Ukraine-Krieg
Russlands nimmt Wirtschaft ins Visier: Ukrainische Firmen leiden unter löchriger Luftabwehr
Veröffentlicht:
von Christopher Schmitt:newstime
Russland greift Kiew massiv an – 15 Tote (20. August)
Videoclip • 01:40 Min • Ab 12
Russlands Angriffe sind tödlich für die ukrainische Zivilbevölkerung. Moskau zielt neben dem Terror jedoch auch auf die Wirtschaft – und trifft Kiew damit empfindlich.
Das Wichtigste in Kürze
Russlands setzt bei seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine auch auf Attacken gegen die Wirtschaft.
Unter anderem gerät die Stahlindustrie gerät ins Visier von Putins Truppen, auch der Getreide-Export ist betroffen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ruft immer wieder nach mehr Luftabwehr-Unterstützung, doch Patriot-Systeme sind knapp.
Der Kreml setzt nicht nur auf ein Zermürben der Zivilbevölkerung, sondern zielt auch auf die Wirtschaft der Ukraine – und wird dabei immer effektiver. Einem "tagesschau"-Bericht zufolge sind Analyst:innen bereits alarmiert: Ukrainische Unternehmen werden vermehrt zur Zielscheibe.
Dies könnte die Firmen finanziell empfindlich treffen. So zeigt die Analyse des Ökonoms Andrij Dlihatsch, Berater eines Unternehmenszusammenschlusses, wie wahrscheinlich es für ukrainische Firmen ist, in den kommenden zwölf Monaten von einem russischen Angriff getroffen zu werden: Zu 20 Prozent wird jedes Unternehmen von getroffen – eingerechnet sei die Anzahl der hergestellten ballistischen Raketen seitens Moskaus sowie die löchrige Luftabwehr der Ukraine.
Auch in den News:
Russland reißt Wunden in der ukrainischen Wirtschaft
Russische Waffen hätten laut Dlihatsch schon im laufenden Jahr mehr als doppelt so viel wirtschaftlichen Schaden angerichtet wie in fast vier Jahren Krieg zuvor. Dabei sei die Zerstörung von Firmen in Frontnähe noch nicht einmal eingepreist.
Denn die Ukraine verfügt zwar über eine relativ hohe Trefferquote, wenn es um russische Drohnen und Marschflugkörper geht, doch ballistischen Raketen ist Kiew weitgehend schutzlos ausgeliefert. Am 1. August beispielsweise erfolgte ein massiver russischer Angriff, bei dem von 27 ballistischen Raketen lediglich eine abgefangen werden konnte. Die "tagesschau" berichtet, das ukrainische Militär veröffentlicht die Abfangquote schon gar nicht mehr, um die Verwundbarkeit nicht noch offen zu demonstrieren.
Insbesondere die Schlüsselindustrien sind ins Visier Russlands geraten. Hierzu zählt etwa die Stahlindustrie. Außerdem fügen Attacken im umkämpften Schwarzen Meer der ukrainischen Wirtschaft erheblichen Schaden zu. Mittlerweile greifen Wladimir Putins Truppen Schiffe auch direkt an, die Hafeninfrastruktur war ohnehin schon lange unter Beschuss geraten. Die Schwarzmeerhäfen sind besonders bedeutsam für den Export von Stahl und Erz. Auch der Getreide-Export wird stark beeinträchtigt. Eingelagertes Getreide ist ebenfalls nicht sicher – Russland greift auch die Silos an.
Die ukrainische Regierung erwartet ein Wirtschaftswachstum von nur noch 1,4 Prozent. Viele Expert:innen erwarten Stillstand – oder sogar ein Schrumpfen.
Selensykj macht klar: "Priorität hat die Flugabwehr"
Zum Unabhängigkeitstag der Ukraine am Montag (24. August) stellte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EU-Ratspräsident António Costa, dem britischen Premierminister Andy Burnham und dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb in Kiew klar: "Priorität hat die Flugabwehr." Diesbezüglich gab es von Seiten Europas neue Unterstützungszusagen – allerdings laut Selenskyj nur für "ein paar" Abfangraketen.
Immer wieder wiederholt der ukrainische Präsident, wie sehr Kiew auf das Patriot-System angewiesen ist, und unterstreicht den weiteren Bedarf. Denn das System gilt als wirksamste Abwehr gegen die ballistischen Raketen. Allerdings haben sich die Vorräte der USA im Krieg gegen den Iran stark verknappt. Auf Donald Trumps Unterstüzung kann sich Kiew nicht verlassen. Außerdem nutzt die Ukraine mehrere deutsche Iris-T-Flugabwehrsysteme, um sich gegen die Angriffe aus der Luft zu verteidigen.
Auch Ukraine trifft russische Wirtschaft
Auch die ukrainische Armee greift regelmäßig die russische Wirtschaft an. Unter anderem steht das "russische Amazon" Wildberries im Fokus. Mitte August ging ein Wildberries-Zentrum vor Moskau in Flammen auf.
Verwendete Quellen:
tagesschau: "Russland zielt auf die Wirtschaft - mit massiven Folgen"
Nachrichtenagentur dpa
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