Ärger um Privatinitiative

"Reines Gewissen": Till Backhaus ist sich bei Rettungs-Fiasko um Buckelwal Timmy keiner Schuld bewusst

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

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Backhaus zu Timmy: "Wir glauben an ihn" (20. April)

Videoclip • 03:58 Min • Ab 12


Die Bergungsaktion um Timmy kostete Millionen - und konnte den Buckelwal am Ende doch nicht retten. Was bleibt, ist Streit und eine Menge offener Schulden. Minister Backhaus zieht nun ein Fazit zu dem Wal-Fiasko.

Das Wichtigste in Kürze

  • Buckelwal Timmy ist schon längst nicht mehr vor Poel - sorgt aber immer noch für Streit.

  • Auf einem Ausschuss äußerte der amtierende Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns, Till Backhaus (SPD), Kritik im Hinblick auf Timmys Rettung.

  • Vor allem die Zusammenarbeit mit der Privatinitiative sei alles andere als glatt verlaufen – die Bergung sei aber ein Erfolg.

Buckelwal Timmy ist seit Monaten tot – das Drama um das vor Poel gestrandete Tier geht aber weiter. Auch aktuell steht der damals federführenden Umweltminister Till Backhaus (SPD) diesbezüglich wieder im Rampenlicht. Vor allem, da er die Rettungsaktion, bei der Timmy für mehrere Millionen ins offene Meer geschifft wurde, befürwortet hat, erfährt der Minister ordentlich Gegenwind. Reue verspürt Till Backhaus deshalb aber bis heute nicht.

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Umweltminister hat reines Gewissen

Er habe in dieser Sache "ein ganz reines Gewissen", so Backhaus in einer Sondersitzung des Agrarausschusses des Landtags am Mittwoch (19. August). Dort stellte sich der Minister drei Stunden lang den Fragen der Ausschussmitglieder – und das öffentlich. Er habe nichts zu verbergen, betonte Backhaus bei seiner Ankunft vor dem Sitzungsraum. Hintergrund war ein Antrag der CDU-Landtagsfraktion, die den Minister folglich kritisch konfrontierte.

Wie Beate Schlupp, artenschutzpolitische Sprecherin der Fraktion, erklärte, sei der Eindruck erweckt worden, dass es mehrere Widersprüche bei der Darstellung des damaligen Vorgehens gebe: etwa, ob fachliche Bedenken hinsichtlich der Rettungsaktion, auch aus dem eigenen Haus, einfach beiseitegewischt wurden.

Der Minister hält dagegen. Die Entscheidung für den Rettungsversuch durch das Umweltministerium sei "sehr genau abgewogen" und letztlich einstimmig getroffen worden. Einer behördlichen Genehmigung habe es nach geltender Rechtslage nicht bedurft. Die Aktion hätte allenfalls untersagt werden können, dies hätten die Stellungnahmen der zuständigen Abteilungen aber nicht ermöglicht. Diese wäre "mit Sicherheit gerichtlich angefochten worden", so Backhaus.


"Es hat Veränderungen gegeben"

Teilweise räumte der SPD-Mann jedoch Widersprüche ein. "Ja, es hat Veränderungen gegeben", erklärte er auf der Sitzung. So sei das Gurtsystem, mit dem der zwölf Tonnen schwere Wal Richtung Lastkahn bewegt wurde, ursprünglich nicht vorgesehen gewesen. Backhaus erklärt das mit dem immensen Zeitdruck angesichts der brenzligen Wal-Situation. An der Privatinitiative, die das Ganze gesponsert hatte, äußerte der Minister jedoch Kritik.

Bereits intern hatte es einem "Bild"-Bericht zufolge Streit zwischen den Geldgeber:innen, dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz sowie der Unternehmerin Karin Walter-Mommert gegeben. Backhaus äußerte sich ebenfalls über Unstimmigkeiten innerhalb der Zusammenarbeit. Auch hier geht es ums Geld: Die Initiative schulde dem Ministerium einen sechsstelligen Betrag. Weitere Abmachungen, wie eine lückenlose Dokumentation des Transports sowie die vollständige Übermittlung der Tracker-Daten des Wals, seien ebenfalls unzureichend eingehalten worden.

Backhaus: Diesmal würde er anders handeln

Nach dem Millionenchaos zieht Backhaus ein ernüchterndes Fazit. Auf die Frage, ob er aus heutiger Sicht noch einmal "als Minister mit dieser Initiative einen solchen Versuch unternehmen" würde, antwortete der Minister mit "Nein". Innerhalb der eigenen Reihen fällt sein Urteil allerdings anders aus.

"Für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern war dieser Versuch erfolgreich. Das Tier ist erfolgreich geborgen worden", sagte Backhaus. Einen Wal lebend zu transportieren, das sei in Deutschland bisher einmalig.


Ende März war Buckelwal Timmy erstmals am Timmendorfer Strand gestrandet. Mehrmals konnte sich das Tier freikämpfen, bevor es auf der nächsten Sandbank feststeckte. Zu guter Letzt blieb der bereits stark geschwächte Wal vor Poel liegen – laut einigen Expert:innen war Timmy schon zu diesem Zeitpunkt dem Tode geweiht.

Mitte April dann die Kehrtwende: Backhaus gab überraschend grünes Licht für den Transportversuch des Wals. Mittels einer Barge wurde der Zwölf-Meter-Riese in die Nordsee transportiert und dort freigelassen. Doch das vermeintliche Happy End von Buckelwal Timmy war nur von kurzer Dauer. Am 14. Mai strandete das Tier tot vor Dänemark – und das Drama ging von vorn los.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Bild: "Millionen-Streit um toten Timmy"

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