Porträt
Wie Henning Strauss die Arbeitskleidung von Engelbert Strauss in eine Kultmarke verwandelte
Aktualisiert:
von Claudia FrickelStrauss verkauft seine Berufsbekleidung online sowie in mehreren "Workwearstores".
Bild: picture alliance / imageBROKER
Die Firma Strauss begann einst als kleiner Besen- und Bürstenhandel – heute gilt ihre Arbeitskleidung als Lifestyle-Mode. Dafür sind die Brüder Henning und Steffen Strauss verantwortlich.
Das Wichtigste in Kürze
Henning Strauss führt das Familienunternehmen Strauss mit seinem Bruder Steffen.
Die seit 1948 bestehende Firma aus Osthessen produziert vor allem Arbeitskleidung und -schuhe.
Sport-, Musik- und Entertainment-Sponsoring machten die Marke weit über das Arbeitsumfeld hinaus sichtbar.
Was machen Henning Strauss und die Firma Strauss?
Henning Strauss führt gemeinsam mit seinem Bruder Steffen das Familienunternehmen Strauss in der dritten Generation. Sie übernahmen die Leitung der Firma 2015 – gegründet hatte sie ihr Großvater in den 1940er-Jahren.
Die Firma mit Sitz in Biebergemünd gehört zu den führenden Anbietern von Berufsbekleidung, Sicherheitsschuhen und Arbeitsschutzprodukten. Zum Sortiment zählen Warnwesten, Schutzhelme, Schürzen, Werkzeug sowie klassische Workwear wie Overalls und Latzhosen. Die Textilien und Accessoires laufen unter dem Namen "Engelbert Strauss". Aus ihnen hat sich inzwischen eine Marke auch für die Freizeit entwickelt, die international bekannt ist.
Das Unternehmen beschäftigt 1.800 Mitarbeiter:innen und erzielte 2023 einen Umsatz von etwa 1,4 Milliarden Euro. Strauss veröffentlicht seine Geschäftszahlen nicht regelmäßig.
Das mittelständische Unternehmen lässt seine Kleidung in 25 Ländern weltweit produzieren – in Asien, Afrika, Europa und Nordamerika. Über 90 Prozent der Artikel werden in Partnerbetrieben in Asien gefertigt, vor allem in Bangladesch, China, Vietnam und Laos. Das Logo der Firma zeigt passend zum Namen einen stilisierten Vogel Strauß.
Die Familie Strauss 2017 mit den heutigen Geschäftsführern Steffen (links) und Henning Strauß (rechts) sowie ihren Eltern Gerlinde und Norbert Strauss.
Bild: picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa
Die Geschichte der Firma Strauss: Vom Besenhandel zum weltweiten Anbieter
Die Wurzeln der Firma Strauss reichen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. August Strauss war ab 1902 als Handelsreisender in ganz Deutschland unterwegs. Er verkaufte Besen und Bürsten aus Kassel, einem Ortsteil der osthessischen Gemeinde Biebergemünd.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Engelbert Strauss das Geschäft seines Vaters und baute es schrittweise aus. 1948 gründete er die nach ihm benannte Firma und handelte zunächst mit verschiedenen Waren. Später erweiterte er das Sortiment um Arbeitshandschuhe und Schutzkleidung. Im Lauf der Zeit kamen weitere Textilien für das Arbeitsumfeld dazu.
1958 stellte Engelbert Strauss den Verkauf auf den Versandhandel um, ab 1973 erschien zudem ein Katalog. In den 1970er-Jahren stieg Engelbert Strauss' Sohn Norbert in die Firma ein.
Unter seiner Führung entwickelte sich Engelbert Strauss vom Handelsunternehmen mehr und mehr zum Anbieter von Arbeitskleidung. Norbert Strauss trieb zudem die Internationalisierung voran: Ende der 1970er-Jahre reiste er nach China und erschloss neue Produktionsmöglichkeiten.
