eines zentralisierten Warenhauses weiterhin Potenzial im deutschen Markt.
Ein Sprecher der Wirtschaftsauskunftei Creditreform rät auf Nachfrage von Krediten für Galeria ab. Eine Geschäftsbindung gelte auch nach Aufhebung des letzten Insolvenzverfahrens 2024 als riskant. Creditreform sammelt Unternehmensdaten, etwa zur Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit. Der Bonitätsindex von Galeria liegt demnach bei 500, der schlechteste Wert ist 600.
Auch die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Führung von Galeria: "Seit mehr als zehn Jahren kämpfen die Beschäftigten nunmehr um ihre Arbeitsplätze und faire Löhne bei Galeria", so Vorstandsmitglied Silke Zimmer. Für Perspektive und neue Glaubwürdigkeit müsse ein tragfähiges Zukunftskonzept gemeinsam mit den Beschäftigten erarbeitet werden.
Dazu, wie ernst die Lage tatsächlich ist, äußerte sich das Unternehmen selbst bislang nicht.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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