Gasmarkt vor dem Winter

Gasspeicher nur halb voll: Reicht das Gas für den Winter?

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

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Das Ende der Gasnetze? Neue Studie alarmiert

Videoclip • 01:09 Min • Ab 12


Die deutschen Gasspeicher sind im europäischen Vergleich vergleichsweise schwach gefüllt. Trotzdem warnen Fachleute derzeit nicht vor einem akuten Versorgungsengpass, sondern vor neuen Preisrisiken auf dem globalen Flüssiggasmarkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschlands Gasspeicher sind im europäischen Vergleich relativ schwach gefüllt, doch Behörden sehen aktuell keine akute Versorgungskrise.

  • Das größte Risiko für den Winter ist weniger ein echter Gasmangel als ein Preisschub durch knapperes LNG und starke Nachfrage aus Asien.

  • Besonders wichtig für den Winter sind die Entwicklung in Katar, das Wetter, die Speicherfüllstände und die Lage auf dem globalen Flüssiggasmarkt.

Noch ist Sommer, doch am Gasmarkt richtet sich der Blick bereits auf die kalte Jahreszeit. Deutschlands Gasspeicher sind laut Daten von Gas Infrastructure Europe derzeit nur zu gut 48 Prozent gefüllt. Europaweit lag der Füllstand Anfang August bei rund 58 Prozent und damit so niedrig wie nie seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2011. Gründe dafür sind unter anderem vergleichsweise geringe Gasimporte und niedrige Wasserstände vieler Flüsse, die in Teilen Europas die Stromerzeugung aus Wasser- und Kernkraft bremsen.

Besonders in Deutschland sorgt das für Aufmerksamkeit. Denn andere Länder stehen deutlich besser da: In Italien sind die Speicher bereits zu mehr als drei Vierteln gefüllt, in Polen sogar zu 87 Prozent. Der Rohstoffexperte Thomas Benedix von Union Investment warnt deshalb im Gespräch mit der "ARD-Finanzredaktion": "Damit sind wir deutlich anfälliger." Sollte der Winter besonders kalt werden, könnten die deutschen Vorräte nach seiner Einschätzung gegen Ende der Heizperiode sogar "in Richtung zehn Prozent Füllstand" sinken.

Keine Krise wie 2022, aber neue Risiken

Trotz der niedrigen Speicherstände sehen Behörden derzeit keine akute Gefahr für die Versorgung. Die EU-Kommission erklärt, die "Koordinierungsgruppe Erdgas" habe aktuell "keine unmittelbaren Bedenken" für die Sicherheit der Gasversorgung im kommenden Winter. Auch die Bundesnetzagentur bewertet die Lage bislang vergleichsweise gelassen: Die Versorgung sei stabil, auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas vorhanden, zudem gebe es genügend Importmöglichkeiten.

Ein direkter Vergleich mit der Energiekrise von 2022 greift deshalb zu kurz. Benedix sagt der "ARD-Finanzredaktion": "Die aktuelle Lage ist sicherlich nicht vergleichbar mit damals. Jetzt sind wir darauf vorbereitet, viel Flüssiggas zu empfangen." Deutschland hat seine Infrastruktur ausgebaut und kann LNG inzwischen über Terminals an Nord- und Ostsee importieren. Zudem fließt Gas verstärkt über Norwegen sowie über Frankreich und Belgien ins deutsche Netz.

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Abhängigkeit vom Weltmarkt nimmt zu

Doch genau darin liegt auch ein neues Problem. An die Stelle großer Mengen russischen Pipeline-Gases ist stärker Flüssiggas vom Weltmarkt getreten. Damit hängen Deutschland und Europa heute stärker an globalen Preisen. Vor allem Asien spielt dabei eine wichtige Rolle. Commerzbank-Rohstoffexperte Norman Liebke sagt laut "ARD-Finanzredaktion": "Asien zahlt deutlich mehr, teilweise vier Euro je Megawattstunde Gas obendrauf." Schon solche Preisunterschiede können dazu führen, dass LNG-Lieferungen nach Asien statt nach Europa umgeleitet werden.

Zusätzliche Unsicherheit kommt aus dem Mittleren Osten. Der Krieg in der Region und die faktische Schließung der Straße von Hormus haben den LNG-Markt stark belastet. Durch diese Meerenge liefen zuvor fast 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels, vor allem aus Katar. Laut Internationaler Energieagentur IEA haben andere Produzenten zwar einen Teil der Ausfälle ersetzt. Dennoch erwartet die IEA für dieses Jahr nur noch ein weitgehend stagnierendes globales LNG-Angebot.

Katar bleibt der entscheidende Faktor

Nach Einschätzung vieler Fachleute hängt viel davon ab, ob ab Herbst wieder mehr Flüssiggas aus Katar auf den Markt kommt. Die IEA rechnet in ihrem Basisszenario damit, dass die Lieferungen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten bis zum vierten Quartal schrittweise steigen. Auch Union Investment geht bislang davon aus. Benedix warnt jedoch laut "ARD-Finanzredaktion": "Sollte das aber nicht der Fall sein, dann verknappt sich der gesamte Weltmarkt an Flüssiggas über den Winter, und das ist das größte Risiko aus meiner Sicht."

Ein physischer Gasmangel gilt damit aktuell nicht als wahrscheinlichstes Szenario. Wahrscheinlicher sind steigende Preise. Benedix hält laut Quelle wieder Preise von "80 bis 100 Euro je Megawattstunde" für möglich. Für private Haushalte kommt das oft zeitverzögert an. Energieintensive Unternehmen wie Chemie-, Stahl-, Glas- oder Papierhersteller spüren höhere Gaspreise dagegen meist schneller und deutlicher.


Verwendete Quellen:

tagesschau: "Geleerte Speicher - wie teuer wird das Gas?"

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