Klima
Der stärkste El Niño aller Zeiten – Diese Auswirkungen hat er auf uns und unser Wetter
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Ein El Niño steht an – was das für die Welt bedeutet (2. Juni)
Videoclip • 01:24 Min • Ab 12
Im Pazifik braut sich der stärkste El Niño seit 155 Jahren zusammen. Meteorolog:innen können vorhersehen, was das für unseren Sommer bedeutet und warum es auch auf den kommenden Winter Auswirkungen haben könnte. Warum die Prognosen diesmal ungewöhnlicher sind als sonst.
Im Pazifik hat sich eine gewaltige Warmwasserzone gebildet: Das Klimaphänomen El Niño ist zurück - und das wohl stärker als je zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1870. So berichtet es die Website "daswetter.com". Mehrere Wettermodelle kommen übereinstimmend zu demselben Ergebnis: Es zeichnet sich ein Super-El-Niño ab. Die Meerestemperaturen könnten bis zu drei, stellenweise sogar vier Grad über dem Durchschnitt liegen.
laut CNN können Meteorolog:innen nun mit großer Sicherheit vorhersagen, wie sich das Ereignis in den nächsten ein bis zwei Jahren auf verschiedene Teile der Welt auswirken wird.
Der stärkste El-Niño seit Jahrhunderten – deshalb hilft er bei der Wetter-Prognose
Die meisten Computermodellprognosen deuten nach CNN aktuell darauf hin, dass dieser El Niño der stärkste seit 1950 sein wird. Aber was bedeutet das genau?
Entgegen der Intuition haben die stärksten El Niño-Ereignisse laut Forscher:innen nicht zwangsläufig schlimmere Auswirkungen als schwächere. Man kann also nicht davon ausgehen, dass im nächsten Jahr täglich weltweit gleichzeitig gewaltige Überschwemmungen oder massive Stürme auftreten. Vielmehr steigt mit der gemessenen Intensität eines El Niño die Wahrscheinlichkeit, dass die üblicherweise beobachteten Auswirkungen – sogenannte Fernwirkungen – eintreten. Für manche bedeutet das dennoch extreme Folgen wie Dürre oder Überschwemmungen.
El Niño und La Niña sind die wichtigsten Faktoren für die saisonale Vorhersagbarkeit des Klimas. Das bedeutet: Je stärker das El-Niño-Signal – also je ausgeprägter das Ereignis – desto besser lassen sich die Auswirkungen vorhersagen. Deshalb sind die saisonalen Prognosen derzeit so zuverlässig. Und solche Prognosen warnen Länder frühzeitig vor Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen oder potenziellen Unterbrechungen der Nahrungsmittelversorgung.
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So braut sich der Super-El-Niño zusammen
Normalerweise treiben Passatwinde warmes Wasser Richtung Indonesien, während vor Südamerika kühleres Wasser aufsteigt. Bei El Niño gerät dieses System durcheinander: Die Winde schwächen sich ab, das warme Wasser strömt zurück gen Osten. Das löst weltweit eine Kettenreaktion aus – Regenzonen verschieben sich, und auch der Jetstream, der unser Wetter maßgeblich prägt, gerät ins Wanken.
El Niño befeuert die globale Erwärmung zusätzlich. Nach starken El-Niño-Ereignissen folgten in der Vergangenheit fast immer Hitzerekorde. Die aktuellen Hitzewellen gehen zwar nicht auf El Niño zurück, könnten durch ihn aber intensiver ausfallen.
Das Phänomen wirkt sich auch auf den Winter aus: Ein starker El Niño kann den Polarwirbel über der Arktis destabilisieren. Dieser hält normalerweise die Kälte am Nordpol fest. Wird er instabil, kann sie nach Süden vordringen. Erste Langfristmodelle für den Winter 2026/27 deuten genau darauf hin. Kommt zusätzlich eine plötzliche Stratosphärenerwärmung hinzu, drohen Kälteeinbrüche und Schnee bis in tiefe Lagen.
