Kriegsfolgen bemerkbar
Iran-Krieg verunsichert Märkte – Sprit, Heizöl, Börse, Gold im Auf und Ab
Veröffentlicht:
von Jacqueline Bittl:newstime
Gold- und Silberpreise im freien Fall
Videoclip • 01:13 Min • Ab 12
Tanken wird teurer, Aktien schwanken, selbst Gold verliert an Glanz: Der Krieg mit dem Iran belastet Märkte und Geldbeutel spürbar. Expert:innen warnen vor anhaltender Unsicherheit mit Folgen für alle.
Das Wichtigste in Kürze
Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben, lässt Sprit und Heizöl deutlich teurer werden und belastet Verbraucher:innen in Deutschland spürbar.
An den Börsen sorgen starke Kursschwankungen für Unsicherheit, während Ökonom:innen vor steigender Inflation und einer gebremsten Konjunktur warnen.
Ungewöhnlich für eine Krise verlieren Gold und Silber stark an Wert, unter anderem wegen steigender Zinserwartungen und eines starken US-Dollars.
Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs treffen Verbraucher:innen und Anleger:innen in Deutschland immer deutlicher. Der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, sprach von der größten Bedrohung für die globale Energiesicherheit. Diese Zuspitzung macht sich inzwischen an Tankstellen, Börsen und bei klassischen Geldanlagen bemerkbar.
Spritpreise – Rekordsummen an den Zapfsäulen
Die Kraftstoffkosten steigen weiter. Diesel erreichte laut ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,306 Euro pro Liter – nur noch knapp über einen Cent unter dem bisherigen Höchststand. Auch Super E10 ist mit durchschnittlich 2,085 Euro erneut teurer geworden. Seit Beginn des Kriegs liegt der Preis für Super mehr als 30 Cent höher, für Diesel sogar rund 56 Cent.
Politische Gegenmaßnahmen zeigen bislang kaum Wirkung. Das von Union und SPD geplante Paket, das Preiserhöhungen an Tankstellen zeitlich begrenzen soll, ist zwar in den Bundestag eingebracht worden, doch Fachleute bezweifelten, dass dies den Preisdruck spürbar senke.
Ölmarkt unter Druck – Heizöl so teuer wie lange nicht
Der starke Anstieg der Kraftstoffpreise hängt eng mit dem Ölmarkt zusammen. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent stieg seit Kriegsbeginn um rund 57 Prozent und lag zuletzt bei über 113 US‑Dollar pro Barrel. Heizöl kostet damit so viel wie seit der Energiekrise im Herbst 2022 nicht mehr.
Zusätzliche Unruhe brachten Äußerungen aus Washington. US‑Präsident Donald Trump drohte zunächst mit Angriffen auf iranische Energieanlagen, kündigte dann aber an, solche Ziele vorerst nicht anzugreifen. Diese widersprüchlichen Signale bewegten die Märkte kurzfristig stark.
Auch in den News:
Börsen zwischen Absturz und Hoffnungsschimmer
An den Aktienmärkten zeigen sich heftige Ausschläge. Der Dax ist zunächst deutlich unter die Marke von 22.000 Punkten gefallen – erstmals seit dem sogenannten Zoll-Schock im Frühjahr 2025. Nach neuen Aussagen Trumps legte der Leitindex jedoch zeitweise kräftig zu.
Trotz dieser Erholung bleibt die Stimmung angespannt. Seit Beginn der militärischen Angriffe mussten Anleger:innen erhebliche Verluste hinnehmen. Ökonom:innen erwarten steigende Inflation und eine Belastung für die ohnehin fragile Konjunkturerholung in Deutschland, da höhere Energie- und Transportkosten zunehmend auf Unternehmen durchschlagen.
Gold verliert seinen Status als sicherer Hafen
Ungewöhnlich ist auch die Entwicklung bei Edelmetallen. Der Goldpreis ist zuletzt deutlich gefallen und liegt rund vier Prozent unter dem Niveau vom vergangenen Freitag (20. März). Seit Kriegsbeginn hat Gold mehr als 18 Prozent eingebüßt, Silber sogar über 30 Prozent.
Als Gründe gelten schwindende Hoffnungen auf Zinssenkungen. Marktteilnehmer:innen rechnen zunehmend damit, dass die US‑Notenbank und die Europäische Zentralbank die Leitzinsen anheben könnten. Zudem dämpft ein starker Dollar die Nachfrage nach Gold und Silber, da beide in der US‑Währung gehandelt werden.
Unsicherheit bleibt – alles blickt auf Hormus
Wie es weitergeht, hängt laut Expert:innen maßgeblich vom Verlauf des Kriegs und der Lage an der Straße von Hormus ab – einer der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Marktstratege Stephen Innes warnt, dass eine länger anhaltende Blockade das gesamte Finanzsystem belastet. Besorgniserregend sei laut ihm, dass Aktien, Anleihen und Gold gleichzeitig nachgäben.
Auch Portfoliomanager Thomas Altmann sprach von einer bislang beispiellosen Unsicherheit. Niemand wisse, wie weit die USA und Israel tatsächlich zu gehen bereit seien. Die Nervosität, die lange gefehlt habe, greife nun auf die Märkte über – und damit direkt auf die Ersparnisse vieler Menschen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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