"Schraubenkönig"
Reinhold Würth zur Work-Life-Balance der Gen Z: Sie ist "wahnsinnig verwöhnt"
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Reinhold Würth: Vom Schraubenhändler zum Milliardär
Videoclip • 01:28 Min • Ab 12
Die Generation Z wünscht sich mehr Freizeit und eine bessere Work‑Life‑Balance – Reinhold Würth hält davon wenig. Der Unternehmer kritisiert die jüngere Generation deutlich und fordert mehr Leistungsbereitschaft.
Mehr Freizeit, kürzere Arbeitszeiten und gleichzeitig mehr Geld? Für Reinhold Würth geht diese Rechnung nicht auf. Der erfolgreiche Unternehmer kritisiert immer wieder die Arbeitsmoral der jüngeren Arbeitnehmer:innen und fordert mehr Einsatz. Er selbst hat sein Unternehmen zum weltgrößten Anbieter von Befestigungstechnik gemacht – und wurde damit zum Milliardär.
Seine Vorstellung von Arbeit unterscheidet sich deutlich von dem, was viele Menschen heute unter Work-Life-Balance verstehen. In einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" sagte Würth:
Die Work-Life-Balance wurde immer mehr in Richtung Life-Balance verschoben.
Das zeigt sich seiner Meinung nach besonders bei der Generation Z. Jüngere Beschäftigte seien von ihren Eltern aus der Babyboomer-Generation "wahnsinnig verwöhnt" worden, erklärte er im gleichen Interview.
Beim Festakt zu seinem 90. Geburtstag im April 2025 wurde Würth noch deutlicher:
Die Gen Z ist so behütet und verwöhnt worden von ihren Eltern, dass sie gar nicht verstehen können, dass man nicht immer mehr verdienen kann bei weniger Arbeitszeit.
Sein Gegenentwurf: mehr Leistungsbereitschaft. "Wir müssen wieder a bissle mehr schaffen", forderte der "Schraubenkönig".
Würth verbindet seine Forderung nach mehr Arbeit außerdem mit einem Appell an die Gesellschaft. Deutschland brauche wieder ein "Wir-Gefühl", sagte er. Das sei notwendig, "damit wir Visionen haben". Aber: "Das geht nicht ohne Arbeit!"
Würth verwies dabei auf seine eigene Arbeitsbiografie: "Sie gestatten mir, dass ich das sage, denn ich habe es mit 75 Arbeitsjahren ja vorgemacht." Würth fing schon mit 14 Jahren in der Firma seines Vaters als Lehrling an – und musste mit 15 Jahren allein auf Verkaufsreise gehen. Mit 19 Jahren übernahm er den kleinen Schraubenhandel. Doch das empfand er nie als Belastung:
Arbeiten war für mich immer mehr Hobby als Pflicht.
Würth über jüngere Generationen: Die Oberflächlichkeit hat zugenommen
Schon 2022 äußerte sich Würth kritisch über jüngere Generationen. Im Gespräch mit der "Zeit" sagte er, in der jungen Generation habe "die Oberflächlichkeit zugenommen". Den Unterschied zu seiner Generation erklärte er mit den unterschiedlichen Lebensbedingungen:
Nicht weil wir bessere Menschen gewesen wären, aber weil wir im Leben mehr mussten und weniger konnten.
Freiheit sei für seine Generation nie selbstverständlich gewesen und habe sie geprägt. Jüngere Generationen hätten dagegen "mehr Gestaltungsmöglichkeiten, weniger Grenzen". Dann mahnt Würth: "Das darf einem aber nicht zu Kopfe steigen."
Reinhold Würth ist mit Schrauben zum Milliardär geworden.
Bild: Bernd Weißbrod/dpa
Verwendete Quellen:
Augsburger Allgemeine: "Unternehmer und Milliardär Reinhold Würth: 'Die sollen doch mal 75 Jahre malochen'"
Stuttgarter Zeitung: "Reinhold Würth wendet sich an Gen Z: 'Müssen wieder mehr schaffen'"
Die Zeit: "So denkt Reinhold Würth über die Arbeitsmoral in Deutschland"
SWR: "Bundeskanzler: 'Bei Reinhold Würth ist alles außergewöhnlich'"
Die Zeit: "Ich habe ein gutes Gefühl bei dieser Regierung"
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