"Eine Winterprognose im Juli ist keine Wettervorhersage, sondern eine Wahrscheinlichkeitsrechnung", schreibt "daswetter.com". "Entscheidend ist der Zeitpunkt. Bricht der Wirbel im Januar zusammen, haben wir gute Karten für Schnee und Frost. Passiert es erst im März, war der Winter längst gelaufen." Auch der Winter 2015/16 folgte auf ein Super-El-Niño und fiel in Deutschland ungewöhnlich mild aus.
Dürre, Monsun & Hurrikan – So wird das Wetter
In den Vereinigten Staaten folgt auf El Niño im nördlichen Teil des Landes unter anderem einen milderen Winter als üblich und im südlichen Teil des Landes überdurchschnittlich feuchte Bedingungen in den Herbst- und Wintermonaten.
Im Atlantikführt El Niño führt typischerweise zu einer unterdurchschnittlichen Hurrikansaison während im tropischen Pazifik überdurchschnittlich viele Hurrikane und Taifune auftreten. Für die kontinentalen USA (ohne Alaska und Hawaii) ist dies ein Beispiel für einen potenziell positiven Einfluss von El Niño.
Wie CNN berichtet, bedeutet laut Nathaniel Johnson ein besonders starker El Niño, dass er wahrscheinlich der dominierende Faktor bei der Beeinflussung der saisonalen Wettermuster gegenüber anderen globalen Klimamustern sein wird.
Gleichzeitig kann es laut dem Spezialisten für saisonale Klimavorhersagen bei der National Oceanic and Atmospheric Administration auch sein, dass ein besonders starker El Niño bedeutet, dass einige Auswirkungen größer oder stärker als üblich ausfallen werden, obwohl dies nicht garantiert ist.
Klimaforscher und Experte für öffentliche Gesundheit Jeffrey Shaman ergänzt, dass es äußerst ungewöhnlich sei, dass alle Vorhersagen der Computermodelle übereinstimmen, dass ein starkes bis rekordverdächtig starkes Ereignis den ganzen Winter über und möglicherweise bis weit ins Jahr 2027 anhalten wird. Normalerweise weichen einige Modelle ab und prognostizieren ein Abklingen des Ereignisses oder einen Übergang zu La Niña, dem kälteren Pendant zu El Niño. Doch diesmal nicht. Die Prognosen deuten darauf hin, dass El Niño auch in Zukunft anhalten wird.
El Niño verstärkt die globale Erwärmung
Ein typischer Effekt von El Niño ist der Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, so CNN. Er verstärkt dabei sogar die langfristige, vom Menschen verursachte globale Erwärmung. Aufgrund des prognostizierten Rekordhochs des aktuellen El Niño ist es wahrscheinlich, dass 2026 und 2027 die wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Bereits seit mindestens zwei Monaten haben die globalen Meeresoberflächentemperaturen ein Rekordhoch erreicht.
Laut den neuesten Prognosen der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), einer UN-Sonderorganisation, werden von August bis Oktober fast überall auf der Erde überdurchschnittliche Temperaturen erwartet. Dies hängt zwar größtenteils mit dem starken El Niño zusammen, allerdings bezweifeln Wissenschaftler:innen, dass dieser auch für die heftigen Hitzewellen verantwortlich ist, die in diesem Sommer in den USA und Europa bereits tödliche Hitzewellen und Waldbrände verursacht haben. Griechenland befindet sich derzeit im Ausnahmezustand und in Spanien griff sogar die Feuerwehr aus Nordrhein-Westfalen ein.
All dies veranlasste UN-Generalsekretär António Guterres zu der Aussage: "El Niño verstärkt sich – und gießt Öl ins Feuer eines Planeten, der ohnehin schon in Flammen steht." Wenigstens können sich die Städte, durch die frühzeitigen Ankündigung dieses intensiven El Niño-Ereignisses, Maßnahmen ergreifen um sich auf extreme Hitzewellen oder starke Regenfälle vorzubereiten.
Verwendete Quellen:
daswetter.com: "Stärkster El Niño seit 155 Jahren – Wetterforscher warnt: "Der Winter kippt"
edition.cnn.com: "What the 'strongest El Niño on record' actually means (for humans)"
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