Kreml-Chef
Wladimir Putin überlegt: Dreht Russland der EU "jetzt sofort" das Gas ab?
Aktualisiert:
von Christopher SchmittPutin droht indirekt – und stellt Russland gleichzeitig als zuverlässigen Gas-Lieferanten dar.
Bild: via REUTERS
In Russlands Staatsfernsehen denkt Wladimir Putin laut darüber nach, kein Gas mehr in die EU zu liefern. So könnte er einem Embargo vorgreifen – und die Preise hochtreiben.
Kommt Wladimir Putin der EU zuvor? Während Europa über ein Embargo gegen russisches Gas nachdenkt, überlegt der Kreml-Chef laut, zuvor selbst den Gashahn abzudrehen. "Jetzt öffnen sich andere Märkte. Und vielleicht ist es für uns vorteilhafter, jetzt sofort die Lieferungen für den europäischen Markt einzustellen", erklärte Putin in einem Interview des russischen Staatsfernsehens. Auch der Kreml verbreitete das Video.
Russlands Präsident denke nach eigener Aussage laut darüber nach, ob sein Land sich nicht umorientieren und andere Märkte ins Auge fassen solle. Möglicherweise wäre es laut Putin für das Land günstiger, andernorts Fuß zu fassen, allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen.
Nach Aussage des Kreml-Chefs würden jedoch sowohl Regierung als auch Unternehmen mit der Prüfung dieses Schrittes betraut. Mehrfach unterstrich der Präsident jedoch auch, dass Russland auch in Europa verlässlicher Lieferant bleiben wolle – wohl mit Blick auf Kunden wie Ungarn und die Slowakei.
Putin zufolge gehe es nur ums Geschäft, die politischen Hintergründe würden keine Rolle spielen. Wenn die EU ohnehin bald kein russisches Gas mehr abnehme, "ist es besser, jetzt selbst aufzuhören und in die Länder zu gehen, die zuverlässige Partner sind, und uns dort zu etablieren". In dem Interview machte er eine angeblich fehlerhafte Politik der EU auch für die Preistreiberei auf dem Gasmarkt verantwortlich.
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Gas-Lage durch Krieg im Nahen Osten angespannt
Aufgrund des Iran-Kriegs ist die Lage auf dem Gas-Markt ohnehin angespannt. Falls Putin sich zu diesem Schritt entschließen sollte, könnten die Energiepreise noch weiter in die Höhe schnellen. Schon 2022, als Russland in die Ukraine einmarschierte, hatte dies deutliche Auswirkungen auf den Gaspreis.
Aufgrund der EU-Sanktionen setzte Russland zuletzt auf eine Diversifizierung seiner Gaslieferungen – und baute das Geschäft mit China aus. Nach wie vor fließt allerdings Gas in die EU, trotz der Sanktionen. Bis spätestens Ende 2027 möchte die Europäische Union kein russisches Gas mehr importieren.
Bis dahin muss Europa völlig unabhängig sein. Doch im vergangenen Jahr floss nach Eurostat-Daten noch Gas im Wert von etwa 7,4 Milliarden Euro aus Russland in die EU-Länder – drei Prozent weniger als noch 2024. Insgesamt gab die Europäische Union rund 46 Milliarden Euro für importiertes Flüssiggas aus, davon entfallen 24,2 Milliarden Euro auf den größten Handelspartner: die USA.
Verwendete Quellen
Nachrichtenagentur dpa
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