Dreisteste Werbelüge 2025
"Goldener Windbeutel": Wie Mondelez bei Milka Verbraucher täuscht
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von Claudia ScheeleDie Milka Alpenschokolade hat den "Goldenen Windbeutel" 2025 gewonnen.
Bild: Jan Woitas/dpa
Der Goldene Windbeutel 2025 geht an Mondelez für die "Milka Alpenmilch". Verbraucher:innen wählten die Schokolade zum Symbol für Shrinkflation und versteckte Preiserhöhungen.
Die "Milka Alpenmilch" von Mondelez hat den diesjährigen Goldenen Windbeutel erhalten, eine Negativauszeichnung der Verbraucherorganisation foodwatch. Mit 34 Prozent der Stimmen setzte sich die beliebte Schokoladensorte gegen vier weitere nominierte Produkte durch. Die Wahl, an der über 58.000 Menschen teilnahmen, macht deutlich, wie wütend Verbraucher:innen auf die zunehmende Verbrauchertäuschung durch Shrinkflation sind – die Praxis, Packungsinhalte zu reduzieren, während die Preise steigen.
Shrinkflation: Weniger Inhalt, mehr Kosten
Das Paradebeispiel für Shrinkflation ist die "Milka Alpenmilch". Mondelez reduzierte den Inhalt der Tafel von 100 auf 90 Gramm, ließ jedoch die Verpackungsgröße unverändert. Gleichzeitig erhöhte der Konzern den Preis von 1,49 Euro auf 1,99 Euro – eine versteckte Preiserhöhung von satten 48 Prozent. Verbraucher:innen bemerken diese Änderung oft erst spät, da die Gewichtsangabe auf der Verpackung häufig verdeckt ist.
Die Verbraucherzentrale Hamburg kürte die Milka-Schokolade bereits zur "Mogelpackung des Monats" im Februar 2025. Auch foodwatch kritisiert das Vorgehen scharf: "Die Milka-Tafel ist ein Paradebeispiel dafür, wie Verbraucher:innen systematisch getäuscht werden", erklärte foodwatch-Geschäftsführer Dr. Chris Methmann bei der Preisverleihung im "ARD Morgenmagazin".
Mondelez rechtfertigt sich – doch Zahlen sprechen eine andere Sprache
Mondelez begründet die Preiserhöhung mit gestiegenen Produktionskosten und Kakaopreisen. Doch ein Blick in den Finanzbericht des Unternehmens zeigt ein anderes Bild: Der Konzern konnte seine Gewinne seit 2021 um 25 Prozent steigern und profitierte laut eigenen Angaben sogar von sinkenden Herstellungskosten. Während Schokolade laut Statistischem Bundesamt zwischen Anfang 2024 und Januar 2025 um durchschnittlich 8 Prozent teurer wurde, erhöhte Mondelez die Preise für Milka-Tafeln um bis zu 64 Prozent.
Besonders provokant: Mondelez-Finanzchef Luca Zaramella kündigte an, dass die Preise auch weiterhin "schrittweise" erhöht werden sollen, falls die Kakaopreise hoch bleiben. Sinkende Kosten würden laut Konzernstrategie hingegen direkt in die Unternehmensgewinne fließen.
Forderungen nach mehr Transparenz und Regulierung
foodwatch fordert Mondelez auf, Preiserhöhungen künftig transparent auf der Verpackungsvorderseite auszuweisen und die Verpackungsgröße an den reduzierten Inhalt anzupassen. Auch die Bundesregierung wird in die Pflicht genommen: Im Koalitionsvertrag wurde bereits versprochen, gegen versteckte Preiserhöhungen vorzugehen und für mehr Transparenz zu sorgen. In Frankreich gilt seit Juli 2024 eine Kennzeichnungspflicht für Shrinkflation im Supermarkt. Ähnliche Maßnahmen fordert foodwatch nun auch für Deutschland.
"Die Bundesregierung muss endlich entschlossen handeln", betonte Dr. Rebekka Siegmann, Wahlleiterin des Goldenen Windbeutels. Auch das Bundesumweltministerium hatte bereits vorgeschlagen, Verpackungen sichtbar kleiner zu machen, um Täuschungen zu vermeiden.
Goldener Windbeutel: Eine lange Tradition
Seit 2009 verleiht foodwatch den "Goldenen Windbeutel", um auf Verbrauchertäuschungen in der Lebensmittelindustrie aufmerksam zu machen. In diesem Jahr fand die Preisverleihung zum 14. Mal statt. Neben Mondelez wurden in der Vergangenheit unter anderem Alete (2024), Intersnack (2023) und Hochland (2020) ausgezeichnet. Die Negativauszeichnung hat sich als wichtiger Hebel etabliert, um öffentliche Diskussionen über Verbraucherschutz und Unternehmenspraktiken anzustoßen.
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