Zusammensetzung des Kongresses
Midterms in den USA: So funktionieren die Zwischenwahlen und darum sind sie so wichtig
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Midterms werden zur Zitterpartie für Trump
Videoclip • 55 Sek • Ab 12
Die Midterms sind die Zwischenwahlen in den USA. Sie zeigen, wie die Wähler:innen die bisherige Arbeit von Präsident Donald Trump einschätzen – und legen fest, wie die Mehrheiten im Kongress aussehen.
Das Wichtigste in Kürze
Bei den Midterms wird die Zusammensetzung beider Kammern des Kongresses bestimmt.
Zur Wahl stehen alle Sitze des Repräsentantenhauses und knapp ein Drittel der Sitze im Senat.
Die "Midterm Elections" finden immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November statt.
Was sind die Midterms in den USA?
Die Midterms sind die Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten. Anders als bei einer Präsidentschaftswahl wird dabei kein neuer Präsident gewählt. Stattdessen entscheiden die Wähler:innen über die Zusammensetzung des Kongresses. Je nach Bundesstaat können außerdem Wahlen zu weiteren wichtigen politischen Ämtern anstehen.
Ihren Namen tragen die Midterms, weil sie zur Mitte der Amtszeit eines US-Präsidenten stattfinden. Der Begriff leitet sich vom englischen "midterm elections" ab – übersetzt bedeutet das "Zwischenwahlen". Sie werden manchmal auch Halbzeitwahlen genannt.
Die Midterms sind fest im politischen System der USA verankert. Sie geben Aufschluss darüber, wie die Wähler:innen die bisherige Arbeit des Präsidenten bewerten. Vom Ausgang der Wahl hängt ab, ob der Präsident politische Projekte in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit leichter oder schwerer durchsetzen kann.
Das Kapitol in Washington, D.C., ist der Sitz des US‑Kongresses.
Bild: J. Scott Applewhite/AP/dpa
Wer wird bei den Midterms gewählt?
Im Mittelpunkt der Midterms stehen die Wahlen zum US-Kongress. Er ist das Parlament der Vereinigten Staaten und besteht aus zwei Kammern: dem Repräsentantenhaus und dem Senat. Beide tagen im Kapitol in Washington, D.C.
Das Repräsentantenhaus vertritt die Bevölkerung der einzelnen Bundesstaaten nach ihrer Größe. Die 435 Abgeordneten werden in Wahlbezirken gewählt, die unterschiedlich viele Menschen umfassen. Bei den Midterms werden alle Sitze im Repräsentantenhaus neu vergeben. Die Amtszeit der Abgeordneten beträgt zwei Jahre.
Der Senat repräsentiert die Bundesstaaten: Jeder der 50 Staaten stellt zwei Senator:innen, die jeweils sechs Jahre im Amt sind. Diese Amtszeiten beginnen nicht gleichzeitig, sondern sind gestaffelt. Deshalb steht bei jeder Midterm-Wahl nur etwa ein Drittel der 100 Sitze im Senat zur Abstimmung.
Die Ergebnisse der Kongresswahlen entscheiden darüber, welche Partei die Mehrheit in den beiden Kammern stellt – und damit, wie groß ihr politischer Einfluss in Washington ist.
Darüber hinaus finden in vielen Bundesstaaten weitere Wahlen statt. Die Bürger:innen stimmen unter anderem über Richter:innen, Bürgermeister:innen oder Gouverneur:innen ab – das sind die Regierungschefs der einzelnen Bundesstaaten. Welche weiteren Ämter gewählt werden, unterscheidet sich je nach Bundesstaat.
Warum sind die Midterms so wichtig?
Die Midterms haben großen Einfluss darauf, wie handlungsfähig ein US-Präsident in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit ist. Er steht zwar der Regierung vor und setzt politische Schwerpunkte, kann aber nicht allein neue Gesetze beschließen. Dafür braucht er die Zustimmung des Kongresses.
Verliert seine Partei dort ihre Mehrheit, kann es schwieriger werden, neue Gesetze zu verabschieden oder Vorhaben umzusetzen. Die Opposition kann Projekte blockieren und eigene Akzente setzen.
In der Vergangenheit führte eine geteilte Macht zwischen Weißem Haus und Kongress häufig zu politischem Stillstand ("gridlock"). Gesetzesvorhaben kamen dann nicht voran, während die politische Agenda des Präsidenten ausgebremst wurde.
Außerdem nutzen Wähler:innen die Midterms oft, um der amtierenden Regierung einen Denkzettel zu verpassen: Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Partei des Präsidenten bei den Zwischenwahlen meist Sitze im Kongress verloren. Eine Ausnahme waren die Midterms 2002 während der ersten Amtszeit von Präsident George W. Bush: Damals konnten die Republikaner ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat ausbauen.
Diese Machtverteilung gehört zum Prinzip der Gewaltenteilung, das in den USA "Checks and Balances" heißt. Präsident und Kongress kontrollieren sich gegenseitig: Der Präsident führt die Regierung, der Kongress verabschiedet Gesetze, bestimmt den Haushalt und überwacht, wie diese Vorgaben umgesetzt werden.
Wann finden die Midterms statt?
Die Midterms finden alle zwei Jahre statt – jeweils zur Hälfte der vierjährigen Amtszeit eines US-Präsidenten. Sie liegen damit genau zwischen zwei Präsidentschaftswahlen.
