Streit und Chaos

Minister soll Warnung ignoriert haben: Mitarbeiter riet Backhaus von Buckelwal-Rettungsplan ab

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

:newstime

Neuer Buckelwal in der Ostsee gesichtet (23. Juni)

Videoclip • 58 Sek • Ab 12


Ein Berater von Minister Till Backhaus warnte vor der geplanten Millionen-Rettungsaktion um Buckelwal Timmy – vergeblich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nachdem zahlreiche Rettungsversuche, den gestrandeten Buckelwal Timmy in Freiheit zu bringen, scheiterten, stimmte Umweltminister Till Backhaus (SPD) schließlich einer privaten Rettungsinitiative zu.

  • Jörn Mothes, Abteilungsleiter für Klimaschutz, Naturschutz und Forsten Mecklenburg-Vorpommerns, solle den Minister zuvor mehrmals gewarnt haben, dem Rettungsplan nicht zuzustimmen, so "Bild".

  • Letztendlich sei die Aktion in Streit und Chaos gemündet, dem Mothes dann aus gesundheitlichen Gründen habe den Rücken kehren müssen.

Buckelwal Timmy hielt über Monate ein ganzes Land in Atem. Neben Hoffnung für den mehrfach gestrandeten Ostsee-Besucher dominierte der Streit um die Rettung des Tiers. Während zahlreiche Expert:innen vor einer mehr Schaden als Sinn bringenden Bergungsaktion abrieten, pochten eifrige Wal-Fans vehement darauf, das Schicksal des Wals in die Hand zu nehmen.

So schließlich auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), der nach langem Hin und Her den Plänen einer privaten Rettungsinitiative zustimmte. Der im Tonus der "Bild" "wichtigste Timmy-Beauftragte" des Ministers, Jörn Mothes, habe das Drama um den Wal vor Poel ziemlich getroffen, heißt es. Das solle die Auswertung der fast 1.700 Seiten schweren Akten rund um den Wal-Skandal zeigen, die vom Redaktionsnetzwerk Deutschland und der "Ostsee-Zeitung" durchgeführt worden sei.

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Millionenschweres Chaos: Mothes will Rettung abbrechen

Immer wieder habe Jörn Mothes, Abteilungsleiter für Klimaschutz, Naturschutz und Forsten Mecklenburg-Vorpommerns, vor dem vorliegenden Gutachten gewarnt, so "Bild". Konkret sei es dabei um zwei Millionär:innen gegangen, darunter der Mediamarkt-Gründer Walter Gunz, die sich Timmys Rettung zur Aufgabe machten. Der Plan: das vielzählig gestrandete Riesentier per Transport auf einer sogenannten Barge im Meer freizusetzen.

Neben Mothes hätten zahlreiche Expert:innen diesen Entwurf den Angaben zufolge als "fachlich zweifelhaft und nicht ergebnisoffen" bewertet. Auch Meeresbiologe Fabian Ritter äußerte im Gespräch mit :newstime rückblickend Bedenken an das Drama vor Poel. "Es wäre absolut legitim gewesen, ihn einfach in Ruhe zu lassen und nur palliativ zu versorgen", betonte er. Letztendlich habe man Wal Timmy "zu Tode gerettet". Letztendlich entschied sich Till Backhaus aller Warnungen zum Trotz dazu, Timmys Schicksal in die Hände der Millionärsinitiative zu legen.

Danach sei das Chaos so richtig losgegangen. Laut "Bild" musste Mothes schon einen Tag nach dem Go des Umweltministers feststellen, dass sich seine Befürchtungen bewahrheiteten. "Dass die Mitglieder dieser vielschichtigen Initiative nicht ansatzweise in der Lage sind, die in dem Konzept niedergelegten Überlegungen und Ideen umzusetzen, scheint sich jedenfalls in der Startphase zu bestätigen", so der 63-Jährige in dem Bericht. Mothes habe demnach auf eine Prüfung plädiert, ob die Walrettung abgebrochen werden könne.


Mothes gibt auf - Buckelwal Timmy auch

Ohne Erfolg. Kurz bevor der Lastkahn mitsamt Timmy Richtung Nordsee aufbrach, habe Mothes aufgegeben. Nach Informationen der "Bild" habe Backhaus' Berater in einem Schreiben erklärt, er sehe sich "wegen der erheblichen Drucksituation, wegen der Erfahrung mit der Unzuverlässigkeit bei Absprachen und wegen der (...) nicht möglichen seriösen Bearbeitung der naturschutzrechtlichen Grundsatzfragen im geforderten Zeitraum" gezwungen, einen Arzt aufzusuchen "und meinen bestehenden Überlastungs- und Erschöpfungszustand dort vorzutragen".

Mit einer folgenden Krankschreibung habe sich Jörn Mothes schließlich aus dem Fiasko retten müssen. Für Wal Timmy kam allerdings jede Rettung zu spät. Nachdem das Tier Anfang Mai laut Backhaus "erfolgreich" ins offene Meer entlassen wurde, starb der Wal wenige Tage später. Sein Körper wurde tot an einen Strand vor Dänemark gespült.


Verwendete Quellen:

Bild: "Wal-Minister trieb Timmy-Beauftragten ins Krankenbett"

Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern

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