Höchststand seit 2023
Gaspreis schnellt wegen Iran-Krieg in die Höhe: Wie geht es weiter?
Veröffentlicht:
von Jana Wejkum:newstime
Krieg treibt Spritpreise in die Höhe
Videoclip • 01:52 Min • Ab 12
Als der Gaspreis das letzte Mal so steil anstieg, hatte Russland die Ukraine angegriffen. Was Wirtschaftsministerin Reiche gegen die hohen Preise unternehmen will.
Das Wichtigste in Kürze
Der Gaspreis ist seit Beginn des Kriegs mit dem Iran am Samstag stark gestiegen.
Grund sind iranische Angriffe auf LNG-Anlagen in Katar und die Blockade der wichtigen Seefahrtsstraße von Hormus.
Wirtschaftsministerin Reiche sieht vorerst keine schweren Konsequenzen, will die Lage aber mithilfe einer Taskforce überwachen.
Der Gaspreis ist in der EU seit Beginn des Iran-Kriegs sprunghaft angestiegen. Lag der Börsenpreis am Freitag (27. Februar), einen Tag vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran, noch bei rund 32 Euro pro Megawattstunde (MWh), kletterte der Preis am Dienstagvormittag (3. März, Stand 11:30 Uhr) schon auf rund 58 Euro pro MWh. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 80 Prozent.
Bereits zum Handelsauftakt am Montag (2. März) gab es einen Preissprung um 25 Prozent, den stärksten Anstieg seit August 2023. Auch die Preise für Öl und Sprit sind vom starken Preisanstieg betroffen. Grund sind die Versorgungsengpässe wegen des Iran-Kriegs und der dadurch eingeschränkte Schiffsverkehr in der Straße von Hormus.
Reiche: Markteingriffe nicht geplant
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sah am Montag vorerst keinen Grund zur Panik: "Jetzt ist mit einem Preisaufschlag zu rechnen, aber tatsächlich nicht mit schweren Konsequenzen." Sie sehe kurzfristig keine Versorgungsprobleme.
Um mögliche wirtschaftliche Konsequenzen abzufangen, habe die Bundesregierung ihre Krisenmechanismen reaktiviert. Es gebe eine Taskforce, die die Lage mehrfach am Tag diskutieren und beobachten und gegebenenfalls Maßnahmen ableiten solle.
In den Markt will Reiche derzeit nicht eingreifen. Solche Maßnahmen seien erst dann angebracht, "wenn sie absolut unvermeidbar sind".
Katar stellt Produktion ein
Der Hauptgrund für die Preisspitze ist ein Lieferstopp von Flüssigerdgas (LNG) aus dem Förderland Katar. Dieses hatte seine Exporte am Montag gestoppt, weil eine wichtige Anlage von QatarEnergy von einem iranischen Drohnenangriff stillgelegt worden war.
Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, hatte Wirtschaftsministerin Reiche im November Katar besucht, um einen Deal mit dem Emirat abzuschließen. Demnach sollten ab 2026 jährlich zwei Millionen Tonnen LNG nach Deutschland geliefert werden. Es sollte eigentlich mit Tankern an ein Terminal im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel gebracht werden.
Katar lieferte laut Eurostat im dritten Quartal 2025 nur rund sechs Prozent des Flüssiggases in Europa – Russland steuerte rund 13 Prozent, die USA fast 60 Prozent bei. Die Preise steigen aufgrund des global vernetzten Marktes trotzdem empfindlich.
Auch in den News:
Drohungen gegen Schiffe
Eine Entspannung der Lage ist vorerst nicht in Sicht. Der Iran hat offenbar die wichtige Seefahrtsstraße von Hormus gesperrt. Diese gilt als Nadelöhr für Öl- und Gastransporte. Wie die "Tagesschau" berichtete, seien am Sonntag (1. März) mehrere Schiffe von Geschossen getroffen worden.
Die iranischen Revolutionsgarden drohten im Staatsfernsehen mit schweren Konsequenzen, sollten Schiffe versuchen, die Blockade zu umgehen. "Die Schiffe aller, die passieren wollen, werden von den Helden der Marine der Revolutionsgarden und der Armee in Brand gesetzt", sagte Ebrahim Dschabari, Brigadegeneral und hochrangiger Berater der iranischen Revolutionsgarden. "Nicht einen einzigen Tropfen Öl werden wir ihnen erlauben, zu transportieren."
Bundesnetzagentur: Gasversorgung ist sicher
Verbraucher:innen in Deutschland müssen sich laut Bundesnetzagentur (BNetzA) zunächst keine Sorgen machen. "Gas vom Persischen Golf spielt für die deutsche Versorgung eine überschaubare Rolle", zitiert die "Welt" BNetzA-Präsident Klaus Müller. Die Gasversorgung in Deutschland sei "aktuell sicher".
Zwar würden die steigenden Preise abhängig von der Dauer des Kriegs auch in Deutschland zu spüren sein, aber Privathaushalte hätten "in der Regel längerfristige Verträge mit Preisgarantien". Stärker betroffen seien industrielle Verbraucher, die beim Einkauf stärker von den Preisen am Weltmarkt abhängig seien.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Trading Economics: "EU Erdgas-Preise"
RND: "Katar liefert ab 2026 zwei Millionen Tonnen LNG pro Jahr: Was bedeutet diese Menge eigentlich?"
Welt: "Leere Speicher, nervöse Märkte – was die Gas-Eskalation für uns bedeutet"
Tagesschau: "Nach Angriffen auf Schiffe: Anstieg von Ölpreis erwartet"
Eurostat: "EU imports of energy products - latest developments"
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