Flugraum geschlossen
Reisende stranden wegen Iran-Krieg in Golfregion, auch "Mein Schiff" betroffen
Veröffentlicht:
von Jana WejkumMehrere Tausend Reisende aus Deutschland sitzen in der Golfregion fest, auch Kreuzfahrtschiffe sind betroffen. Das rät Außenminister Wadephul den Gestrandeten.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) konnte am Sonntagabend (1. März) keine beruhigenden Antworten für die gestrandeten Deutschen in Nahost geben. "Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert. Es ist nicht vorhersehbar, dass wir in den nächsten Tagen mit einer Beendigung der Kampfhandlungen rechnen können", sagte Wadephul in der ARD-Talkshow "Caren Miosga". US-Präsident Donald Trump schätzt, dass der Krieg noch vier Wochen dauern könnte.
Seit Israel und die USA am Samstagmorgen (28. Februar) den Angriff auf den Iran gestartet haben, herrscht Ausnahmezustand in der Golfregion. Flugzeuge starten nicht, Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab und immer wieder gibt es Raketenalarm. Das müssen Reisende jetzt wissen.
Wie viele Reisende aus Deutschland sind betroffen?
Der Deutsche Reiseverband (DRV) schätzt, dass aktuell rund 30.000 mit deutschen Veranstaltern Reisende betroffen sind. Diese Schätzung umfasst sowohl Menschen, die sich in der Golfregion aufhalten, als auch diejenigen, deren Flüge eigentlich über die Drehkreuze in der Region gehen sollten. Wie viele Deutsche sich konkret in der Golfregion befinden, ist nicht bekannt.
Das Auswärtige Amt führt die Krisenvorsorgeliste "Elefand". Darin seien Stand Sonntag mehr als 10.000 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit in der Golfregion registriert. Die Registrierung ist für Urlauber:innen und im Ausland lebende Deutsche freiwillig.
Befinden sich noch Menschen mit EU-Staatsbürgerschaft im Iran?
Wie eine ranghohe EU-Beamtin in Brüssel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte, halten sich schätzungsweise noch ein paar Tausend Menschen im Iran auf, die Staatsangehörige eines EU-Mitgliedslandes sind. Darunter seien aber auch Menschen, die die iranische Staatsangehörigkeit besitzen und das Land nicht verlassen wollen, so die Beamtin. Genaue Angaben darüber, wie viele Menschen evakuiert werden möchten, machte sie nicht.
Die Zahl der unfreiwillig gestrandeten Menschen in Nachbarländern des Iran ist demnach höher. Ihre Flüge wurden wegen Luftraumsperrungen gestrichen. Die EU habe ein Netzwerk für konsularische Zusammenarbeit aktiviert, das die Koordinierung von Evakuierungsbemühungen erleichtern soll.
Wie werden Passagier:innen in Dubai und Saudi-Arabien betreut?
Zu den von den Luftraumsperrungen betroffenen Staaten gehören das Emirat Dubai und Saudi-Arabien. So wurde etwa an den Flughäfen von Dubai der Flugverkehr bis auf Weiteres ausgesetzt. Laut der Generalbehörde für Zivilluftfahrt haben Flughäfen und nationale Fluggesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits mehr als 20.000 Passagier:innen betreut, deren Flüge vorerst gestrichen worden.
Vorübergehende Unterkünfte und Verpflegung würden gestellt. Man wolle "alle Unterbringungs- und Verpflegungskosten für betroffene und gestrandete Passagiere" übernehmen, so die Behörde der Vereinigten Arabischen Emirate.
In Saudi-Arabien habe König Salman auf Vorschlag von Kronprinz Mohammed bin Salman laut dem Außenministerium die Unterbringung aller im Land gestrandeten Golfstaaten-Bürger:innen an Flughäfen genehmigt, bis sie sicher in ihre Heimat zurückkehren können.
