Energiesicherheit
Gasspeicher auf Rekordtief: Experten rechnen mit höheren Preisen – wie teuer wird der Winter?
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Gasspeicherstände auf Rekordtief
Videoclip • 31 Sek • Ab 12
Die Gasspeicher Deutschlands sind vergleichsweise spärlich befüllt. Während das Wirtschaftsministerium Entwarnung gibt, sorgen sich Energie- und Verbraucherexperten um die Wintermonate.
Die Gasspeicher sind in Deutschland derzeit so gering gefüllt wie noch nie seit dem Start der Aufzeichnungen im Jahr 2011. Das gab der Branchenverband Initiative Energien Speichern (Ines) Mitte August bekannt. Eine Gasmangellage sei laut dem Bundeswirtschaftsministerium zwar erstmal nicht zu erwarten. Für Verbraucher.innen dürfte sich kommenden Winter dennoch einiges ändern.
Auch in den News:
Experte sieht 80-Prozent-Ziel bedroht
"Das europäische Ziel, die Gasspeicher mit 80 Prozent zu befüllen, ist heute nur noch mit sehr optimistischen Annahmen zu erreichen", so Klaus Müller von der Bundesnetzagentur im Gespräch mit :newstime. Stichtag ist der 1. November – bis dahin müssen die Speicherkapazitäten bereit für die Wintermonate sein. Laut dem Experten sieht das nach den aktuellen Zahlen schlecht aus.
"Deutschland liegt bei seinen Gasspeichern zurzeit bei ungefähr 50 Prozent. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren", erklärt Müller. Grund ist unter anderem die Kriegslage im Iran. Wegen Blockaden der Straße von Hormus waren die Gaspreise auch im Sommer ungewöhnlich hoch. Die Folge: Händler kauften weniger Gas, welches später im Winter wieder verkauft werden sollte.
Bild: Blue Silver / :newstime
Er habe Verständnis für die aktuell schwierige Lage der Unternehmen, so der Experte der Bundesnetzagentur. "Trotzdem erwarten wir ganz klar, dass sie ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden und Stadtwerken nachkommen, um in den nächsten Wochen nochmal kräftig einzukaufen und einzuspeichern:" Müller betont, er gehe angesichts des anhaltenden Krieges auch im Winter von einer anhaltenden Preissteigerung aus.
Diese Einschätzung teilt auch Thomas Zwingmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW). Nicht nur auslaufende Verträge in Zukunft teurer werden. "Es kann auch sein, dass zwischendurch die Anbieter die Preise einfach erhöhen", so der Verbraucherschützer gegenüber :newstime. "Die Bundesnetzagentur und das Wirtschaftsministerium sagen, es wird alles gut werden, es wird alles ausreichen – das weiß man nicht so genau", so Zwingmann.
Schwerdtner: "Ich wundere mich, was die Wirtschaftsministerin (...) tut"
Im Gegensatz zu den Experten scheint sich das zuständige Ministerium unter Katharina Reiche (CDU) weniger um die aktuelle Gaslage zu sorgen. Trotz des historischen Tiefs heißt es, ein Mangel wäre diesen Winter nicht zu erwarten. Die Verantwortung läge hier ohnehin "grundsätzlich bei den Gasunternehmen und Händlern", heißt es laut "Frankfurter Rundschau" (FR).
Das kritisiert nicht nur der Branchenverband Ines. Im :newstime-Sommerinterview äußerte sich auch die Co-Parteivorsitzende der Linken, Ines Schwerdtner, besorgt über das Handeln der Wirtschaftsministerin.
"Ich wundere mich, was die Wirtschaftsministerin Katherina Reiche tut, um die Gasspeicher wieder zu befüllen", so Schwerdtner. Sie sieht die Verantwortung vor allem bei der steuerlichen Regelung der Gaskonzerne. Sie spricht hier von "über 20 Millionen" Übergewinn – und das pro Tag. "Wenn wir das steuerlich abschöpfen würden, könnten wir auch für Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher sorgen."
Das können Verbraucher:innen tun
Der Verbraucherexperte Zwingmann hat noch einen anderen Vorschlag. "Wir halten nichts von einer pauschalen Energieunterstützung", betont er gegenüber :newstime. Eine solche Regelung käme nicht denen zugute, die wirklich einen finanziellen Zuschuss brauchen. Stattdessen könnten Bürger:innen je nach Einkommen unterstützt werden.
Wer bereits jetzt um womöglich drohende Höchstpreise bangt, kann allerdings schon jetzt vorsorgen. Zwingmann empfiehlt hier folgendes Vorgehen: "Erstmal muss man gucken: Wie lang läuft mein Vertrag noch?" Falls sich der Vertrag dem Ende zuneige, sollte man sich nicht nur nach günstigeren Anbietern umschauen, sondern vor allem nach Preisgarantien – bestenfalls bis ins kommende Jahr, um eine Erhöhung zu vermeiden.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
FR: "Gasspeicher leer wie nie: Linke empört über Reiche – "Sie spekuliert mit der Energiesicherheit""
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