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Reisende stranden wegen Iran-Krieg in Golfregion, auch "Mein Schiff" betroffen
Aktualisiert:
von Jana Wejkum:newstime
Iran: "Trump sendet widersprüchliche Signale“
Videoclip • 02:44 Min • Ab 12
Mehrere Tausend Reisende aus Deutschland sitzen in der Golfregion fest, auch Kreuzfahrtschiffe sind betroffen. Diese Maßnahmen hat Außenminister Wadephul inzwischen eingeleitet.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) kann den durch den Iran-Krieg im Ausland gestrandeten Deutschen nur zum Teil gute Nachrichten überbringen. "Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert. Es ist nicht vorhersehbar, dass wir in den nächsten Tagen mit einer Beendigung der Kampfhandlungen rechnen können", sagte Wadephul am Sonntag (1. März) in der ARD-Talkshow "Caren Miosga". Man wolle den Deutschen jedoch "helfen, nach Hause zu kommen", versprach Wadephul am Montag (2. März).
Seit Israel und die USA am Samstagmorgen (28. Februar) den Angriff auf den Iran gestartet haben, herrscht Ausnahmezustand in der Golfregion. Flugzeuge starten nicht, Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab und immer wieder gibt es Raketenalarm. Das müssen Reisende jetzt wissen.
Wie viele Reisende aus Deutschland sind betroffen?
Der Deutsche Reiseverband (DRV) schätzt, dass aktuell rund 30.000 mit deutschen Veranstaltern Reisende betroffen sind. Diese Schätzung umfasst sowohl Menschen, die sich in der Golfregion aufhalten, als auch diejenigen, deren Flüge eigentlich über die Drehkreuze in der Region gehen sollten. Wie viele Deutsche sich konkret in der Golfregion befinden, ist nicht bekannt.
Das Auswärtige Amt führt die Krisenvorsorgeliste "Elefand". Darin seien Stand Sonntag mehr als 10.000 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit in der Golfregion registriert. Die Registrierung ist für Urlauber:innen und im Ausland lebende Deutsche freiwillig.
Befinden sich noch Menschen mit EU-Staatsbürgerschaft im Iran?
Wie eine ranghohe EU-Beamtin in Brüssel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte, halten sich schätzungsweise noch ein paar Tausend Menschen im Iran auf, die Staatsangehörige eines EU-Mitgliedslandes sind. Darunter seien aber auch Menschen, die die iranische Staatsangehörigkeit besitzen und das Land nicht verlassen wollen, so die Beamtin. Genaue Angaben darüber, wie viele Menschen evakuiert werden möchten, machte sie nicht.
Die Zahl der unfreiwillig gestrandeten Menschen in Nachbarländern des Iran ist demnach höher. Ihre Flüge wurden wegen Luftraumsperrungen gestrichen. Die EU habe ein Netzwerk für konsularische Zusammenarbeit aktiviert, das die Koordinierung von Evakuierungsbemühungen erleichtern soll.
Wie werden Passagier:innen in Dubai und Saudi-Arabien betreut?
Zu den von den Luftraumsperrungen betroffenen Staaten gehören das Emirat Dubai und Saudi-Arabien. So wurde etwa an den Flughäfen von Dubai der Flugverkehr bis auf Weiteres ausgesetzt. Laut der Generalbehörde für Zivilluftfahrt haben Flughäfen und nationale Fluggesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits mehr als 20.000 Passagier:innen betreut, deren Flüge vorerst gestrichen worden.
Vorübergehende Unterkünfte und Verpflegung würden gestellt. Man wolle "alle Unterbringungs- und Verpflegungskosten für betroffene und gestrandete Passagiere" übernehmen, so die Behörde der Vereinigten Arabischen Emirate.
In Saudi-Arabien habe König Salman auf Vorschlag von Kronprinz Mohammed bin Salman laut dem Außenministerium die Unterbringung aller im Land gestrandeten Golfstaaten-Bürger:innen an Flughäfen genehmigt, bis sie sicher in ihre Heimat zurückkehren können.
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Wie geht es mit den Passagier:innen von Kreuzfahrtschiffen weiter?
Auch Kreuzfahrtschiffe können derzeit nicht aus Häfen in der Region ablegen. Betroffen sind etwa die "Mein Schiff 4" und "Mein Schiff 5" vom deutschen Anbieter Tui Cruises, auf denen insgesamt gut 5.000 Reisende untergebracht sein könnten.
Auf der Webseite des Veranstalters heißt es: "Aufgrund der weiterhin dynamischen Lage in der Region sowie eingeschränkter Flugverbindungen sind wir derzeit auf die Informationen der Airlines angewiesen, um zu klären, ob und wann Rückflüge stattfinden können." Man wolle die nächsten Schritte abstimmen, sobald "hierzu verlässliche Angaben vorliegen".
Welche Maßnahmen haben Reiseanbieter getroffen?
Reiseanbieter kümmern sich vor Ort eigenen Angaben zufolge durch ihre Reiseleiter um die Gäste. Dertour richtete eine Krisenhotline für diejenigen ein, die in Nahost festsitzen und die von den weltweiten Flugabsagen betroffen sind. "Unser Krisenmanagement steht dazu im engen Austausch mit den zuständigen Behörden im In- und Ausland und mit den Fluggesellschaften sowie den Koordinierungseinheiten vor Ort", heißt es auf der Website. Wie und wann die Reise weitergehen kann, bleibt aufgrund der unübersichtlichen Lage fraglich.
Der Deutsche Reiseverband (DRV) rät, "Veranstaltergäste sollten den Anweisungen der örtlichen Behörden folgen sowie dringlichst in ihrem gebuchten Hotel bleiben und sich nicht eigenständig zum Flughafen oder in das Nachbarland begeben."
Werden die betroffenen Deutschen evakuiert?
Am Montagnachmittag gab Außenminister Wadephul in Berlin bekannt, dass die Bundesregierung die Rückholung von Kindern, Kranken und Schwangeren unter den im Nahen Osten gestrandeten Deutschen vorbereite. Man wolle Maschinen von Fluglinien nach Riad und Maskat schicken.
Krisenunterstützungsteams des Auswärtigen Amts würden nach Maskat, Doha und Dubai entsendet. Man werde prüfen, ob die Möglichkeit eines Grenzübergangs nach Oman und Saudi-Arabien, deren Luftraum noch geöffnet sei, bestehe. Wadephul betonte, dass man mit der Reiseindustrie zusammenarbeite. Er sei mit der Lufthansa, dem Reisekonzern TUI und dem Deutschen Reiseverband im Gespräch.
Gegenüber der "Bild" hatte Wadephul tags zuvor ausgeschlossen, die Betroffenen auf militärische Art zu evakuieren: "Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen." Man wolle stattdessen auf Informationsangebote setzen. "Alle Botschaften, alle Auslandsvertretungen sind geöffnet. Wir arbeiten intensiv daran, mit Informationen da zu sein", so Wadephul. An dieser Einschätzung hielt Wadephul auch am Montag fest: Die Bundesregierung werde nur im Notfall auf die Bundeswehr zurückgreifen.
Deutsche Staatsangehörige sollen sich in die Krisenvorsorgeliste "Elefand" eintragen. Das stelle sicher, dass die Botschaft im Ernstfall Kontakt aufnehmen und Unterstützung anbieten könne. "Dies betrifft auch Reisende, die von den Sperrungen des Luftraums betroffen sind", so eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. "Alle sind aufgerufen, den Anweisungen der lokalen Behörden in Bezug auf die jeweils erforderlichen Maßnahmen zum Selbstschutz Folge zu leisten."
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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