Mehr zum Krieg in Nahost:
Wie geht es mit den Passagier:innen von Kreuzfahrtschiffen weiter?
Auch Kreuzfahrtschiffe können derzeit nicht aus Häfen in der Region ablegen. Betroffen sind etwa die "Mein Schiff 4" und "Mein Schiff 5" vom deutschen Anbieter Tui Cruises, auf denen insgesamt gut 5.000 Reisende untergebracht sein könnten.
Auf der Webseite des Veranstalters heißt es: "Aufgrund der weiterhin dynamischen Lage in der Region sowie eingeschränkter Flugverbindungen sind wir derzeit auf die Informationen der Airlines angewiesen, um zu klären, ob und wann Rückflüge stattfinden können." Man wolle die nächsten Schritte abstimmen, sobald "hierzu verlässliche Angaben vorliegen".
Welche Maßnahmen haben Reiseanbieter getroffen?
Reiseanbieter kümmern sich vor Ort eigenen Angaben zufolge durch ihre Reiseleiter um die Gäste. Dertour richtete eine Krisenhotline für diejenigen ein, die in Nahost festsitzen und die von den weltweiten Flugabsagen betroffen sind. "Unser Krisenmanagement steht dazu im engen Austausch mit den zuständigen Behörden im In- und Ausland und mit den Fluggesellschaften sowie den Koordinierungseinheiten vor Ort", heißt es auf der Website. Wie und wann die Reise weitergehen kann, bleibt aufgrund der unübersichtlichen Lage fraglich.
Der Deutsche Reiseverband (DRV) rät, "Veranstaltergäste sollten den Anweisungen der örtlichen Behörden folgen sowie dringlichst in ihrem gebuchten Hotel bleiben und sich nicht eigenständig zum Flughafen oder in das Nachbarland begeben."
Werden die betroffenen Deutschen evakuiert?
Die Betroffenen mit Militärflugzeugen zu evakuieren, schloss Außenminister Wadephul am Sonntag gegenüber der "Bild" aus: "Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen." Man wolle stattdessen auf Informationsangebote setzen. "Alle Botschaften, alle Auslandsvertretungen sind geöffnet. Wir arbeiten intensiv daran, mit Informationen da zu sein", so Wadephul. Es müssten Vorkehrungen getroffen werden, um auf andere Weise aus den betroffenen Ländern ausreisen zu können.
Seitens des Auswärtigen Amts heißt es, man beobachte "die Lage in der Region sehr aufmerksam". Das Auswärtige Amt stehe dazu auch in engem und ständigem Kontakt mit den Botschaften in der Region. Eine Sprecherin riet dazu, "kommerzielle Ausreisemöglichkeiten zu prüfen und sich dazu unmittelbar bei Reiseveranstaltern bzw. Fluggesellschaften zu informieren".
Deutsche Staatsangehörige sollen sich in die Krisenvorsorgeliste "Elefand" eintragen. Das stelle sicher, dass die Botschaft im Ernstfall Kontakt aufnehmen und Unterstützung anbieten könne. "Dies betrifft auch Reisende, die von den Sperrungen des Luftraums betroffen sind", so die Sprecherin weiter. "Alle sind aufgerufen, den Anweisungen der lokalen Behörden in Bezug auf die jeweils erforderlichen Maßnahmen zum Selbstschutz Folge zu leisten."
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Niedersachsen
Polizei-Großeinsatz: Zwei Tote nach Schussvorfall in Bramsche

Störung bei KI-Dienst
Claude ist down: KI-Chatbot von Anthropic hat Login-Probleme

Pentagon-Briefing
US-Minister Hegseth zu Iran-Angriffen: "Kein endloser Krieg"

Meteorologisch und kalendarisch
Kalendarisch oder meteorolgisch? Wann ist Frühlingsbeginn?

Arbeitsrecht
Gestrandet am Flughafen: Was das für Arbeitnehmer bedeutet

Stärke 2,4
Erdbeben in Baden-Württemberg: Zahlreiche Menschen melden Erschütterungen

