Grenzregion Belgorod
Drohnen-Warn-App blockiert: So lässt Russland seine Bürger im Stich
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Drohnen-Angriff auf Selenskyj-Flieger
Videoclip • 44 Sek • Ab 12
Die russische Region Belgorod hat eine App entwickelt, die vor ukrainischen Drohnenangriffen warnen soll. Doch viele Nutzer:innen berichten, dass sie bei mobilen Internet-Sperren nicht funktioniert – genau dann also, wenn sie besonders gebraucht würde.
Das Wichtigste in Kürze
Die Region Belgorod hat eine App eingeführt, die vor ukrainischen Drohnenangriffen warnen soll.
Nutzer:innen berichten aber laut "Newsweek", dass die Anwendung bei mobilen Internet-Sperren nicht funktioniert.
Die Sperren durch die russischen Behörden haben einen bestimmten Grund.
Die russische Grenzregion Belgorod wird nach Angaben der dortigen Behörden regelmäßig von ukrainischen Drohnen angegriffen. Um Bewohner:innen vor möglichen Angriffen zu warnen, brachte das regionale Ministerium für digitale Entwicklung am 1. September eine neue App auf den russischen Marktplatz RuStore.
Die Anwendung heißt "BPLA Belgorod Region". BPLA ist die russische Abkürzung für unbemannte Fluggeräte. Nach der Installation speichert die App eine Karte der Region auf dem Smartphone. Über Push-Nachrichten und akustische Signale soll sie vor möglichen Drohnenangriffen warnen und bedrohte Gebiete auf einer Karte markieren.
Doch nach einem Bericht des US-Magazins "Newsweek" hat die App ein grundlegendes Problem: Sie benötigt eine Internetverbindung. Genau diese ist in Russland während Drohnenwarnungen häufig eingeschränkt.
Auch in den News:
Russland sperrt wichtige Warn-App
Russische Behörden haben seit Mai vergangenen Jahres in vielen Regionen den mobilen Internetzugang eingeschränkt. Offiziell wird dies mit Sicherheitsgründen begründet: Mobilfunknetze und SIM-Karten könnten Drohnen bei Navigation und Kommunikation helfen.
Damit Menschen bei einer Abschaltung nicht vollständig vom Internet getrennt sind, arbeiten die Behörden mit sogenannten Whitelists. Bestimmte zugelassene Websites und Dienste bleiben dann erreichbar. Nach Nutzerbewertungen im RuStore gehört die Drohnen-Warn-App aus Belgorod jedoch offenbar nicht zu diesen freigegebenen Angeboten.
Ein Nutzer schrieb laut "Newsweek": "Die App ist gut und vor allem nützlich. Aber es gibt ein großes Aber: die Whitelist. Sobald sie aktiviert ist, wird die App sofort nutzlos." Andere Nutzer:innen berichteten demnach, dass die Anwendung über WLAN funktioniere, bei mobilen Daten aber keine Warnungen mehr übertrage. Ein Kommentar lautete: "Sobald ich zu mobilen Daten wechsle, verschwindet die Übertragung sofort."
Mehrere Bewertungen kritisierten außerdem Verbindungsprobleme, fehlende Tonsignale, Abstürze beim Start und Fehler bei einigen Android-Geräten. Die Entwickler:innen hätten einen solchen Fehler bei bestimmten Geräten nach Angaben von "Newsweek" eingeräumt.
Belgorod meldet Hunderte Drohnen
Wie dringend Warnungen in Belgorod sein können, zeigen Zahlen des regionalen Einsatzstabs. Allein am 6. September sollen 269 ukrainische Drohnen 17 Gemeinden der Region angegriffen haben. Nach Angaben der Behörden starben drei Zivilist:innen, sieben weitere Menschen wurden verletzt.
Belgorod liegt direkt nördlich der ukrainischen Region Charkiw und ist für Russland auch wegen wichtiger Versorgungswege für die eigenen Truppen beim Angriffskrieg gegen die Ukraine von Bedeutung.
Einschränkungen weit über gefährdete Gebiete hinaus
"Newsweek" verweist auf Daten der unabhängigen russischen Beobachtungsgruppe Na Svyazi. Diese habe 2026 monatlich Tausende regionale Einschränkungen des mobilen Internets in ganz Russland dokumentiert – auch in Regionen im Fernen Osten, die nicht von Drohnenangriffen bedroht seien.
Verwendete Quellen:
Newsweek: "Russia Built Civilians A Warning App For Drones, Then Blocked It"
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