Vertrauenskrise beim SDAX-Unternehmen
Bilanzprobleme bei Gerresheimer: Aktie von Verpackungshersteller stürzt ab
Veröffentlicht:
von Benedikt RammerDer Spezialverpackungshersteller Gerresheimer kommt nicht zur Ruhe.
Bild: Christoph Reichwein/dpa
Der Düsseldorfer Spezialverpackungshersteller Gerresheimer muss erneut Bilanzfehler beheben und verschiebt seinen Geschäftsbericht. Anleger:innen reagieren skeptisch und der SDAX-Wert verliert im frühen Handel zweistellig.
Das Wichtigste in Kürze
Gerresheimer verschiebt seinen Geschäftsbericht aufgrund erneuter Bilanzfehler.
Die Prognosen für 2025 wurden nach unten korrigiert; für 2026 erwartet das Unternehmen wieder steigende Gewinnspannen.
Ein Transformationsprogramm soll die Kosten senken, unter anderem durch Standortschließungen und den Verkauf einer US-Tochter.
Der Düsseldorfer Spezialverpackungshersteller Gerresheimer kommt nicht zur Ruhe. Zum wiederholten Mal sieht sich das Unternehmen gezwungen, Fehler in der Bilanzierung zu korrigieren. Dies hat dazu geführt, dass der ursprünglich für den 26. Februar angekündigte Geschäftsbericht verschoben werden muss. Die Mitteilung vom späten Dienstagabend (10. Februar) sorgte am Kapitalmarkt für Unruhe, und die Aktie des Unternehmens verzeichnete im frühen Handel einen deutlichen Rückgang im zweistelligen Prozentbereich.
Wie Gerresheimer in einer Pressemitteilung erklärt, erfordern die noch laufenden Untersuchungen mehr Zeit für die Aufstellung und Abschlussprüfung. Die bisherigen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass für das Geschäftsjahr 2024 ein Korrekturbedarf von rund -35 Millionen Euro bei den Umsatzerlösen und etwa -24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA besteht. Dies umfasst auch bereits angekündigte Korrekturen im Zusammenhang mit Bill-and-Hold-Verkäufen, einem speziellen Vertriebsmodell.
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Auswirkungen auf Prognosen
Die Bilanzkorrekturen haben direkte Folgen für die Prognosen des Unternehmens. Für das Geschäftsjahr 2025 rechnet Gerresheimer mit einem Umsatzrückgang am oberen Ende der erwarteten Spanne von zwei bis vier Prozent. Auch bei der bereinigten EBITDA-Marge musste das Unternehmen seine Erwartungen nach unten korrigieren – statt 18,5 bis 19,0 Prozent wird nun eine Spanne von 16,5 bis 17,5 Prozent erwartet.
Für das Geschäftsjahr 2026 gibt sich Gerresheimer jedoch optimistischer: Es sollen wieder steigende Gewinnspannen erzielt werden. Die bereinigte EBITDA-Marge wird auf 18,0 bis 19,0 Prozent geschätzt, während der Umsatz zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro liegen soll – ohne Berücksichtigung möglicher Übernahmen und Fusionen.
Transformationsprogramm und strategische Maßnahmen
Um den Herausforderungen besser begegnen zu können, hat Gerresheimer ein Transformationsprogramm aufgelegt. Zu den geplanten Maßnahmen zählt die Schließung des Standorts in Chicago Heights. Gleichzeitig hat das Unternehmen angekündigt, sich von seiner US-Tochter Centor zu trennen, die Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente herstellt. Der Verkauf des Moulded-Glass-Geschäfts hingegen scheint kurzfristig nicht geplant zu sein.
Nach mehreren Gewinnwarnungen und Unstimmigkeiten in der Bilanzierung steht das Unternehmen vor der schwierigen Aufgabe, das Vertrauen des Kapitalmarktes zurückzugewinnen. Analyst:innen raten Anleger:innen aktuell zur Vorsicht. Der SDAX-Wert bleibt unter Druck und viele Investor:innen halten sich zurück.
Verwendete Quellen:
Pressemitteilung Gerresheimer
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