Stadtrat stimmte dafür
New York verbannt Pferdekutschen – folgen bald weitere Orte?
Veröffentlicht:
von Jacqueline Bittl:newstime
New York verbietet Pferdekutschen: Auch Europa betroffen?
Videoclip • 56 Sek • Ab 12
150 Jahre rollten sie durch den Central Park, von Tourist:innen geliebt, von Tierschützer:innen kritisiert. Nun hat New York entschieden: Die Pferdekutschen müssen weg. Ein Beschluss, der weltweit Wellen schlägt und die Debatte über die lebende Touristentradition neu entfacht.
Es ist eine Entscheidung mit Symbolkraft: Der New Yorker Stadtrat hat grünes Licht gegeben für ein Gesetz, das Kutschfahrten durch den berühmten Central Park bis spätestens 1. Juni 2028 beendet. Das Gesetz trägt den Namen "Romanch's Law" – benannt nach einem 18-jährigen indischen Touristen, der im Juni ums Leben kam, nachdem er aus einer außer Kontrolle geratenen Kutsche sprang, um seiner herausgeschleuderten Mutter zu helfen.
Auch in den News:
Jahrzehnte des Streits, ein tödlicher Unfall brachte den Wendepunkt
Die Diskussion über ein Verbot zieht sich durch die Geschichte der Stadt wie ein roter Faden. Immer wieder wurden Initiativen gestartet, zuletzt von Bürgermeister Zohran Mamdani und Stadtratsvorsitzende Julie Menin, die sich auf den Gesetzentwurf verständigten. Tierschutzorganisationen prangern seit Langem an, die Tiere seien überlastet, schlecht untergebracht und anfällig für Panikattacken im Großstadtverkehr. Die rund 150 Kutscher hingegen bestreiten die Vorwürfe und verlangten bis zuletzt strengere Regeln statt eines kompletten Verbots. Manche von ihnen vermuten hinter den Verbotsinitiativen handfeste Immobilieninteressen: Die Ställe, die hauptsächlich an der Westseite Manhattans liegen, könnten lukrativ umgebaut werden.
Sogar Donald Trump meldete sich zu Wort. Der in New York geborene US-Präsident bezeichnete das Ende der Tradition auf seinem Sprachrohr Truth Social als "so traurig" und ein weiteres Stück Geschichte, das verschwinde.
Was mit den Kutschern beruflich passiert, ließ Mamdani offen. Stadtratsvorsitzende Menin brachte Rikschas als mögliche Alternative ins Spiel.
Pferdekutschenfahrten gehören für viele Tourist:innen in New Yorker zum Pflichtprogramm
Die Kutschen rollen seit rund 150 Jahren durch den Central Park. (Archivbild)
Bild: Bianca Otero/ZUMA Press Wire/dpa
Auch andere Städte und Länder unter Druck
Der New Yorker Beschluss trifft auf eine Branche, die sich weltweit im Umbruch befindet. Der Blick in andere Städte und Länder zeigt: Überall wird gerungen – mit unterschiedlichem Ausgang.
Wien hält (noch) fest an seinen Fiakern. Rund 150 Kutschen gehören zum Stadtbild, die Nachfrage hat nach Corona sogar zugenommen. Die Tierschutzvorgaben gelten international als vergleichsweise streng: Jedes Pferd darf höchstens 18 Tage im Monat arbeiten, der Gesundheitszustand der rund 300 Tiere wird regelmäßig überprüft. Dennoch: Im vergangenen Hitzesommer übergab der Österreichische Tierschutzverein dem Bürgermeister eine Petition mit 20.000 Unterschriften. Forderung: sofortiges Hitzefrei bereits ab 30 Grad statt bislang 35 Grad.
Prag hat bereits 2023 gehandelt: Pferdekutschen sind in der Unesco-Welterbe-Altstadt seither Geschichte. Die Begründung: repetitive Bewegungsabläufe, Abgase, belastetes Pflaster.
Mallorca kämpft mit sich selbst. Die Inselhauptstadt Palma kündigte bereits 2022 an, Kutschen bis 2024 abzuschaffen und auf Elektrofahrzeuge umzusteigen. Passiert ist bisher wenig. Andere Gemeinden auf der Insel sind konsequenter vorgegangen: Capdepera verbot Kutschen 2016, Alcúdia stellte 2023 auf Elektrokutschen um, Muro folgte 2024.
Griechenland erlebt den Rückgang der Branche auf natürlichem Weg: Fehlender Nachwuchs und nachlassende Rentabilität lichten die Reihen der Kutscher. Im venezianischen Alten Hafen von Chania auf Kreta wollten zuletzt von ursprünglich 16 Lizenzinhabern nur noch sechs weiterarbeiten.
Rom versucht, die letzten verbliebenen 16 Kutschbetreiber mit finanziellen Anreizen zum Umstieg auf Taxis zu bewegen, nachdem im Sommer Videos eines auf einer Brücke zusammengebrochenen Pferdes viral gegangen waren. Roms Tierschutzbeauftragte erklärte daraufhin, die Stadt sei für Kutschpferde nicht mehr geeignet.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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