Anfang der 1990er-Jahre verlegte die Firma ihren Hauptsitz innerhalb der Gemeinde an den heutigen Standort in Biebergemünd. Dort befindet sich zudem die Betriebsstätte. Ab dieser Zeit expandierte Strauss zunehmend international – zuerst mit einer Niederlassung in Österreich, später mit Gesellschaften unter anderem in Großbritannien, der Schweiz und Tschechien.
Der Einstieg von Henning und Steffen Strauss und die Firma heute
2015 übernahmen Henning und Steffen Strauss die Geschäftsführung des Familienunternehmens von ihrem Vater Norbert Strauss. Die Brüder waren bereits Anfang der 2000er-Jahre in die elterliche Firma eingestiegen – Henning Strauss nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in Los Angeles.
In einem Interview mit der "Fuldaer Zeitung" erzählte er, wie er nach seiner Rückkehr keine Hosen im Strauss-Lager fand, die ihm gefielen. Das brachte ihn auf neue Ideen – und der Vater und damalige Geschäftsführer fand das gut. "Er hat uns von Anfang an zur Veränderung eingeladen", erinnert sich Henning Strauss:
Genau das hat mich irgendwann gereizt – aus einem vermeintlich unscheinbaren Produkt etwas Attraktives zu machen.
Der 1977 geborene Henning und der zwei Jahre jüngere Steffen Strauss führen das Unternehmen gemeinsam. Henning Strauss ist verantwortlich für die Marke, er ist auch das Gesicht nach außen. Zudem steht er für Produktentwicklung und Design. Sein Bruder Steffen kümmert sich stärker um die strategische und operative Entwicklung.
Unter ihrer Leitung ist Strauss in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das Unternehmen hat sich von einem Anbieter für zweckmäßige Arbeitskleidung auf Baustellen zu einer angesagten Workwear-Marke entwickelt.
Innerhalb weniger Jahre verdoppelten sie den Umsatz des Unternehmens: 2015 lag er noch bei rund 700 Millionen Euro, acht Jahre später bei knapp 1,4 Milliarden Euro.
2020 eröffnete Strauss seine CI Factory in Schlüchtern in der Nähe des Hauptsitzes. Die Anlage ist auf die Entwicklung und Fertigung individuell konfigurierbarer Workwear spezialisiert – etwa mit Firmenlogos oder Sonderdesigns.
2023 gründete Strauss mit der Engelbert Strauss Inc. eine eigene US-Gesellschaft und eröffnete in Venice, Los Angeles, den ersten Flagship-Store des Unternehmens in den Vereinigten Staaten.
Neben einem Onlineshop und dem Katalogversand betreibt Strauss fünf eigene Fachmärkte, sogenannte Workwearstores, in der Nähe des Hauptsitzes in Biebergemünd sowie in Hockenheim, Bergkirchen, Oberhausen und Wien.
Henning Strauss ist Geschäftsführer und Markenverantwortlicher von Strauss.
Bild: picture alliance / DeFodi Images
Wie entwickelte sich Strauss zur Kultmarke?
Den Wandel zur Kultmarke verdankt Strauss vor allem einer neu ausgerichteten Markenkommunikation. Mit unterschiedlichen Aktionen, Kooperationen und Projekten macht Strauss seine Arbeitskleidung auch außerhalb des klassischen Handwerks sichtbar.
2008 begann Strauss damals noch unter dem Namen Engelbert Strauss mit Bandenwerbung im Fußball. Das Engagement wuchs schnell – und machte die Marke im Profisport sichtbar.
Seit mehreren Jahren kümmert sich Strauss stark um Sponsoring im Sport, etwa bei der UEFA Europa League, beim FC Bayern, bei Eintracht Frankfurt sowie bei mehreren englischen Clubs.
Inzwischen tritt die Firma verstärkt im US-Sport auf. Strauss ist offizieller Workwear-Partner der US-Footballliga NFL sowie der Baseballliga MLB. In der MLB war Strauss die erste Marke überhaupt, deren Logo auf Batting-Helmen der Spieler zu sehen war.