Der Wahltermin ist gesetzlich festgelegt: Die Zwischenwahlen finden immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November statt. 2026 sind die Midterms somit am 3. November.
Der Zeitpunkt geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als die meisten Amerikaner:innen in der Landwirtschaft arbeiteten. Der November lag nach der Erntezeit. Der Dienstag erlaubte es den Menschen, am Montag anzureisen, ohne den Sonntag als religiösen Ruhetag zu verlieren.
Wie laufen die Midterms ab?
Wie die Midterms genau ablaufen, unterscheidet sich je nach Bundesstaat. Die USA haben kein einheitliches Wahlsystem: Jeder der 50 Staaten legt eigene Regeln fest. Das betrifft zum Beispiel, wie sich Bürger:innen zur Wahl registrieren, wie die Stimmzettel aussehen oder wie die Abstimmung organisiert ist.
In vielen Bundesstaaten müssen Bürger:innen nicht bis zum Wahltag warten. Sie können ihre Stimme auch vorab persönlich oder per Brief abgeben. Die Fristen und Bedingungen dafür sind ebenfalls von Staat zu Staat verschieden.
Die Unterschiede zwischen den Bundesstaaten führen regelmäßig zu politischen Debatten über den Zugang zur Wahl und die Fairness des Wahlsystems. Kritiker:innen sehen darin Nachteile für bestimmte Bevölkerungsgruppen.
Auch der Zuschnitt der Wahlkreise sorgt regelmäßig für Streit: Dabei werden die Begrenzungen von Wahlbezirken gezielt so manipuliert, dass eine Partei Vorteile hat. Dieses Vorgehen wird "Gerrymandering" genannt.
Nach Schließung der Wahllokale beginnt die Auszählung. Weil die Verfahren in den Bundesstaaten unterschiedlich sind, liegen Ergebnisse nicht überall gleichzeitig vor. Knappe Rennen können sich über mehrere Tage hinziehen – manchmal entscheidet erst eine Nachzählung endgültig.
Wie sind die Mehrheitsverhältnisse vor den Midterms 2026?
Für US-Präsident Donald Trump steht bei den Midterms 2026 viel auf dem Spiel. Vor den Wahlen kontrollieren die Republikaner beide Kammern des US-Kongresses.
Ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus ist jedoch sehr knapp: Aktuell liegt sie bei 218 zu 212 Sitzen. Aber weil alle Abgeordneten neu bestimmt werden, kann viel passieren: Schon der Verlust weniger Sitze könnte dazu führen, dass die Demokraten in der Überzahl sind.
Im Senat ist die republikanische Mehrheit größer: Die Republikaner haben 53 Sitze, die Demokraten und ihnen nahestehende Unabhängige kommen auf 47 Sitze. Da nur rund ein Drittel der Senator:innen neu gewählt werden, ist ein Machtwechsel zwar möglich, aber deutlich unwahrscheinlicher als im Repräsentantenhaus.
Wie unterscheiden sich Midterms und Präsidentschaftswahlen?
In den USA gibt es zwei wichtige landesweite Wahltermine: die Präsidentschaftswahlen und die Midterms. Sie haben jeweils eine andere Bedeutung.
Bei den Präsidentschaftswahlen stimmen die Bürger:innen darüber ab, welche:r Kandidat:in ins Weiße Haus einzieht. Formal wählen sie dabei Wahlleute, die anschließend den Präsidenten bestimmen. Das unterscheidet sich vom direkten Wahlsystem vieler anderer Länder.
Bei den Midterms wird dagegen kein Präsident gewählt. Im Mittelpunkt stehen die Wahlen zum Kongress: Die Bürger:innen entscheiden über die Zusammensetzung des Repräsentantenhauses und des Senats sowie über weitere politische Ämter in den Bundesstaaten.
Auch die Dynamik der Wahlen unterscheidet sich. Präsidentschaftswahlen sind stark auf die Kandidat:innen für das Präsidentenamt ausgerichtet – die Wahlbeteiligung ist in der Regel höher. Bei den Midterms geht es stärker um die politische Kontrolle im Kongress und die Bewertung der Arbeit der Regierung. Meist gehen dafür weniger Menschen in die Wahllokale, um ihre Stimme abzugeben.
FAQ: Midterms
Der Begriff "Midterms" kommt vom englischen Ausdruck "midterm elections" und bedeutet übersetzt "Zwischenwahlen". Die Kongresswahlen finden in der Mitte der vierjährigen Amtszeit eines US-Präsidenten statt.
Die Partei des amtierenden Präsidenten verliert bei Midterms oft Sitze, weil viele Wähler:innen die Zwischenwahl als Gelegenheit nutzen, um ihre Unzufriedenheit auszudrücken. Gleichzeitig ist die Opposition häufig stärker motiviert, zu den Urnen zu gehen.
Bei den Midterms dürfen alle US‑Staatsbürger:innen wählen, die mindestens 18 Jahre alt sind und sich rechtzeitig zur Wahl registriert haben. Je nach Bundesstaat gelten zusätzliche Regeln, etwa zu Wohnsitz, Fristen oder Ausschlüssen nach bestimmten Straftaten.
Verwendete Quellen:
Frankfurter Rundschau: "Drei Monate vor den Midterms: Umfragen sehen Trumps Republikaner im Hintertreffen
Britannica: "How Do Midterm Elections Work?"
Bundeszentrale für politische Bildung: "Midterm Elections in den USA"
Tagesschau: "Warum die Midterms so wichtig sind"
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