"Muss man sich nicht mehr merken"

Linken-Politiker Bartsch verliert bei "Lanz" wegen Sven Schulze die Fassung

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von Natascha Wittmann

Linken-Politiker Dietmar Bartsch hatte eine klare Meinung, als es um den Unvereinbarkeitsbeschluss der Union zur Linken ging.

Bild: Cornelia Lehmann / ZDF


Bei "Markus Lanz" wurde Dietmar Bartsch ungewohnt deutlich. Der Linken-Politiker rechnete mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze ab und kritisierte dessen Auftreten scharf. Als es um mögliche CDU-Verluste und die künftige Machtfrage im Land ging, platzte Bartsch schließlich der Kragen.

Bei "Markus Lanz" wurde Dietmar Bartsch ungewohnt deutlich. Der Linken-Politiker rechnete mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze ab und kritisierte dessen Auftreten scharf. Als es um mögliche CDU-Verluste und die künftige Machtfrage im Land ging, platzte Bartsch schließlich der Kragen.

Sachsen-Anhalt steht vor einer richtungsweisenden Wahl: Am 6. September wird ein neuer Landtag gewählt. Auch in Berlin schaut man besonders genau hin, denn die AfD liegt in aktuellen Umfragen klar vorn, die CDU als Regierungspartei folgt mit deutlichem Abstand (rund 18 Prozentpunkte). Bei "Markus Lanz" ging es am Mittwochabend deshalb nicht nur um mögliche Mehrheiten, sondern auch um eine Frage, die der Union im Ernstfall auf die Füße fallen könnte: Wie tragfähig ist der Unvereinbarkeitsbeschluss - und was passiert, wenn die CDU ohne neue Partner nicht mehr regieren kann? Lanz wollte es von Linken-Politiker Dietmar Bartsch ganz konkret wissen: "Was wird da passieren, wenn die AfD nicht die absolute Mehrheit erreichen sollte? Was kommt dann als Zerreißprobe auf die CDU zu?"

Dietmar Bartsch nahm den Ball auf und ging sofort in die Offensive. Der Beschluss der Union, nicht mit der Linken zusammenzuarbeiten, sei für ihn nicht mehr als eine Berliner Idee ohne Praxisbezug: "Dieser jetzige Unvereinbarkeitsbeschluss ist großer Unsinn. (...) Dieser Unvereinbarkeitsbeschluss ist eine Fiktion, eine Berliner Fiktion!" Richtig persönlich wurde Bartsch dann beim Blick nach Sachsen-Anhalt: CDU-Ministerpräsident Sven Schulze bekam in der Runde den Großteil der Breitseite ab. Bartsch stichelte: "Den muss man sich nicht mehr merken, das sage ich Ihnen mal voraus!" Kurz darauf folgte der nächste Seitenhieb: "Ich mag eigentlich kluge Leute." Lanz hörte die Spitze und antwortete überrascht: "Sie halten ihn für doof!"

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Markus Lanz irritiert: "Herr Bartsch, so kenne ich Sie gar nicht!"

Dietmar Bartsch wurde daraufhin grundsätzlich und warnte: "Er sollte sich seine Landesverfassung mal anschauen! Sven Schulze ist Ministerpräsident nicht durch eine Wahl geworden, sondern weil Herr Haseloff ihm das Amt übergeben hat." Der Linken-Politiker legte unbeirrt nach und wagte eine düstere Prognose für Schulzes Zukunft in seiner eigenen Partei: "In der Union wird er das nicht überleben - und das ist auch gut so. Weil jemand, der so viel verliert, der kann doch nicht ernsthaft als Ministerpräsident kandidieren!"

Markus Lanz wunderte sich über den ungewohnt scharfen Ton und hakte nach: "Was ist das persönliche Ding da zwischen Ihnen? Herr Bartsch, so kenne ich Sie gar nicht! (...) Irgendwas macht dieser Mann mit Ihnen!" Bartsch erklärte daraufhin, was ihn triggert: "Mir geht diese Arroganz auf den Keks. (...) Wenn man über zehn Prozent verliert, ist man nicht in einer Situation, dass man sagt, ich lasse mich von dem oder dem nicht wählen." Sein Fazit zur Linken? "Wir haben keinen Unvereinbarkeitsbeschluss, weil wir keinen brauchen. Weil bei uns weiß man, dass die Differenzen zur Union gewaltig sind!"

Neben der Wahl in Sachsen-Anhalt war auch der Anschlag beim Berliner CSD Thema. Journalist Florian Flade warnte zunächst eindringlich: "Diese islamistische Gefahr ist in den vergangenen Jahren systematisch unterschätzt worden". Islam-Experte Eren Güvercin sagte derweil über das Vorgehen von Extremisten: "Sie nutzen natürlich die Freiheiten, die man in einer westlichen, liberalen Demokratie hat (...): Meinungsfreiheit, Demonstrationsfreiheit."

Zugleich kritisierte er, die Politik rede oft "über die falschen Themen", denn: "Islamisten denken immer langfristig, sie arbeiten langfristig." Güvercin warnte deshalb vor dem bekannten Muster nach Anschlägen: "Man erlebt ja immer wieder dieselben Muster im politischen Diskurs nach islamistischen Anschlägen. Nach ein bis zwei Wochen ist das Thema wieder passé und dann kommt irgendwann der nächste Anschlag."

Lanz zu Bartsch: "Sie werfen jetzt auch gerade Nebelkerzen"

Die konkrete Forderung des Experten? "Wir als Gesellschaft insgesamt müssen uns (...) viel ernsthafter damit auseinandersetzen, warum wir diese jungen Menschen nicht mit den Werten unserer Gesellschaft überzeugen können!" Dietmar Bartsch verurteilte die Tat in Berlin ebenfalls und sagte: "Ich finde es richtig, dass wir uns von derartigen Idioten (...) die Freiheit (...) nicht nehmen lassen."

Er verwies jedoch auch auf Probleme im Staat: "Wir haben (...) bei Staatsanwälten und Richtern eine Unterbesetzung. Es gibt so viele Verfahren, die überhaupt nicht mehr bis zu Ende geführt werden." Lanz hielt dagegen: "Sie werfen jetzt auch gerade Nebelkerzen." Bartsch blieb dennoch bei seiner Linie: "Nein, ich werfe keine Nebelkerzen." Er betonte abschließend: "Ich finde, dass Islamismus - Salafismus in besonderer Weise - inakzeptabel ist und bleibt. Das ist eine Form der Radikalisierung, die wir in Deutschland (...) nicht akzeptieren dürfen."


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