Henning Strauss erklärt gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", dass seine Firma damit "eine größere Bühne für die Marke finden" wollte:
Es brauchte neue Bilder, um unsere Marke neu aufzuladen, und der Sport hat sie uns gebracht.
Strauss entwickelte zudem Sonderkollektionen mit Nintendo ("Super Mario") und der Filmreihe "Fast & Furious". Für die "Stuntmen’s Association of Motion Pictures" in den USA produzierte Strauss spezielle Workwear, die den Anforderungen am Filmset gerecht wird.
Auch beim Musik-Sponsoring ist Strauss aktiv: 2017 stattete Strauss die Crew von Metallica während ihrer Tournee mit maßgeschneiderter Workwear aus. 2022 starteten Strauss und Metallica eine gemeinsame Kollektion.
Weitere Themen:
Henning Strauss privat: Engagement für seine Heimatstadt oder "Elon Musk von Bad Orb"?
Henning Strauss und sein Bruder Steffen sind mit ihrer Firma zu Millionären geworden: Ihr Vermögen schätzt das "Manager Magazin" auf 700 Millionen Euro.
Henning Strauss gibt sein Geld öffentlichkeitswirksam aus. Der Strauss-CEO wohnt in der Kurstadt Bad Orb im Main-Kinzig-Kreis, in der Nähe von Biebergemünd. Er investiert seit Jahren in die Stadt, was ihm den Titel als Ehrenbürger eingebracht hat. Unter anderem steckte er Geld in den Kurpark und eine internationale Privatschule. Zudem eröffnete er 2024 das luxuriöse "Alea Resort" mit Hotel, Apartments, Spa- und Sportangeboten.
Für Diskussionen sorgt sein Widerstand gegen geplante Windräder in der Region: Strauss möchte dort ein Waldtherapiezentrum errichten und sieht dieses durch die Anlagen gefährdet. Der Unternehmer schaltete mehrfach ganzseitige Anzeigen, die sich gegen das eigentlich genehmigte Projekt aussprachen.
Strauss ist in der Stadt umstritten: Die einen sehen ihn als Hoffnungsträger, die anderen fürchten, dass er mit seinen Investitionen zu viel Einfluss nimmt. Ein Sprecher des BUND nannte den Unternehmer den "Elon Musk von Bad Orb", der versuche, "ohne Rücksicht seine Interessen durchzusetzen".
FAQ: Henning Strauss und die Firma Strauss
Henning Strauss leitet zusammen mit seinem Bruder Steffen Strauss das Unternehmen Strauss. Die hessische Firma produziert und vertreibt Arbeitskleidung. Strauss positioniert sich inzwischen auch als Lifestyle-Marke und bietet zusätzlich Hosen, Jacken und andere Textilien für Freizeit und Alltag an.
Das Unternehmen Engelbert Strauss benannte sich ab 2020 schrittweise um und heißt seit 2025 offiziell nur noch Strauss. Die Marke läuft aber weiter unter dem bekannten Namen Engelbert Strauss.
Wie viel Geld die Strauss-Familie besitzt, ist offiziell nicht bekannt. Das "Manager Magazin" schätzte ihr Vermögen 2025 auf 700 Millionen Euro. Damit landen die Brüder Henning und Steffen Strauss im Ranking der reichsten Deutschen auf Platz 340. Sie haben einen rasanten Aufstieg hingelegt: Ein Jahr zuvor besaß die Strauss-Familie noch 200 Millionen Euro weniger.
Verwendete Quellen:
Webseite der Firma Strauss
Gelnhäuser Neue Zeitung: "Strauss zur 'bockstarken Marke gemacht': So reich sind die Brüder Henning und Steffen"
Süddeutsche Zeitung: "Als Besen- und Bürstenhändler angefangen, heute Lifestyle"
Fuldaer Zeitung: "Henning Strauss im Interview: 'Mit unserer Kleidung kann man sich als Macher fühlen'"
Tagesschau: "Im Blaumann trendy aussehen"
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